Die Zeit der Fremdwährungskredite in Österreich geht ihrem Ende entgegen – zumindest auf dem Papier. Wie aus der aktuellen Erhebung der Finanzmarktaufsicht (FMA) hervorgeht, ist das Volumen an FX-Krediten an private Haushalte im zweiten Quartal 2025 wechselkursbereinigt um weitere 4 Prozent gesunken. Mit nur noch 5,63 Milliarden Euro machen sie gerade einmal 3,2 Prozent aller privaten Haushaltskredite in Österreich aus.
Damit setzt sich ein beispielloser Rückgang fort: Seit dem Verbot der Neuvergabe im Herbst 2008 ist das Volumen um 91 Prozent bzw. 43,7 Milliarden Euro zurückgegangen. Damals – auf dem Höhepunkt des Fremdwährungskreditbooms im Jahr 2006 – war noch fast jeder dritte Haushaltskredit in Österreich auf Fremdwährung ausgestellt. Die meisten davon auf Schweizer Franken, vereinzelt auch auf japanische Yen. Heute gelten sie als hochriskante Finanzprodukte aus einer anderen Zeit.
Schweizer Franken bleibt das Damoklesschwert
Rund 98,8 Prozent der verbliebenen FX-Kredite lauten weiterhin auf Schweizer Franken (CHF). Die Währung hat sich seit Anfang 2008 um satte 77 Prozent gegenüber dem Euro aufgewertet – eine Entwicklung, die viele Kreditnehmer teuer zu stehen kam. Wer damals ein Haus mit einem Franken-Kredit finanzierte, zahlt heute oft einen deutlich höheren Euro-Gegenwert zurück, als ursprünglich geplant.
Im zweiten Quartal 2025 pendelte der Wechselkurs des Franken um 0,9347 EUR, was für Betroffene zwar stabil, aber nach wie vor belastend ist. Die meisten noch offenen Kredite sind sogenannte endfällige Darlehen, die laut FMA-Schätzungen zwischen 2029 und 2033 zur Rückzahlung anstehen.
Rückzug mit Risiko
Für die österreichischen Banken ist das Thema längst nicht abgeschlossen. Die FMA fordert die Institute auf, mindestens einmal pro Jahr das Gespräch mit den betroffenen Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern zu suchen – sei es zur Risikobewertung, zur Umschuldung oder zur Aufklärung über die Rückzahlungsmodalitäten. Diese Gespräche seien, so die FMA, dringend zu empfehlen – auch im Interesse der Kreditnehmer.
Trotz des deutlichen Volumenabbaus bleibt die finanzielle Sprengkraft einzelner Altverträge bestehen. Sollten sich die Wechselkurse in Richtung Parität oder darüber hinaus bewegen, könnten einige Haushalte erneut in Bedrängnis geraten. Auch die Banken wären gefordert – etwa durch höhere Risikovorsorge oder individuelle Umschuldungsmaßnahmen.
Makroökonomisch keine Gefahr mehr – aber der Einzelfall zählt
Für den Finanzmarkt insgesamt ist die Entwicklung beruhigend: Die Zeit systemischer Risiken durch FX-Kredite ist vorbei. Die aktuelle Quote von 3,2 Prozent ist wirtschaftlich vernachlässigbar. Dennoch gilt: In Einzelfällen können existenzielle Belastungen bestehen bleiben – besonders, wenn hohe Tilgungsbeträge auf einmal fällig werden.
Auch Anleger können aufatmen: Die FX-Kreditrisiken sind in den Bilanzen der Banken inzwischen eingehegt. Für Investoren in österreichische Finanzinstitute spielt das Thema nur noch eine Randrolle, solange es zu keiner drastischen Franken-Aufwertung kommt.
Fazit:
Der Rückgang der Fremdwährungskredite markiert einen wichtigen Meilenstein im Abbau alter Finanzrisiken. Was einst als clevere Zinsstrategie galt, wurde zur systemischen Belastung – heute ist es eine überschaubare Altlast mit begrenztem, aber realem Risikopotenzial. Für betroffene Haushalte bleiben offene Gespräche mit der Bank entscheidend. Und für den Markt zeigt sich: Auch riskante Kreditmodelle lassen sich mit regulatorischer Konsequenz zurückdrängen – wenn auch nicht ohne Narben.