Die deutsche Finanzaufsicht Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt vor betrügerischen Aktivitäten im Zusammenhang mit der App „RBC NL“ sowie vor mehreren WhatsApp-Gruppen, die unter falschem Namen auftreten. Betroffen sind unter anderem Gruppen mit Bezeichnungen wie „S373 Robeco Kernmitgliedergruppe“, „M2 Robeco Value Investing Kreis“ oder „999 Robeco Investment Strategiezentrum – Blockhandel“.
Nach Erkenntnissen der BaFin geben sich die Betreiber dieser Gruppen als Mitarbeiter des in Frankfurt am Main ansässigen Unternehmens Robeco Deutschland, einer Zweigniederlassung der Robeco Institutional Asset Management B.V., aus. Ziel ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher dazu zu bewegen, über die App „RBC NL“ mit Finanzprodukten zu handeln. Die Aufsicht stellt jedoch klar: Zwischen Robeco und diesen WhatsApp-Gruppen oder der genannten App besteht keinerlei Zusammenhang. Robeco vertreibt weder Finanzprodukte über WhatsApp noch über andere soziale Medien. Es handelt sich um Identitätsmissbrauch zulasten des Unternehmens.
Verdacht auf unerlaubte Finanzgeschäfte
Die BaFin weist darauf hin, dass der Verdacht besteht, dass die unbekannten Betreiber ohne die erforderliche Erlaubnis Bankgeschäfte und Finanzdienstleistungen anbieten. Ein solches Vorgehen ist in Deutschland unzulässig. Wer Finanz- oder Wertpapierdienstleistungen erbringt, benötigt eine entsprechende Genehmigung der BaFin.
Typischer Ablauf der Betrugsmasche
Aus vergleichbaren Fällen ist der Finanzaufsicht ein wiederkehrendes Muster bekannt:
Zunächst werden auf sozialen Netzwerken Werbeanzeigen geschaltet, die mit kostenlosen Aktienempfehlungen, Schulungen oder exklusivem Börsenwissen werben. Häufig wird dabei der Eindruck erweckt, bekannte Wirtschaftsexperten oder lizenzierte Finanzinstitute stünden hinter den Angeboten.
Interessierte werden aufgefordert, über WhatsApp Kontakt aufzunehmen und einer Gruppe beizutreten. In diesen Gruppen tritt ein angeblicher Finanzexperte auf, oft unterstützt von einer „Assistenz“. In Seminaren oder Unterrichtseinheiten werden zunächst vermeintlich seriöse Marktanalysen und konkrete Kaufempfehlungen präsentiert.
Über Wochen hinweg versuchen die Initiatoren, Vertrauen aufzubauen. Später wird dann ein angeblich innovatives Investment-System vorgestellt, mit dem hohe und schnelle Gewinne erzielt werden sollen. Teilweise wird auch ein eigener Krypto-Token beworben, der exklusiv oder vorbörslich erhältlich sei.
Zur Bindung der Gruppenmitglieder werden Marketing-Aktionen, tägliche Check-ins oder Gewinnspiele eingesetzt, bei denen Kryptowährungen oder Sachwerte in Aussicht gestellt werden. Anschließend werden die Teilnehmenden aufgefordert, sich bei einer Online-Handelsplattform, einem speziellen Handelsprogramm oder einer App – wie hier „RBC NL“ – zu registrieren. Oft wird suggeriert, der Zugang sei zeitlich oder personell stark begrenzt.
In manchen Fällen stellen die Betreiber zu Beginn sogar kleinere Geldbeträge für Testtransaktionen zur Verfügung. Erste, geringe Auszahlungen sind möglich, um Seriosität vorzutäuschen. Einzahlungen erfolgen häufig über ausländische Konten oder in Kryptowährungen.
Im weiteren Verlauf steigt der Druck, immer mehr Geld nachzuschießen. Auszahlungen werden verzögert, an Bedingungen geknüpft oder vollständig verweigert. Nicht selten ändern sich zudem die Internetadressen der Handelsplattformen oder diese sind zeitweise nicht erreichbar.
BaFin rät zu besonderer Vorsicht
Die BaFin mahnt Anlegerinnen und Anleger zu größter Vorsicht bei Investmentangeboten über Messenger-Dienste. Seriöse Finanzinstitute werben nicht über WhatsApp-Gruppen und fordern dort weder zu Einzahlungen noch zur Nutzung bestimmter Apps auf.
Ob ein Unternehmen in Deutschland über eine Erlaubnis verfügt, kann in der Unternehmensdatenbank der BaFin überprüft werden. Die aktuelle Warnung basiert auf § 37 Absatz 4 des Kreditwesengesetzes.
Wer bereits Kontakt zu den genannten Gruppen hatte oder Geld investiert hat, sollte umgehend handeln, keine weiteren Zahlungen leisten und den Vorgang melden.