Die syrische Armee hat im Nordosten des Landes einen strategisch und wirtschaftlich entscheidenden Erfolg erzielt. Nach Angaben von Regierungsvertretern und Beobachtern übernahmen Regierungstruppen das größte Ölfeld Syriens, die Anlage Omar, nachdem sich die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) aus der Region zurückgezogen hatten. Auch mehrere nahegelegene Gasfelder sollen inzwischen unter Kontrolle der Armee stehen.
Die jüngsten Geländegewinne folgen auf den Rückzug der SDF östlich des Euphrats. Diese Verlegung wurde nach schweren Gefechten in der vergangenen Woche sowie nach Gesprächen mit US-Vertretern angekündigt. Zuvor hatte die syrische Armee bereits den strategisch wichtigen Tabqa-Staudamm und die gleichnamige Stadt am Euphrat eingenommen, die für die Energie- und Wasserversorgung des Landes von großer Bedeutung sind.
Der Vormarsch der Regierungstruppen ist Teil eines eskalierenden Konflikts, der aus dem Scheitern eines Integrationsabkommens zwischen der SDF und der Regierung von Präsident Ahmed al-Sharaa resultiert. Das Abkommen sollte kurdische militärische und zivile Strukturen in staatliche Institutionen eingliedern, wurde jedoch bis heute nicht umgesetzt. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Vertragsbruch vor.
In einem offenbar versöhnlichen Schritt hatte Präsident al-Sharaa am Freitag angekündigt, die kurdische Sprache als nationale Sprache anzuerkennen und das kurdische Neujahrsfest offiziell zum Feiertag zu erklären. Es wäre die erste formale Anerkennung kurdischer nationaler Rechte seit der Unabhängigkeit Syriens im Jahr 1946. Kurz darauf erklärten die SDF ihren Rückzug aus mehreren Gebieten westlich des Euphrats.
Die kurdischen Kräfte hatten über Jahre hinweg große Teile der ölreichen Regionen im Norden und Nordosten Syriens kontrolliert, insbesondere seit dem Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“. Die Einnahmen aus Ölfeldern wie Omar galten als eine der wichtigsten Finanzquellen der SDF.
Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zogen sich die SDF aus zahlreichen Ortschaften in der Provinz Deir Ezzor sowie aus den Ölfeldern Omar und Tanak zurück. Syrische Behörden beschuldigten die kurdischen Kräfte zudem, beim Abzug mehrere Brücken über den Euphrat gesprengt zu haben, darunter eine wichtige Brücke in Raqqa.
Die jüngsten Kämpfe forderten zuletzt auch zivile Opfer. In Aleppo wurden mindestens zwölf Menschen getötet. Trotz Bemühungen der USA, einen Waffenstillstand zu vermitteln, bleibt die Lage angespannt. Washington unterstützt sowohl die SDF als auch die syrische Regierung – ein Balanceakt, der die politische Lösung des Konflikts weiter erschwert.