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Konflikt im Nahen Osten bedroht Arzneimittelversorgung: Pharmaindustrie warnt vor möglichen Engpässen

AVAKAphoto (CC0), Pixabay

Die Pharmaindustrie schlägt Alarm: Der Krieg im Nahen Osten könnte mittelfristig zu Lieferengpässen bei wichtigen Medikamenten in Deutschland und Europa führen. Darauf weist der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hin. Grund dafür sind mögliche Störungen der internationalen Handelsrouten, über die ein großer Teil der Arzneimittel und ihrer Vorprodukte nach Europa gelangt.

Nach Angaben des Verbandes ist Deutschland in hohem Maße auf Importe aus Asien angewiesen. Rund zwei Drittel der weltweit benötigten Medikamente oder ihrer Wirkstoffe werden heute in asiatischen Ländern produziert, insbesondere in China und Indien. Diese Abhängigkeit macht das europäische Gesundheitssystem anfällig für geopolitische Krisen und Störungen in den globalen Lieferketten.

Handelsrouten unter Druck

Ein zentraler Risikofaktor sind derzeit die wichtigen Seehandelsrouten zwischen Asien und Europa. Wegen der angespannten Sicherheitslage im Nahen Osten bewerten einige Reedereien diese Routen inzwischen als riskant. Teilweise werden bestimmte Strecken bereits gemieden oder nur eingeschränkt befahren.

Dadurch können sich Transportzeiten verlängern oder Lieferungen verzögern. Gleichzeitig kann es auch zu Problemen bei der Versorgung asiatischer Produktionsstandorte kommen, wenn Rohstoffe für die Arzneimittelherstellung nicht rechtzeitig ankommen. Beide Entwicklungen könnten sich letztlich auf die Medikamentenversorgung in Europa auswirken.

Große Abhängigkeit von Asien

Der Geschäftsführer Politik des BPI, Sebastian Schütze, weist darauf hin, dass sich die weltweite Arzneimittelproduktion in den vergangenen Jahrzehnten stark verlagert hat.

„Ein Großteil unserer Arzneimittel wird nicht mehr in Deutschland und Europa produziert, sondern zu zwei Dritteln in Asien – hauptsächlich in China und Indien“, erklärte er. Dadurch entstünden erhebliche Abhängigkeiten von stabilen Handelswegen und funktionierenden globalen Lieferketten.

Wenn diese durch Konflikte oder politische Spannungen gestört werden, könne das gesamte Produktionssystem aus dem Gleichgewicht geraten.

Folgen könnten erst später spürbar werden

Kurzfristig rechnet die Branche noch nicht mit spürbaren Engpässen. Nach Einschätzung des BPI könnten sich mögliche Auswirkungen erst in einigen Monaten bemerkbar machen, falls sich die geopolitische Lage weiter zuspitzt.

„Alarmismus ist derzeit fehl am Platz“, betonte Schütze. Gleichzeitig sei die Situation für die Branche jedoch besorgniserregend. In den Unternehmen schrillten bereits die Alarmglocken, weil die Versorgung mit Medikamenten auf mittlere Sicht beeinträchtigt werden könnte.

Antibiotika besonders gefährdet

Besonders kritisch ist die Situation bei Antibiotika. Laut Branchenangaben existiert in Europa nur noch ein einziges größeres Produktionswerk für bestimmte Antibiotika-Wirkstoffe. Die Herstellung dieser wichtigen Medikamente ist in den vergangenen Jahren weitgehend nach Asien verlagert worden.

Damit zählt gerade diese Arzneimittelgruppe zu den besonders versorgungsrelevanten Produkten. Kommt es zu Störungen in den Lieferketten, könnten Antibiotika schneller knapp werden als andere Medikamente.

Frühere Lieferprobleme als Warnsignal

Bereits in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Lieferengpässen bei verschiedenen Arzneimitteln, darunter Fiebermittel, Schmerzmittel oder Antibiotika. Die Ursachen lagen häufig in Produktionsproblemen, gestiegenen Kosten oder unterbrochenen Lieferketten.

Die aktuellen geopolitischen Spannungen könnten nach Ansicht der Branche nun einen weiteren Risikofaktor darstellen.

Forderung nach mehr Produktionskapazitäten in Europa

Vor diesem Hintergrund fordern Pharmaverbände seit längerem eine Stärkung der Arzneimittelproduktion in Europa. Ziel sei es, die Abhängigkeit von einzelnen Regionen zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu erhöhen.

Dazu gehören unter anderem der Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten für Wirkstoffe, finanzielle Anreize für Hersteller sowie eine stärkere strategische Vorratshaltung wichtiger Medikamente.

Sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter verschärfen, könnten diese Diskussionen erneut an Dringlichkeit gewinnen. Denn die Stabilität der globalen Handelsrouten entscheidet in vielen Fällen darüber, wie zuverlässig Patienten in Europa mit lebenswichtigen Medikamenten versorgt werden können.

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