In der thailändischen Provinz Sa Kaeo, unweit der Grenze zu Kambodscha, ist Wildhütern ein bedeutender Schlag gegen den illegalen Wildtierhandel gelungen. Bei zwei Einsätzen retteten Ranger insgesamt 143 Langschwanzmakaken, die unter grausamen Bedingungen gehalten wurden. Die Affen waren in engen Plastiknetzen, geflochtenen Körben und improvisierten Transportbehältern eingepfercht – ein Vorgehen, das typisch für kriminelle Wildtierhändler in Südostasien ist.
Die Einsätze folgten einem Hinweis lokaler Einwohner, die ungewöhnliche Bewegungen in einem Waldgebiet bemerkt hatten. Als die Einsatzkräfte eintrafen, bot sich ihnen ein erschütterndes Bild: Dicht gedrängt, teils übereinanderliegend und sichtbar unter Stress standen die Makaken in Netzen und Containern. Einige Tiere versuchten panisch auszubrechen, andere lagen entkräftet am Boden. Besonders Jungtiere litten unter Austrocknung, da sie seit Stunden oder gar Tagen ohne Wasser auskommen mussten.
Tierärzte, die die Ranger begleiteten, berichteten von verletzten Pfoten, Striemen vom Netzgewebe und massiven Stresssymptomen. Dennoch seien die meisten Tiere stabil und ansprechbar gewesen – „ein kleines Wunder“, wie ein Veterinär zitiert wurde.
Zwei Festnahmen – und Hinweise auf ein größeres Schmugglernetzwerk
Bei der Razzia wurden zwei Verdächtige festgenommen, die nach Angaben der Behörden als Teil eines größeren Netzwerks agiert haben könnten. Sa Kaeo gilt schon seit Jahren als zentrale Durchgangsroute für den illegalen Handel mit Wildtieren, da die Region dicht bewaldet ist und zahlreiche kleinere Grenzübergänge nach Kambodscha bietet. Schmuggler nutzen die Nähe zu versteckten Dschungelpfaden, um Tiere unbemerkt aus Thailand heraus- oder hineinzubringen.
Ermittler gehen davon aus, dass die Makaken für den Weiterverkauf nach Vietnam, Laos oder China vorgesehen waren. Von dort gelangen sie häufig entweder in die Hände illegaler Tierhändler, die sie als exotische Haustiere verkaufen, oder an Labore, die Tiere für Tierversuche nutzen – ein äußerst lukrativer Schwarzmarkt.
Langschwanzmakaken: Eine bedrohte Art trotz großer Verbreitung
Obwohl Langschwanzmakaken in Teilen Südostasiens noch häufig vorkommen, stehen sie auf der Roten Liste der IUCN. Hauptgründe dafür sind Lebensraumzerstörung, Fang für den Wildtierhandel und Konflikte mit Menschen. Viele Populationen schrumpfen rapide, besonders in Grenzregionen, wo die Überwachung schwach ist.
Wildtierschützer warnen, dass die Art in einigen Gebieten bereits lokal gefährdet ist – ein Trend, der sich beschleunigen könnte, wenn der Handel weiter zunimmt. In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach Makaken für Labortests, insbesondere im Ausland, stark gestiegen.
Wie die Tiere weiter behandelt werden
Nach ihrer Befreiung wurden die Makaken in ein staatliches Wildtierrettungszentrum gebracht. Dort werden sie zunächst medizinisch untersucht, geimpft, mit Flüssigkeit versorgt und in Gruppen separiert, um Stress zu reduzieren. Die Tiere sollen später – sofern gesundheitlich möglich – in sichere Schutzgebiete zurückgebracht werden. Besonders Jungtiere, die noch Muttermilch bräuchten, werden über Wochen intensiv betreut.
Die Behörden betonten, dass die vollständige Rehabilitation der Affen Monate dauern kann. Viele müssen erst wieder lernen, natürliche Nahrung zu finden und Gruppenstrukturen aufzubauen, bevor sie ausgewildert werden.
Thailand verschärft Kampf gegen Wildtierhandel
Die thailändische Regierung kündigte an, die Kontrollen entlang der Grenze zu intensivieren und stärker gegen professionelle Schmugglerbanden vorzugehen. Der Fall von Sa Kaeo gilt als einer der umfangreichsten Erfolge der letzten Zeit und soll ein Signal an die Täter senden.
Trotzdem bleibt der Handel ein Milliardenmarkt, der von internationalen Netzwerken betrieben wird. Experten weisen darauf hin, dass nur ein kleiner Bruchteil der illegal gehandelten Tiere entdeckt wird – viele sterben, bevor sie überhaupt ihr Ziel erreichen.
Ein Einsatz, der Leben rettet – und ein Ökosystem schützt
Die Ranger, die 143 Makaken befreiten, betonten die Bedeutung solcher Operationen. Wildtierhandel bedrohe nicht nur einzelne Arten, sondern ganze Ökosysteme. Die Entnahme großer Gruppen von Makaken störe natürliche Nahrungsketten, verändere das Verhalten anderer Tiere und gefährde langfristig das biologische Gleichgewicht der Region.
Die Rettungsaktion in Sa Kaeo zeigt, wie entscheidend der Einsatz von Wildhütern und lokalen Gemeinden ist, um dem wachsenden illegalen Tierhandel entgegenzutreten – und wie viel Mut und Entschlossenheit nötig sind, um diesen oft gefährlichen Banden das Handwerk zu legen.