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Der perfide Trick mit dem „Sicher bezahlen“-Button: Wie Betrüger Kleinanzeigen-Nutzer systematisch in die Paypal-Falle locken

geralt (CC0), Pixabay

Was eigentlich Schutz bieten soll, wird von Kriminellen gezielt ausgenutzt: Das Bezahlsystem „Sicher bezahlen“ auf der Plattform Kleinanzeigen gilt als Absicherung für Käufer und Verkäufer. Doch eine neue Betrugsmasche zeigt, wie raffiniert Täter inzwischen vorgehen – und wie schnell selbst erfahrene Nutzer mehrere tausend Euro verlieren können.

Das Versprechen vom geschützten Kauf

„Sicher bezahlen“ funktioniert nach einem Treuhandprinzip: Das Geld wird über einen Zahlungsdienstleister verwaltet und erst freigegeben, wenn die Ware beim Käufer angekommen ist. Voraussetzung ist jedoch, dass die komplette Abwicklung innerhalb der Plattform bleibt. Sobald Nutzer die Seite oder App verlassen, endet dieser Schutz.

Genau an dieser Schwachstelle setzen Betrüger an.

Schritt eins: Vertrauen aufbauen

Die Täter melden sich ganz normal auf ein Inserat – höflich, interessiert, seriös. Oft wirken die Profile unauffällig. Statt die integrierte Zahlungsfunktion zu nutzen, schlagen sie jedoch Paypal vor. Das wirkt auf viele Nutzer vertrauenswürdig, da der Dienst weit verbreitet ist.

Dann folgt die angebliche Komplikation: Es habe ein Problem mit der Zahlung gegeben. Um den Vorgang abzuschließen, werde die E-Mail-Adresse benötigt. Viele geben diese in gutem Glauben heraus.

Schritt zwei: Die perfekt gefälschte Mail

Kurz darauf trifft eine E-Mail ein – scheinbar von Kleinanzeigen oder Paypal. Logo, Layout, Sprache: alles wirkt professionell. Die Absenderadresse sieht offiziell aus, ist jedoch technisch manipuliert.

In der Mail befindet sich ein Link zur „Bestätigung“ oder „Freigabe“ der Zahlung. Wer darauf klickt, landet nicht auf der echten Plattform, sondern auf einer täuschend echt gestalteten Fake-Seite.

Dort werden Bankdaten, Zugangsdaten oder Sicherheitscodes abgefragt. Was wie ein Routinevorgang wirkt, ist in Wahrheit die direkte Übergabe sensibler Daten an Kriminelle.

2.000 Euro in wenigen Minuten verloren

Eine Frau aus Thüringen schilderte im MDR-Magazin „Kripo live“, wie sie auf diese Masche hereinfiel. Sie erhielt per E-Mail einen Link zur Verkaufsbestätigung. Die Nachricht wirkte absolut authentisch. Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass es sich um eine Fälschung handelte.

Kurz darauf war ihr Konto um 2.000 Euro erleichtert.

Nach Angaben der Polizei sind solche Fälle keine Einzelfälle. Besonders gefährlich ist, dass die Täter psychologisch geschickt vorgehen: Sie schaffen Zeitdruck, verweisen auf angeblich blockierte Zahlungen oder drohende Stornierungen. Opfer handeln dann häufig schnell – und unüberlegt.

Warum der Trick so gut funktioniert

Der Erfolg der Masche basiert auf mehreren Faktoren:

  • Das offizielle Bezahlsystem existiert tatsächlich – dadurch wirkt die Geschichte plausibel.

  • Paypal genießt großes Vertrauen.

  • Die E-Mails sind professionell gefälscht.

  • Viele Nutzer erkennen nicht, dass sie die Plattform verlassen haben.

  • Der Ablauf wirkt technisch kompliziert – das erhöht die Verunsicherung.

Betrüger nutzen kein technisches Hacken im klassischen Sinn. Sie manipulieren Menschen.

Der entscheidende Fehler: Die Plattform verlassen

Sobald Kommunikation oder Bezahlung außerhalb der offiziellen Plattform erfolgt, entfällt der Käuferschutz. Das bedeutet: Weder Kleinanzeigen noch der Zahlungsdienstleister haften.

Viele Geschädigte berichten, dass sie erst nach dem finanziellen Schaden verstanden haben, dass sie sich nicht mehr in der offiziellen Umgebung befanden.

So schützen sich Nutzer

Experten und Polizei raten dringend:

  • Verkäufe und Zahlungen ausschließlich innerhalb der Plattform abwickeln

  • Keine sensiblen Daten per E-Mail weitergeben

  • Keine Links aus Nachrichten anklicken – die Adresse selbst im Browser eingeben

  • Absenderadressen genau prüfen

  • Bei ungewöhnlichen Zahlungsanweisungen sofort abbrechen

  • Im Zweifel den offiziellen Support kontaktieren

Wichtig: Kein seriöser Anbieter fordert per E-Mail zur Eingabe von Bankdaten oder Zugangsdaten über externe Links auf.

Ein strukturelles Problem des Online-Handels

Der Fall zeigt, dass selbst etablierte Sicherheitsmechanismen nur so stark sind wie das Verhalten der Nutzer. Plattformen können technische Schutzmaßnahmen einbauen – doch wenn Menschen freiwillig in betrügerische Umgebungen wechseln, greifen diese nicht mehr.

Mit wachsender Beliebtheit von Online-Marktplätzen steigt auch die Professionalität der Täter. Die Masche rund um „Sicher bezahlen“ ist kein Zufall, sondern eine gezielte Strategie, Vertrauen in bekannte Marken auszunutzen.

Wer online kauft oder verkauft, sollte sich daher eine einfache Regel merken:
Sobald jemand darum bittet, „nur kurz“ außerhalb der Plattform weiterzumachen, ist größte Vorsicht geboten.

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