Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Behauptungen der US-Regierung über einen möglichen Zusammenhang zwischen Impfstoffen und Autismus mit deutlichen Worten zurückgewiesen. Nach Angaben der WHO gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass Impfungen Autismus auslösen oder begünstigen. Entsprechende Aussagen aus den USA seien irreführend und widersprächen dem aktuellen Stand der Forschung.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte in Genf, der zuständige Ausschuss für Impfstoffsicherheit habe sämtliche relevanten Studien der vergangenen Jahre erneut umfassend ausgewertet. Das Ergebnis sei eindeutig und lasse keinen Interpretationsspielraum: „Impfstoffe verursachen keinen Autismus.“ Diese Einschätzung stütze sich auf zahlreiche groß angelegte internationale Studien mit Millionen von Teilnehmern.
Hintergrund der Stellungnahme ist eine Äußerung der US-Gesundheitsbehörde CDC, wonach es keine Beweise dafür gebe, dass Impfstoffe keinen Autismus verursachten. Diese Formulierung löste international Kritik aus, da sie Zweifel an einer seit Jahrzehnten bestehenden wissenschaftlichen Faktenlage schürt. Fachleute warnen, dass solche Aussagen das Vertrauen in Impfprogramme untergraben und die öffentliche Gesundheit gefährden könnten.
Die WHO betonte, dass der vermeintliche Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus auf einer längst widerlegten Studie aus den späten 1990er-Jahren beruhe. Diese Arbeit wurde später wegen schwerer methodischer Mängel zurückgezogen, und ihr Autor verlor seine ärztliche Zulassung. Dennoch halte sich der Mythos bis heute hartnäckig, insbesondere in sozialen Netzwerken und impfkritischen Kreisen.
Autismus-Spektrum-Störungen gelten nach heutigem Wissensstand als komplexe neurobiologische Entwicklungsstörungen, deren Ursachen vor allem genetische Faktoren sowie Einflüsse während der frühen Gehirnentwicklung sind. Impfungen spielen dabei nach übereinstimmender Auffassung der internationalen Forschung keine Rolle.
Die WHO warnte davor, wissenschaftlich unbegründete Zweifel an Impfstoffen zu verbreiten. Sinkende Impfquoten könnten dazu führen, dass längst zurückgedrängte Krankheiten wie Masern, Polio oder Keuchhusten wieder verstärkt auftreten. Gerade Kinder seien dadurch einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Mit ihrer klaren Stellungnahme will die WHO nach eigenen Angaben zur Versachlichung der Debatte beitragen und das Vertrauen in Impfprogramme stärken. Tedros betonte, dass Impfstoffe zu den wirksamsten und sichersten Maßnahmen der modernen Medizin gehörten und jedes Jahr Millionen Menschenleben retteten. Wissenschaftliche Erkenntnisse dürften nicht durch politische oder ideologische Aussagen relativiert werden.