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Pflegegrad 1 darf nicht gestrichen werden – VdK-Präsidentin Bentele warnt vor sozialpolitischem Rückschritt
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Pflegegrad 1 darf nicht gestrichen werden – VdK-Präsidentin Bentele warnt vor sozialpolitischem Rückschritt

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, hat sich mit deutlichen Worten gegen Pläne ausgesprochen, den Pflegegrad 1 aus Kostengründen abzuschaffen. Im Gespräch mit dem MDR kritisierte sie, eine solche Maßnahme wäre kurzsichtig, unsozial und würde die Pflegekrise in Deutschland weiter verschärfen. Statt Einsparungen fordert sie strukturelle Reformen – insbesondere die Zusammenlegung der privaten und gesetzlichen Pflegeversicherung zu einem solidarischen System.

Bedeutung des Pflegegrads 1 für Betroffene

Der Pflegegrad 1 richtet sich an Menschen mit einem geringen, aber regelmäßigem Unterstützungsbedarf. Dazu gehören vor allem Seniorinnen und Senioren, die noch weitgehend selbstständig leben, aber im Alltag Hilfe benötigen – etwa bei der Körperpflege, beim Einkaufen, beim Putzen oder bei Arztbesuchen.

Nach Einschätzung von Bentele ist dieser Pflegegrad ein entscheidendes Instrument, um frühzeitig Unterstützung zu ermöglichen und Pflegebedürftigkeit abzufedern. „Pflegegrad 1 hilft, dass Menschen länger zu Hause leben können und nicht zu früh in ein Pflegeheim müssen“, erklärte die VdK-Präsidentin. Das entlaste nicht nur die Betroffenen, sondern auch Angehörige und das gesamte Pflegesystem.

In Deutschland werden laut Statistischem Bundesamt über 85 Prozent aller Pflegebedürftigen zuhause gepflegt – häufig von Familienangehörigen, die selbst berufstätig sind oder ihre Erwerbstätigkeit reduziert haben. Der Pflegegrad 1 ermögliche es, kleine Entlastungsleistungen zu finanzieren, die im Alltag einen großen Unterschied machen – etwa Haushaltshilfen, Alltagsbegleitung oder die Nutzung von Betreuungsangeboten.

„Wenn dieser Pflegegrad gestrichen würde, träfe das genau die Menschen, die noch aktiv am Leben teilnehmen und möglichst lange selbstbestimmt leben wollen. Das wäre ein sozialpolitischer Rückschritt“, warnte Bentele.

Kritik an politischer Sparpolitik

Die VdK-Präsidentin zeigte sich besorgt darüber, dass politische Entscheidungsträger immer wieder versuchen, die Finanzierungslücken der Pflegeversicherung durch Leistungskürzungen zu schließen. „Pflege darf nicht allein unter finanziellen Gesichtspunkten betrachtet werden. Sie ist eine Frage der Würde, des Respekts und der sozialen Verantwortung“, so Bentele.

Statt einzelne Leistungen zu streichen, müsse die Politik Wege finden, die Pflegeversicherung solidarischer und gerechter zu gestalten. Die Kosten dürften nicht auf die Schwächsten abgewälzt werden.

Vorschlag: Gemeinsame Pflegeversicherung

Bentele erneuerte ihre Forderung nach einer Pflegevollversicherung, in der gesetzlich und privat Versicherte gemeinsam einzahlen. „Die private Pflegeversicherung verfügt über deutlich höhere Rücklagen, während die Leistungen für die Versicherten nahezu identisch sind“, erklärte sie. Eine Zusammenlegung beider Systeme könne langfristig für mehr Stabilität sorgen und verhindern, dass einzelne Gruppen überfordert werden.

Außerdem forderte die VdK-Präsidentin mehr staatliche Unterstützung für pflegende Angehörige. Diese leisteten einen unverzichtbaren Beitrag, würden aber finanziell und emotional stark belastet. „Ohne die Familien würde das Pflegesystem längst zusammenbrechen. Es ist höchste Zeit, dass sie mehr Anerkennung und Unterstützung erfahren.“

Auswirkungen einer möglichen Streichung

Sollte der Pflegegrad 1 tatsächlich abgeschafft werden, hätten zehntausende Betroffene keinen Anspruch mehr auf Entlastungsleistungen, die aktuell mit 125 Euro pro Monat gefördert werden. Das würde dazu führen, dass Menschen mit beginnender Pflegebedürftigkeit länger ohne professionelle Hilfe auskommen müssen, bis ihr Zustand sich verschlechtert und sie in einen höheren Pflegegrad eingestuft werden.

Bentele sieht darin ein gefährliches Signal: „Wer frühzeitig Hilfe braucht, darf nicht bestraft werden. Wenn wir erst dann unterstützen, wenn es gar nicht mehr anders geht, machen wir das System teurer und unmenschlicher.“

Zudem könnte eine Abschaffung den Druck auf Pflegeheime erhöhen. Ohne die Möglichkeit, niedrigschwellige Hilfeleistungen zu finanzieren, müssten viele Betroffene früher stationär untergebracht werden – was sowohl emotional belastend als auch für das System kostenintensiv wäre.

Fazit

Der Pflegegrad 1 ist aus Sicht des VdK ein zentraler Baustein der Prävention und Selbstbestimmung im deutschen Pflegesystem. Seine Streichung wäre nicht nur ein Rückschritt, sondern ein sozialpolitisches Risiko mit weitreichenden Folgen.

Bentele brachte es auf den Punkt:
„Pflege darf nicht nach Kassenlage entschieden werden. Sie ist Teil unserer sozialen Verantwortung – für die Menschen, die unser Land aufgebaut haben, und für alle, die eines Tages selbst auf Hilfe angewiesen sein werden.“

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