Von außen wirkt Schloss Bellevue wie ein Postkartenmotiv unter blauem Himmel. Doch hinter der klassizistischen Fassade bröckelt es gewaltig. Das Dach ist undicht, die Technik veraltet, die Sicherheitsstandards nicht mehr zeitgemäß. Nun steht fest: Der Amtssitz des Bundespräsidenten wird grundlegend saniert – für mindestens 601 Millionen Euro. Mit Reserven und Preissteigerungen könnte das Projekt sogar bis zu 860 Millionen Euro kosten.
Die Sanierung ist auf acht Jahre angelegt. Damit wird das Staatsoberhaupt, das im März 2027 die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier antritt, seine gesamte Amtszeit voraussichtlich in einem Ausweichquartier verbringen. Sollte es bei einer Amtszeit bleiben, wird diese Person nie offiziell im Schloss residieren.
Laut Bundespräsidialamt entfallen 146 Millionen Euro auf das denkmalgeschützte Schloss selbst, weitere 120 Millionen auf den Verwaltungsbau, in dem rund 220 Mitarbeiter beschäftigt sind. Hinzu kommen 163 Millionen Euro für einen Neubau von Hauptwache und Technikzentrale sowie 162 Millionen Euro für die Sanierung der Parkanlagen und die Modernisierung der technischen Infrastruktur. Beide Gebäude sollen künftig klimaneutral betrieben werden.
„Es soll keine Luxussanierung sein, sondern das Notwendige muss gemacht werden“, betonte Staatssekretärin Dörte Dinger. Ursprünglich diskutierte Projekte wie ein zusätzliches Pressezentrum oder eine Aufstockung des Verwaltungsbaus seien gestrichen worden. Dennoch bleibt die Summe gewaltig. Zur Absicherung sind 188 Millionen Euro als Reserve eingeplant, weitere 71 Millionen für mögliche Baupreissteigerungen.
Die Gründe für die umfassende Renovierung sind vielfältig: Risse in der Fassade, angegriffene Decken, veraltete Lüftungsanlagen, fehlende Sicherheitsstandards bei Fenstern sowie Defizite bei Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit. Bereits 2004 und 2005 war das Schloss teilweise saniert worden – damals jedoch unter erheblichem Zeitdruck, sodass wichtige Maßnahmen aufgeschoben wurden.
Für Bundespräsident Steinmeier bedeutet das Projekt einen baldigen Umzug in ein neues Ausweichgebäude in der Nähe. Der sechsgeschossige Holzmodulbau war eigentlich früher geplant, wurde jedoch nicht rechtzeitig fertiggestellt. Privat bleibt Steinmeier vom Baustellenbetrieb verschont – er wohnt mit seiner Frau in einer Dienstvilla in Berlin-Dahlem.
Schloss Bellevue, 1785 erbaut und seit 1994 Amtssitz des Bundespräsidenten, wird damit zur Dauerbaustelle der Republik. Wenn die Arbeiten planmäßig verlaufen, soll der neue Glanz erst Mitte der 2030er-Jahre erstrahlen – dann allerdings klimaneutral, technisch auf dem neuesten Stand und hoffentlich ohne undichte Dächer.
Oh oh, wie unklug die antike Hütte des Grüßaugust vor dem Angriff der Russen 2029 mit fast einer Milliarde zu sanieren. Es geht wohl eher darum nicht dort zu sein, wenn eine Haselnuß das ganze Gebäude symbolisch einäschert.