Der Kulturkampf zwischen Donald Trump und der US-Unterhaltungsbranche hat nach der diesjährigen Grammy-Gala eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nachdem bei der Preisverleihung mehrfach Seitenhiebe auf ihn und die Politik seiner Regierung zu hören gewesen waren, reagierte Trump mit einem wütenden Rundumschlag – öffentlich, persönlich und in gewohnt drastischer Sprache.
Auf seinem bevorzugten Kommunikationskanal Truth Social erklärte Trump die Grammy-Verleihung kurzerhand für „Müll“ und „praktisch nicht anschaubar“. Die traditionsreiche Gala, einst ein Prestigeereignis der Musikindustrie, sei seiner Ansicht nach zum Symbol kulturellen Niedergangs geworden. Statt Musik und Unterhaltung dominierten politische Belehrungen und billige Witze auf Kosten seiner Person, ließ der Präsident durchblicken.
Besonders ins Visier nahm Trump den Moderator des Abends, den Comedian Trevor Noah, der die Grammys zum sechsten und letzten Mal moderiert hatte. Noah sei ein „totaler Verlierer“, schrieb Trump, jemand ohne Talent, der nur deshalb Aufmerksamkeit bekomme, weil er den Präsidenten angreife. Der verbale Angriff ging noch weiter: Trump drohte Noah offen mit einer Klage – ohne allerdings konkret zu benennen, auf welcher rechtlichen Grundlage diese erfolgen solle.
Auslöser der Attacke waren offenbar mehrere ironische Bemerkungen und Anspielungen während der Show, die sich gegen Trump und zentrale Punkte seiner Politik richteten. Solche Seitenhiebe gehören bei großen US-Preisverleihungen längst zum festen Repertoire. Künstlerinnen, Künstler und Moderatoren nutzen die große Bühne regelmäßig, um politische Botschaften zu platzieren oder gesellschaftliche Missstände zu kommentieren. Gerade unter Trump hat sich diese Praxis noch verstärkt.
Der Präsident reagiert darauf seit Jahren mit wachsender Gereiztheit. Kritiker sehen in seinen Ausfällen ein Zeichen dafür, wie empfindlich er auf Spott aus dem Kulturbereich reagiert. Unterstützer hingegen feiern die Wortmeldungen als notwendigen Gegenschlag gegen eine aus ihrer Sicht politisch einseitige und moralisch überhebliche Unterhaltungsindustrie. Für sie sind die Grammys längst weniger Musikpreis als politisches Tribunal.
Die erneute Klagedrohung reiht sich in ein bekanntes Muster ein. Trump kündigt immer wieder juristische Schritte gegen Journalisten, Medienhäuser oder prominente Kritiker an. Tatsächlich umgesetzt werden diese Drohungen jedoch selten. Sie dienen vor allem als rhetorisches Mittel, um Kritiker einzuschüchtern oder öffentlich zu diskreditieren – ein Instrument, das Trump bereits lange vor seiner Präsidentschaft genutzt hat.
In der Kultur- und Medienwelt wurde Trumps Tirade überwiegend mit Spott oder demonstrativer Gelassenheit aufgenommen. Kommentatoren wiesen darauf hin, dass die heftige Reaktion dem Präsidenten womöglich mehr Aufmerksamkeit verschaffe als die eigentlichen Grammy-Witze. Einige sahen in der Wortwahl zudem eine Ironie der Geschichte: Ein Präsident, der regelmäßig Medien und Gegner beschimpft, echauffiert sich über Respektlosigkeit und fehlendes Niveau.
Der jüngste Schlagabtausch verdeutlicht einmal mehr die tiefe Entfremdung zwischen Trump und großen Teilen der US-Kulturszene. Während sich Musiker, Schauspieler und Moderatoren zunehmend offen politisch positionieren, nutzt Trump jede Kritik als Beleg für seine Erzählung von einer abgehobenen Elite, die den Kontakt zur „echten“ Bevölkerung verloren habe. Die Grammys sind damit nicht nur eine Musikpreisverleihung, sondern erneut zur Bühne eines grundlegenden gesellschaftlichen Konflikts geworden.
Ob Trumps Worte langfristig Wirkung zeigen oder lediglich als weiterer Ausbruch in der langen Liste seiner Kulturkampf-Episoden verbucht werden, bleibt offen. Sicher ist nur: Die nächste Preisverleihung kommt bestimmt – und mit ihr vermutlich auch der nächste öffentliche Schlagabtausch zwischen Politik, Popkultur und Präsident.