Eine neue Studie zeigt, dass Tempo 30 im Straßenverkehr weit mehr ist als eine verkehrspolitische Symbolmaßnahme. Nach Untersuchungen der Björn-Steiger-Stiftung führt ein generelles Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde auf innerstädtischen Straßen zu weniger Unfällen, mehr Sicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer – und kaum messbaren Nachteilen für Autofahrer.
Für die Studie wurden 14 Städte im In- und Ausland untersucht, darunter Berlin, Graz, London und Toronto. Analysiert wurden Unfallzahlen, Verkehrsflüsse, Reisezeiten sowie Auswirkungen auf Sicherheit und Gesundheit.
Weniger Unfälle – kaum Zeitverlust
Ein zentrales Ergebnis: Mit Tempo 30 sinkt die Zahl der Verkehrsunfälle deutlich. Gleichzeitig verlängern sich die Fahrzeiten nur minimal. Der Grund: In Städten wird der Verkehrsfluss ohnehin häufig durch Ampeln, Kreuzungen und Staus bestimmt. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit unterscheidet sich daher kaum von Strecken mit Tempo 50.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Argument des Zeitverlustes bei Tempo 30 in der Praxis kaum ins Gewicht fällt – die Sicherheitsgewinne dagegen erheblich sind.
Deutlich geringeres Todesrisiko für Fußgänger
Besonders eindrücklich sind die Zahlen zum Schutz von Fußgängern. Laut der Björn-Steiger-Stiftung liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fußgänger bei einem Zusammenstoß stirbt, bei nur rund 3,5 Prozent, wenn ein Auto mit etwa Tempo 24 unterwegs ist. Steigt die Geschwindigkeit auf 50 km/h, erhöht sich das Todesrisiko dramatisch auf 37 Prozent.
Diese Zahlen verdeutlichen, wie stark bereits wenige Stundenkilometer über Leben und Tod entscheiden können. Tempo 30 senkt nicht nur die Aufprallenergie, sondern gibt Autofahrern auch mehr Reaktionszeit.
Mehr Lebensqualität in den Innenstädten
Neben der Verkehrssicherheit sieht die Studie weitere positive Effekte. Weniger Lärm, geringere Schadstoffbelastung und ein insgesamt ruhigeres Stadtbild tragen dazu bei, Innenstädte lebenswerter zu machen. Besonders Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen profitieren von einem langsameren Verkehr.
Die Stiftung betont, dass Tempo 30 erhebliches Potenzial hat, Städte nicht nur sicherer, sondern auch gesünder zu machen. Erfahrungen aus den untersuchten Städten zeigen zudem, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung nach der Einführung häufig steigt.
Tempo 30 als Zukunftsmodell?
Angesichts der Ergebnisse gewinnt die Debatte um ein flächendeckendes Tempo 30 in Städten weiter an Fahrt. Befürworter sehen in den Studienergebnissen eine klare wissenschaftliche Grundlage für politische Entscheidungen. Kritiker hingegen warnen vor Einschränkungen für den Autoverkehr – ein Argument, das durch die geringen Zeitverluste zunehmend an Gewicht verliert.
Die Studie legt nahe: Tempo 30 ist kein Hindernis für Mobilität, sondern ein wirksames Instrument für mehr Sicherheit, Gesundheit und Lebensqualität im urbanen Raum.