Die Elektromobilität gilt als Herzstück der deutschen Verkehrswende – doch bei der Ladeinfrastruktur herrscht vielerorts gähnende Leere. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums verfügt fast jede zweite deutsche Kommune über keine einzige öffentliche E-Ladesäule. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Fraktionschefs Dietmar Bartsch hervor.
Starke Unterschiede zwischen den Regionen
Besonders groß ist das Gefälle zwischen Stadtstaaten und Flächenländern: Während Berlin, Hamburg und Bremen inzwischen eine flächendeckende Ladeinfrastruktur bieten, sieht es in vielen Regionen von Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern düster aus. Rheinland-Pfalz weist demnach den niedrigsten Versorgungsgrad auf – hier haben zahlreiche Landkreise bis heute keine einzige öffentliche Ladesäule.
Bartsch spricht von „peinlichem Versagen“
Linken-Politiker Bartsch kritisiert das Ergebnis scharf: „Das ist ein peinliches Versagen der Verkehrswende“, sagte er der Rheinischen Post. Wer Menschen ernsthaft zum Umstieg auf Elektromobilität bewegen wolle, müsse nicht nur über Anschaffungskosten und Reichweiten sprechen, sondern vor allem auch eine verlässliche Ladeinfrastruktur im ganzen Land sicherstellen. Ohne dieses Grundgerüst bleibe der Umstieg für viele Bürgerinnen und Bürger unattraktiv.
Problem für ländliche Regionen
Besonders deutlich wird das Problem auf dem Land: Wer hier ein E-Auto fährt, muss oft lange Umwege in Kauf nehmen, um an eine Ladesäule zu gelangen. Dies könnte nicht nur potenzielle Käufer abschrecken, sondern auch dazu führen, dass bestehende Fahrzeuge weniger genutzt werden. Experten warnen zudem, dass fehlende Ladepunkte den Zweitmarkt für E-Autos ausbremsen könnten, weil viele Interessierte den Alltagseinsatz für zu unsicher halten.
Regierung setzt auf Ausbau – aber reicht das?
Die Bundesregierung verweist darauf, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur bereits mit Förderprogrammen unterstützt werde. Ziel sei es, bis 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte zu schaffen. Branchenvertreter zweifeln allerdings, ob das Tempo reicht. Derzeit liegt die Zahl der Ladepunkte bundesweit bei rund 120.000 – ein Bruchteil dessen, was in den nächsten Jahren notwendig wäre.
Verkehrswende unter Druck
Die stockende Infrastruktur könnte zu einem Bremsklotz der Verkehrswende werden. Zwar steigt die Zahl der Neuzulassungen von E-Autos weiter, doch der Hochlauf verlangsamt sich. Experten sehen darin auch eine direkte Folge der Unsicherheit bei Ladezeiten, Kosten und Verfügbarkeit von Ladestationen.