Die europäische Hilfsorganisation SOS Mediterranee hat in Italien Strafanzeige erstattet, nachdem ihr Rettungsschiff Ocean Viking mutmaßlich von Einheiten der libyschen Küstenwache beschossen worden war. Eine Sprecherin der NGO kündigte an, auf allen Ebenen juristische Schritte einzuleiten: „Wir werden Rechenschaft einfordern.“
Vorwürfe gegen mehrere Akteure
Die Organisation betont, es gehe nicht nur um die unmittelbar Verantwortlichen der Schüsse. Auch europäische Staaten und Institutionen müssten sich Fragen gefallen lassen, da sie die libysche Küstenwache politisch und finanziell unterstützen. Aus Sicht von SOS Mediterranee trägt die EU deshalb eine Mitverantwortung für den Vorfall.
Gefährliche Situation auf See
Nach bisherigen Informationen geriet die Ocean Viking während einer Mission im Mittelmeer unter Beschuss. Verletzt wurde niemand, dennoch zeigt der Vorfall die Risiken, denen zivile Seenotretter in der Region regelmäßig ausgesetzt sind. Der Beschuss wird als Einschüchterungsversuch gewertet, um Rettungseinsätze zu verhindern.
Politische Brisanz
Die Zusammenarbeit der Europäischen Union mit der libyschen Küstenwache steht seit Jahren in der Kritik. Menschenrechtsorganisationen werfen ihr systematische Gewalt, rechtswidrige Festnahmen und die Rückführung von Schutzsuchenden in Lager mit unmenschlichen Bedingungen vor. Der jüngste Vorfall dürfte die Debatte über die Rolle Europas bei der Abwehr von Migration erneut anheizen.
Ausblick
Die Ermittlungen in Italien sollen klären, wer konkret für den Beschuss verantwortlich war und inwiefern europäische Partner mitverantwortlich gemacht werden können. Für die Seenotretter ist der Schritt vor allem ein Signal: Sie wollen nicht nur Schutz für ihre Crews, sondern auch politische Konsequenzen für die enge Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache.