Mit dem Jahresende rückt traditionell die große Bilanz der Börse in den Fokus. 2025 war geprägt von wirtschaftlicher Unsicherheit, Inflationssorgen, geopolitischen Spannungen – aber auch überraschend robuster Kursentwicklung. Wie geht es 2026 weiter?
Im Gespräch mit Raimund Brichta zeigt sich Kemal Bagci, Marktstratege bei BNP Paribas, grundsätzlich zuversichtlich für das kommende Börsenjahr. Hier die wichtigsten Punkte aus dem Ausblick:
1. Rückblick 2025: Erholung trotz Gegenwind
Trotz globaler Krisen, Zinsunsicherheiten und schwankender Konjunkturdaten konnten sich viele Leitindizes erholen. Die US-Techwerte legten erneut deutlich zu, während der DAX nach einem schwachen Start zum Jahresende hin Boden gutmachte.
2. Zinsen und Notenbanken: Wende in Sicht
Für 2026 rechnen viele Analysten mit einer Zinswende. Die US-Notenbank Fed sowie die Europäische Zentralbank (EZB) könnten im Laufe des Jahres mit Zinssenkungen beginnen, wenn sich Inflation und Konjunktur entsprechend entwickeln. Das würde Aktienmärkten Rückenwind geben.
3. Chancen in Europa und Schwellenländern
Bagci sieht Potenzial bei europäischen Standardwerten, insbesondere wenn die Energiepreise stabil bleiben und die Nachfrage aus Übersee steigt. Auch Schwellenländer könnten 2026 profitieren – etwa durch eine Entspannung beim US-Dollar und sinkende globale Zinsen.
4. Sektoren im Fokus:
- Technologie: Bleibt Wachstumstreiber, aber selektive Auswahl nötig.
- Finanzen: Profitieren weiter von stabilen Zinsen, solange keine starke Rezession kommt.
- Industrie & Green Tech: Chancen durch staatliche Investitionen in Transformation und Infrastruktur.
- Gesundheit: Solide Basiswerte für volatile Phasen.
5. Risiken bleiben
Trotz der positiven Grundhaltung mahnt Bagci zur Vorsicht: Geopolitische Krisen, etwa in Nahost oder zwischen China und Taiwan, könnten jederzeit für Verwerfungen sorgen. Auch eine unerwartete Rezession sei nicht auszuschließen.
Fazit: 2026 mit verhaltenem Optimismus
Die Märkte sind stabiler als viele gedacht hätten. 2026 dürfte kein einfaches, aber ein chancenreiches Jahr werden – für Investoren mit Weitblick und guter Risikosteuerung. Entscheidend wird sein, frühzeitig auf Trends zu reagieren, ohne sich von kurzfristiger Nervosität leiten zu lassen.