Der Jahresbericht des Fonds DWS US Growth für den Zeitraum vom 01.10.2024 bis 30.09.2025 zeigt ein insgesamt positives, aber aus relativer Sicht enttäuschendes Bild. Zwar erzielte der Fonds mit +14,9 % (Anteilklasse LD) eine ordentliche absolute Wertentwicklung, blieb jedoch signifikant hinter seinem Vergleichsindex MSCI USA Growth (+21,5 %) zurück. Für Anleger ist diese Underperformance der zentrale Kritikpunkt des Berichtsjahres.
Marktumfeld und Positionierung
Das Umfeld war geprägt von geopolitischen Risiken (Ukrainekrieg, Nahostkonflikt, Spannungen USA–China) sowie Unsicherheiten in der US-Handels- und Zollpolitik. Positiv wirkten hingegen die geldpolitische Entspannung durch Zinssenkungen der EZB und der US-Notenbank sowie der anhaltende Optimismus rund um Künstliche Intelligenz. In diesem Kontext entwickelten sich US-Wachstumswerte insgesamt sehr stark – ein Umfeld, in dem aktives Management eigentlich Mehrwert liefern sollte.
Portfolioentscheidungen als Performancebremse
Das Fondsmanagement setzte bewusst auf eine erhöhte Cash-Quote (rund 2,8 %), um sich gegen erwartete Volatilität abzusichern. Diese defensive Positionierung erwies sich im Nachhinein als klarer Nachteil, da sie die Partizipation an der starken Marktbewegung begrenzte. Zusätzlich war der Fonds in mehreren Top-Performern des Marktes – darunter Broadcom und Tesla – untergewichtet. Belastend wirkte zudem die schwache Entwicklung von UnitedHealth Group, die durch operative Probleme und Managementwechsel Vertrauen verlor.
Positive Akzente und strukturelle Stärken
Auf der positiven Seite profitierte der Fonds von seiner starken Ausrichtung auf den Halbleiter- und Technologiesektor, insbesondere vom KI-Boom. Titel wie Nvidia, Amphenol, KLA und Microsoft leisteten substanzielle Beiträge. Die Branchenallokation zeigt eine klare Wachstumsorientierung mit rund 43 % im IT-Sektor, was langfristig attraktiv bleibt. Auch die breite Diversifikation über mehrere Wachstumsindustrien reduziert Klumpenrisiken.
Kosten, Struktur und Nachhaltigkeit
Die Gesamtkostenquote von 1,45 % p.a. (LD) ist für einen aktiv gemanagten US-Growth-Fonds marktüblich, schmälert jedoch im Vergleich zu passiven Alternativen die Nettorendite. Positiv ist die transparente Kostenstruktur und der Verzicht auf Performance Fees. Nachhaltigkeitsseitig handelt es sich um ein Artikel-8-Produkt, das ESG-Kriterien berücksichtigt, jedoch keine strikt nachhaltige Anlagestrategie verfolgt – für ESG-orientierte Anleger ist dies eher ein Mindeststandard als ein Differenzierungsmerkmal.
Fazit für Anleger
Aus Anlegersicht liefert der DWS US Growth eine solide absolute Rendite und ein qualitativ hochwertiges, wachstumsorientiertes Portfolio, enttäuscht jedoch klar im relativen Vergleich zur Benchmark. Die defensive Cash-Haltung und einzelne Fehlgewichtungen werfen Fragen zur aktiven Steuerung im Berichtsjahr auf. Für langfristig orientierte Investoren mit Vertrauen in die Titelauswahl und den Technologieschwerpunkt kann der Fonds weiterhin interessant sein. Benchmark-sensitive Anleger sollten jedoch kritisch prüfen, ob ein günstiger ETF auf den MSCI USA Growth im aktuellen Marktumfeld nicht die effizientere Alternative darstellt.