Der norwegische Staatsfonds, einer der größten und einflussreichsten Investoren der Welt, geht auf Konfrontationskurs mit Microsoft-Chef Satya Nadella. Der rund 1,6 Billionen Euro schwere Fonds kündigte an, auf der kommenden Hauptversammlung gegen Nadellas Wiederwahl zum Verwaltungsratsvorsitzenden zu stimmen. Gleichzeitig lehnt er auch das aktuelle Vergütungspaket des CEOs ab.
Kritik: Machtfülle und fehlender Fokus auf Menschenrechte
Nach Ansicht des Fonds vereint Nadella zu viel Entscheidungsmacht in einer Person. Die Doppelrolle als CEO und Verwaltungsratsvorsitzender wird in Governance-Kreisen seit Jahren kritisch gesehen – auch bei anderen Tech-Riesen. Der Staatsfonds fordert eine klarere Gewaltenteilung und stärkere Kontrolle durch unabhängige Gremien.
Doch damit nicht genug: Die Norweger mahnen einen verantwortungsvolleren Umgang mit Menschenrechtsrisiken an. Sie wollen deshalb einen Aktionärsantrag unterstützen, der verlangt, dass Microsoft einen umfassenden Bericht über Risiken in Ländern mit „erheblichen Bedenken hinsichtlich der Menschenrechte“ vorlegt.
Druck auf Big Tech wächst weltweit
Der Schritt ist bemerkenswert: Der norwegische Staatsfonds hält Milliardenanteile an globalen Technologiekonzernen und gilt als eher nüchterner, langfristig orientierter Investor. Wenn er sich öffentlich gegen einen Konzernchef stellt, hat das Signalwirkung.
Zudem reiht sich die Kritik in eine wachsende Debatte ein: Immer mehr Investoren fordern Transparenz darüber, wie Tech-Unternehmen in autoritären Staaten agieren, welche Daten sie weitergeben und welche Geschäfte sie überhaupt eingehen.
Strategischer Kurswechsel?
Für Microsoft könnte der Widerstand bedeuten, dass sich der Druck erhöht, Nachhaltigkeits- und Menschenrechtsfragen deutlicher in der Unternehmensstrategie zu verankern. Auch die millionenschwere Vergütung Nadellas steht im Fokus – vielen Großinvestoren ist sie angesichts geopolitischer und gesellschaftlicher Risiken schlicht zu hoch.
Fazit: Ein Fonds zeigt Flagge
Der norwegische Staatsfonds setzt mit seiner Entscheidung ein klares Zeichen: Selbst die größten und mächtigsten Tech-Konzerne müssen Verantwortung übernehmen – und sich auf Aktionärsversammlungen kritischen Fragen stellen. Für Microsoft wird die anstehende Hauptversammlung damit ungleich spannender als in den Jahren zuvor.