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Studie zeigt: Soziale Herkunft prägt Lesekompetenz stärker denn je

bacnk90 (CC0), Pixabay

Die soziale Herkunft hat in Österreich einen deutlich wachsenden Einfluss darauf, wie gut Erwachsene lesen können. Das zeigt eine neue Auswertung der PIAAC-Erhebung der OECD. Demnach haben 29 Prozent der Erwachsenen massive Schwierigkeiten beim Lesen – fast ein Drittel der Bevölkerung zwischen 16 und 65 Jahren.

Die am Freitag präsentierten Detailanalysen verdeutlichen: Der Bildungsstand der Eltern ist heute ein noch wichtigerer Faktor für die späteren Leseleistungen als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig wächst die Zahl jener Menschen, die Texte nicht sinnerfassend verstehen können, weiter an.

Leseschwäche hat sich seit 2011 nahezu verdoppelt

Bereits im Dezember 2024 war bekannt geworden, dass Österreich bei der Erwachsenen-PISA (PIAAC) schlechter abschneidet als beim letzten Durchgang 2011. Besonders auffällig:

  • 29 % der Erwachsenen haben Schwierigkeiten beim Lesen (2011: rund 15 %).

  • Österreich liegt unter dem Durchschnitt der 30 teilnehmenden Länder (254 gegenüber 260 Punkten).

  • 2011 lag Österreich noch leicht über dem OECD-Schnitt.

Die nun veröffentlichten Detailberichte zeigen, welche Ursachen hinter dieser Entwicklung stehen.

Drei Hauptfaktoren bestimmen die Lesekompetenz

Die Datenanalysten Eduard Stöger und Felix Deichmann (Statistik Austria) identifizierten drei besonders starke Einflussgrößen:

  1. Eigener Bildungsabschluss – Effekt 0,37
    Ob jemand eine Matura hat oder nicht, bleibt der stärkste einzelner Faktor.

  2. Bildungsstand der Eltern – Effekt 0,32
    Der Einfluss ist deutlich gestiegen (2011: 0,24).
    → Kinder aus bildungsnahen Haushalten haben deutlich bessere Chancen.

  3. Schulwahl in der Sekundarstufe I – Effekt 0,28
    Ob Mittelschule oder AHS-Unterstufe besucht wurde, wirkt sich ebenfalls aus – aber etwas schwächer als 2011.

Weitere relevante, aber geringere Faktoren:

  • Erstsprache (Deutsch oder nicht) – Effekt 0,15

  • Kindergartenbesuch – Effekt 0,09 (steigender Einfluss)

„Herkunft wird wichtiger“ – Bildungsforscher warnen

Stöger fasst die Datenlage klar zusammen:

„Die soziale Herkunft wird wichtiger. Bildungsanstrengungen wie Kindergartenbesuch oder ein höherer Abschluss helfen, aber sie können soziale Unterschiede nicht ausgleichen.“

Damit bestätigt die Forschung einen Trend, der auch in internationalen Studien beobachtet wird: Soziale Ungleichheiten beginnen früh – und verstärken sich über die Jahre.

AK zeigt sich alarmiert: 1,7 Millionen Betroffene

Die Arbeiterkammer reagierte besorgt. Laut ihren Berechnungen ist die Zahl der Erwachsenen, die Texte nicht sinnerfassend lesen können,

  • von 1 Million (2011)

  • auf 1,7 Millionen (2024) gestiegen.

Damit sei funktionaler Analphabetismus „längst kein Randproblem mehr“.

Ilkim Erdost (AK Wien) betonte:

„Echte Mitbestimmung ist nur möglich, wenn Menschen Informationen verstehen und einordnen können.“

Die AK fordert daher:

  • Ausbau der Erwachsenenbildung,

  • mehr kostenfreie Lernangebote,

  • strukturelle Maßnahmen zur Chancengleichheit von klein auf.

Warum das Thema so brisant ist

Lesekompetenz entscheidet darüber,

  • ob Menschen Arbeitsverträge verstehen,

  • ob sie politische Informationen einordnen können,

  • ob sie digitale Angebote nutzen können,

  • und wie gut sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Steigende Leseschwierigkeiten wirken sich damit direkt auf Demokratie, Arbeitsmarkt und Integration aus.

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