Was für Laien wie eine Szene aus einem Cyberthriller klingt, ist in der Realität längst angekommen: Immer häufiger werden zivile Verkehrsflugzeuge in Europa Opfer gezielter elektronischer Angriffe. Das zeigen aktuelle Zahlen der Deutschen Flugsicherung (DFS) – und die sind alarmierend.
Allein 447 Störmeldungen von Januar bis August 2025 wurden von Flugzeugcrews an die DFS übermittelt. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es gerade einmal 25 Fälle. Die Zahl der Vorfälle ist damit geradezu explosionsartig gestiegen.
GPS-Signale gezielt manipuliert
Im Visier der Angreifer: die Satellitennavigation der Flugzeuge – ein zentrales System, auf das sich Piloten weltweit verlassen. Mit sogenannten „Spoofing-Angriffen“ senden Täter gefälschte oder überlagernde Signale, die die GPS-Daten verfälschen. Die Folge: Piloten sehen auf ihren Geräten eine Position, die nicht der Realität entspricht.
„Das ist keine Spielerei. Das kann extrem gefährlich werden“, warnt ein erfahrener DFS-Fluglotse. Denn eine falsche Positionsanzeige im Luftraum kann in dichten Flugverkehrsräumen lebensgefährlich sein – etwa über der Ostsee, wo aktuell die meisten Störversuche registriert werden.
Hybridkrieg in der Luft?
Besonders betroffen sind laut Bundesverkehrsministerium Gebiete über dem Baltikum und im Ostseeraum – Regionen, die in jüngster Zeit durch russische Militäraktivitäten, Cyberangriffe und hybride Bedrohungsszenarien immer wieder in den Fokus geraten.
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) spricht von einer „ernstzunehmenden Bedrohung für die zivile Luftfahrt“. Hauptgeschäftsführer Joachim Lang fordert deshalb: „Deutschland braucht ein zentrales, ressortübergreifendes Lagezentrum“, in dem Behörden, Geheimdienste und Wirtschaft regelmäßig Informationen austauschen – ähnlich wie bei Cyberangriffen auf IT-Infrastruktur.
Mehr als nur Drohnen
Die Sorgen der Luftverkehrsbranche werden durch die jüngsten Vorfälle in Dänemark untermauert: Dort mussten zuletzt mehrere Flughäfen gesperrt werden, weil unidentifizierte Drohnen über Start- und Landebahnen kreisten – zum Teil stundenlang. Auch hier steht der Verdacht im Raum, dass es sich um gezielte Störaktionen eines professionellen Akteurs handelt. Dänemarks Premierministerin sprach bereits offen von einem „hybriden Krieg“ gegen NATO-Staaten – und nennt Russland als mögliche Quelle der Bedrohung.
Luftfahrt als Angriffsziel
Experten sehen darin ein beunruhigendes Muster: Kritische Infrastruktur wie Flughäfen und Navigationssysteme wird zunehmend zum Ziel moderner Kriegsführung – ohne dass ein Schuss fällt. Gerade weil sich solche Angriffe oft nicht sofort technisch oder politisch zuordnen lassen, stellen sie Sicherheitsbehörden vor enorme Herausforderungen.
„Die Bedrohung ist real“, sagt ein Luftfahrtexperte. „Und sie betrifft nicht nur die militärische, sondern zunehmend auch die zivile Luftfahrt – und damit jeden Fluggast.“