1. Gesamtfazit aus Anlegersicht
Der Jahresbericht 2024/2025 des Capital Growth Fund zeigt ein ambivalentes Bild:
Operativ solide Performance
Stark rückläufiges Fondsvolumen
Hohe Aktienquote mit klarer Europa-Ausrichtung
Strenge ESG-Filter mit Performance-Nebenwirkungen
Während die Anteilwertentwicklung stabil blieb, ist das Fondsvolumen massiv geschrumpft – primär durch erhebliche Mittelabflüsse. Für Investoren ist daher weniger die Performance als vielmehr die Kapitalbewegung das zentrale Signal dieses Geschäftsjahres.
(Quelle: Jahresbericht S. 1–9)
2. Performanceanalyse
Anteilklasse SD (Hauptklasse)
1 Jahr: +1,1 %
3 Jahre: +25,0 %
5 Jahre: +49,3 %
Angesichts:
geopolitischer Spannungen
US-Zollunsicherheiten
anhaltender Ukraine-Krise
Zinswende
ist eine positive Jahresrendite als robust, aber nicht dynamisch zu bewerten.
Auffällig:
Das realisierte Ergebnis war sehr hoch (+41,7 Mio. EUR), jedoch wurde dies durch starke negative Marktwertveränderungen (nicht realisierte Verluste) überkompensiert (–124,5 Mio. EUR).
Das Geschäftsjahresergebnis für die SD-Klasse lag bei –82,9 Mio. EUR, was jedoch primär Bewertungseffekte widerspiegelt.
(Ertrags- und Aufwandsrechnung S. 6–7)
3. Dramatischer Rückgang des Fondsvermögens
Entwicklung Fondsvermögen (SD-Klasse)
Jahr Fondsvermögen
2024 419,7 Mio. EUR
2025 68,0 Mio. EUR
Das entspricht einem Rückgang von über 80 %.
Ursache:
Mittelabflüsse von rund –352 Mio. EUR netto
keine primär performancebedingte Erosion
Das bedeutet:
Investoren haben in großem Stil Kapital abgezogen.
Für potenzielle Anleger ist das ein kritischer Punkt:
sinkende Skaleneffekte
potenziell steigende relative Kosten
geringere Marktpräsenz
mögliches Reputationssignal
4. Portfolioanalyse
Asset-Allokation
Aktien: 81,7 %
Anleihen: 5,5 %
ETF (Investmentanteile): 9,5 %
Liquidität: 3,4 %
→ klar aktienlastiger Mischfonds
Regionale Struktur
Starker Fokus auf:
Deutschland
Eurozone
Schweiz
Großpositionen u. a.:
Linde (9,7 %)
Allianz (7,5 %)
Deutsche Telekom (8,0 %)
ASML (6,0 %)
VINCI
Münchener Rück
Sehr ausgeprägt: Large Cap Quality-Ansatz
5. ESG-Strategie – Chance und Performancebremse
Der Fonds bewirbt ökologische und soziale Merkmale gemäß Art. 8 SFDR.
Wesentliche Auswirkungen:
Keine Rüstungswerte
→ Verzicht auf ein stark performendes Marktsegment 2024/25
Ausschluss kontroverser Sektoren
Normbasierte Filter (UN Global Compact)
Im Bericht wird ausdrücklich erwähnt, dass der Fonds nicht in Rüstungswerte investiert war und dadurch nicht vollständig von der starken Performance dieses Segments profitieren konnte.
Das ist aus ESG-Sicht konsistent – aus Renditesicht jedoch ein klarer Opportunitätsverlust.
6. Kostenstruktur
Gesamtkostenquote (TER):
SD: 0,51 %
LD: 1,20 %
TFD: 0,70 %
Zusätzlich erfolgsabhängige Vergütung:
LD: 0,05 %
TFD: 0,19 %
Die SD-Klasse ist kostenseitig attraktiv.
Die LD-Klasse ist im Wettbewerbsvergleich teuer.
7. Risikoprofil
VaR-Ansatz (99 %, 10 Tage)
Maximal erzieltes Leverage: 132 %
Aktienquote über 80 %
Risikoprofil:
klar chancenorientierter europäischer Aktienfonds mit Beimischung von Unternehmensanleihen.
Die Derivate werden primär zur Absicherung genutzt (DAX-Futures).
8. Bewertung aus Investorensicht
Positiv
✔ Langfristig solide Wertentwicklung
✔ Qualitätsfokus bei Einzeltiteln
✔ Klare ESG-Strategie
✔ Moderate Kosten in SD-Klasse
✔ Breite Diversifikation
Kritisch
⚠ Extrem hohe Mittelabflüsse
⚠ Sehr starke Schrumpfung des Fondsvolumens
⚠ ESG-Restriktionen begrenzen Marktchancen
⚠ Hohe Europa-Konzentration
⚠ Geringe Dynamik in KI-/US-Wachstumssegmenten
9. Strategisches Gesamturteil
Der Capital Growth Fund präsentiert sich als:
konservativ geführter europäischer ESG-Qualitätsfonds mit klarer Aktienausrichtung, aber erheblichen Kapitalabflüssen.
Die operative Investmentleistung war stabil, jedoch nicht überzeugend genug, um Investoren im Fonds zu halten.
Für wen geeignet?
langfristige Anleger
ESG-orientierte Investoren
Europa-Fokus
Qualitätsstrategie
Für wen weniger geeignet?
Wachstumsinvestoren mit US-/Technologiefokus
Anleger mit Sensibilität gegenüber Fondsgröße und Mittelabflüssen
Renditejäger in zyklischen Sektoren
Abschließende Einschätzung
Der Bericht zeigt keinen strukturellen Managementfehler, jedoch eine strategische Herausforderung:
Der Fonds steht vor einem Wendepunkt.
Entscheidend wird sein, ob:
das Fondsvolumen stabilisiert werden kann
die ESG-Strategie weiterhin marktkonform performt
das Vertrauen institutioneller Anleger zurückgewonnen wird
Ohne eine Trendwende bei den Mittelzuflüssen droht eine weitere Marginalisierung im Markt.