Das Reiseportal Booking.com sieht sich mit massiven rechtlichen Schritten der europäischen Hotellerie konfrontiert. Nach Angaben der europäischen Hotelallianz Hotrec haben sich mehr als 15.000 Hotels einer Sammelklage gegen den Marktführer angeschlossen. Die Frist zur Anmeldung sei inzwischen abgelaufen.
Schwerpunkt Italien, Deutschland und Niederlande
Die meisten teilnehmenden Betriebe stammen aus Italien, gefolgt von Deutschland und den Niederlanden. Hotrec betont, dass die große Beteiligung ein deutliches Zeichen dafür sei, wie verbreitet die Kritik an den Geschäftspraktiken von Booking.com innerhalb der Branche ist.
Vorwurf: Wettbewerbsbeschränkung durch Preisvorgaben
Im Kern geht es um die sogenannten Preisparitätsklauseln, die Booking.com den Hotels über Jahre hinweg auferlegte. Diese Klauseln verboten es den Betrieben, ihre Zimmer auf anderen Kanälen – insbesondere auf der eigenen Website – zu günstigeren Konditionen als auf Booking.com anzubieten. Wer sich widersetzte, musste mit schlechterer Sichtbarkeit auf der Plattform rechnen.
Nach Ansicht der Hotels führte diese Praxis zu finanziellen Nachteilen und Wettbewerbsverzerrungen. Mit der Sammelklage wollen die Kläger daher Schadenersatz für die entgangenen Einnahmen einfordern.
Langjähriger Streit
Der Konflikt schwelt seit Jahren. Mehrere nationale Wettbewerbsbehörden – darunter auch in Deutschland – stuften die Preisvorgaben bereits als rechtswidrig ein. Dennoch hielt Booking.com lange Zeit an restriktiven Vertragsbedingungen fest, was den Druck innerhalb der Branche weiter erhöhte.
Bedeutung für Verbraucher und Branche
Ein Erfolg der Klage könnte weitreichende Folgen haben: Hotels erhielten künftig mehr Spielraum, ihre Zimmerpreise frei und flexibler zu gestalten. Für Gäste könnte das zu günstigeren Direktbuchungen führen. Gleichzeitig stünde das Geschäftsmodell großer Buchungsportale auf dem Prüfstand.
Booking.com hat sich bislang nicht umfassend zu den Vorwürfen geäußert. Beobachter rechnen mit einem langwierigen Verfahren, bei dem es um erhebliche Summen gehen könnte – möglicherweise im Milliardenbereich.