Die geplante Anhebung des Mindestlohns auf 13,90 Euro zum 1. Januar 2026 sorgt in der Wirtschaft für deutliche Verunsicherung. Wie eine neue Befragung des Ifo-Instituts zeigt, rechnen zahlreiche Unternehmen mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen – und ziehen Konsequenzen, die auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie Verbraucher unmittelbar betreffen dürften.
Jeder fünfte Betrieb plant Stellenabbau
Insgesamt 22 Prozent der betroffenen Unternehmen geben an, dass sie aufgrund der höheren Lohnkosten Arbeitsplätze abbauen wollen. Besonders stark ist dies in Branchen zu erwarten, in denen Löhne einen hohen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen. Dazu zählen unter anderem:
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Gastronomie und Hotellerie
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Einzelhandel und Dienstleistungsgewerbe
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Reinigungs- und Sicherheitsdienste
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Logistik und Lieferdienste
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Teile des Handwerks
In diesen Bereichen bleibt oft nur wenig Spielraum, steigende Kosten anderweitig aufzufangen.
Jeder zweite Betrieb erhöht Preise
Die Hälfte der Unternehmen reagiert mit Preiserhöhungen, um die höheren Personalkosten an Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Das könnte sich unter anderem auf folgende Bereiche auswirken:
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Restaurant- und Cafépreise
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Ticket- und Eintrittspreise
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Logistik- und Versandkosten
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Handwerksrechnungen
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Einzelhandelswaren
Damit könnte die Mindestlohnerhöhung auch inflationstreibende Effekte mit sich bringen, besonders in arbeitsintensiven Dienstleistungen.
Investitionen werden zurückgefahren
Rund 28 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionen zu reduzieren. Das kann langfristig bedeuten, dass:
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Modernisierungen verschoben werden,
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digitale Projekte auf Eis liegen,
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Bildungs- und Ausbildungsangebote zurückgefahren werden,
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Wachstumspläne gestoppt werden.
Gerade kleine und mittelständische Betriebe sehen oft keine Alternative, als finanzielle Puffer für die Lohnanpassung bereitzustellen.
Gewinne unter Druck – Wettbewerbsfähigkeit im Fokus
Viele Firmen rechnen mit sinkenden Gewinnen und einer schwächeren Wettbewerbsposition, besonders im internationalen Vergleich. Unternehmen, die stark mit Anbietern aus Ländern konkurrieren, in denen die Lohnkosten niedriger sind, könnten Nachteile erleiden.
Diese Sorge betrifft vor allem:
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produzierende Gewerbe mit hoher Konkurrenz aus dem Ausland
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Handelsunternehmen, die mit internationalen Marktteilnehmern konkurrieren
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Dienstleister, die automatisierte Konkurrenzmodelle fürchten
Wirtschaftliche Debatte gewinnt an Fahrt
Die Ifo-Befragung zeigt, wie polarisiert die Wahrnehmung ist. Während Gewerkschaften und Sozialverbände die Erhöhung als wichtigen Schritt gegen Armutslöhne, Unsicherheit und steigende Lebenshaltungskosten bewerten, warnen Unternehmerverbände vor „übermäßigen Belastungen“ und strukturellen Risiken.
Befürworter der Mindestlohnerhöhung argumentieren:
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mehr Kaufkraft für Millionen Beschäftigte
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geringere Abhängigkeit von staatlichen Leistungen
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gerechtere Entlohnung für Berufe mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung
Kritiker betonen hingegen:
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mögliche Arbeitsplatzverluste
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weniger berufliche Einstiegs- und Ausbildungsplätze
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steigende Preise für Endverbraucher
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geringere internationale Wettbewerbsfähigkeit
Wie stark werden die Folgen ausfallen?
Ob sich die Erwartungen der Unternehmen eins zu eins in der Realität spiegeln, ist offen. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen von vielen Faktoren ab:
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wirtschaftliche Entwicklung 2026
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Konsumverhalten der Verbraucher
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Produktivitätssteigerungen
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technologische Modernisierung
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Anpassungsfähigkeit der Betriebe
Ökonomen weisen darauf hin, dass Umfragen vor Lohnerhöhungen oft pessimistisch ausfallen – die tatsächlichen Effekte sind dann manchmal geringer, manchmal aber auch stärker als erwartet.