Kaputter Toaster? Wackelkontakt im Föhn? Im Gilchinger Repair-Café nahe München bekommen ausrangierte Geräte ein zweites Leben. Rund 40 Ehrenamtliche schrauben, löten und tüfteln – alles kostenlos und mit einem Ziel: Müll vermeiden, Ressourcen schonen. Doch wer denkt, das bayerische Umweltministerium unterstütze solche Nachhaltigkeitsinitiativen großzügig, wird enttäuscht.
Denn: Die staatliche Förderung für Repair-Cafés ist streng reguliert – so streng, dass von rund 300 bekannten Initiativen nur 36 überhaupt Geld bekommen. Insgesamt flossen im laufenden Jahr lediglich 46.000 Euro.
Ehrenamt stößt an Grenzen
Im Repair-Café Gilching packt Sonja Gaja regelmäßig mit an. Sie sagt: „Wir machen das, damit der Müllberg nicht noch größer wird.“ Reparaturen seien nicht nur nachhaltig, sondern füllten auch eine Lücke, die der Handel längst hinterlassen habe.
„Viele Geschäfte reparieren gar nicht mehr. Das lohnt sich für sie einfach nicht – und Fachkräfte fehlen ohnehin“, erklärt Gaja. Die Folge: Wer einen kaputten Toaster hat, landet schnell im Elektronikmarkt – und das Altgerät im Müll.
Strenge Regeln: Ohne lange Öffnungszeiten kein Geld
Um das Engagement zu würdigen, hat das bayerische Umweltministerium unter Thorsten Glauber (Freie Wähler) 2024 ein Förderprogramm ins Leben gerufen. Repair-Cafés können einmal jährlich bis zu 3.000 Euro beantragen – allerdings nur, wenn sie fast schon professionelle Öffnungszeiten bieten:
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1.000 Euro gibt es ab 10 Öffnungstagen pro Jahr,
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2.000 Euro ab 40 Öffnungstagen,
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3.000 Euro erst ab mindestens 6 Öffnungstagen pro Monat.
Für viele Ehrenamtliche ist das kaum machbar. „Wir schaffen es nicht, so oft und so lange offen zu haben“, sagt Gaja. Schließlich arbeiteten alle im Repair-Café freiwillig – neben Beruf, Familie und Alltag. Das Motto laute daher: lieber öfter kurz, statt lang und selten. Doch genau das fällt durchs Raster.
Umweltminister Glauber verspricht Nachbesserung
Auf Nachfrage des BR räumt Umweltminister Glauber ein, dass das Programm noch jung sei. Es startete erst im Herbst 2024. „Wir werden evaluieren und nachschauen, ob wir am Ende tatsächlich noch besser unterstützen können“, verspricht er.
Trotzdem bleibt Skepsis: Ob die Hürden wirklich gesenkt werden, ist unklar. Einen Reparaturbonus – wie ihn etwa Österreich oder andere Bundesländer eingeführt haben – lehnt Glauber ab. Dort erhalten Bürger:innen beim Reparieren eines Geräts direkt einen Zuschuss. In Bayern dagegen soll das Geld an die Initiativen gehen – wenn sie denn die strengen Vorgaben erfüllen.
Fazit: Gute Idee, komplizierte Umsetzung
Repair-Cafés stehen für gelebte Nachhaltigkeit, ehrenamtliches Engagement und Gemeinschaft. Doch das Fördermodell zeigt: Bürokratie und Ehrenamt passen oft nicht zusammen.
Wer Menschen fürs Reparieren begeistern will, darf sie nicht mit Formularen und Mindestöffnungszeiten überfordern. Sonst droht Bayerns gute Idee, an ihren eigenen Bedingungen zu scheitern.