In der ostspanischen Kleinstadt Buñol, unweit von Valencia, haben sich auch in diesem Jahr wieder Zehntausende Menschen zur legendären Tomatenschlacht „La Tomatina“ versammelt. Rund 22.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stürzten sich in das bunte Chaos und bewarfen sich eine Stunde lang mit überreifen Tomaten, bis die engen Straßen der Stadt in ein einziges rotes Meer verwandelt waren.
Ursprung und Tradition
Die Tradition von „La Tomatina“ reicht bis ins Jahr 1945 zurück, als sich der Legende nach Jugendliche bei einem Dorffest mit Tomaten bewarfen. Was als spontane Rangelei begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem weltbekannten Festival, das seit 1957 offiziell von der Gemeinde organisiert wird. Mittlerweile gilt die Veranstaltung als Touristenmagnet: Menschen aus aller Welt reisen eigens nach Buñol, um an der größten Tomatenschlacht der Welt teilzunehmen.
120 Tonnen Tomaten als „Munition“
Für das Spektakel wurden nach Angaben der Veranstalter in diesem Jahr rund 120 Tonnen Tomaten bereitgestellt. Sie stammen aus eigens für das Fest angebauten Beständen, die nicht für den Verzehr geeignet sind. Damit soll sichergestellt werden, dass keine genießbaren Lebensmittel verschwendet werden. Die Tomaten sind besonders reif und weich, damit sich die Teilnehmer nicht verletzen.
Ablauf der Schlacht
Punkt 11 Uhr am Mittwoch begann die Schlacht, traditionell eingeläutet durch das Abfeuern einer Wasserkanone. Dann fuhren Lastwagen in die engen Straßen und luden ihre Tomatenladung ab. Innerhalb weniger Minuten verwandelten sich die Gassen in ein Schlachtfeld aus roter Sauce, in dem ausgelassene Stimmung, Musik und Lachen dominierten. Viele der Teilnehmer tragen Schutzbrillen, um ihre Augen vor dem Tomatensaft zu schützen – und auch alte Kleidung, die nach dem Fest meist entsorgt wird.
Nach exakt 60 Minuten wird das Ende des Spektakels verkündet. Anschließend rücken Feuerwehr und Reinigungstrupps an, um die Straßen von Buñol wieder freizuspritzen. Schon kurz danach erstrahlt der Ort fast wie neu – eine logistische Herausforderung, die fester Bestandteil der Veranstaltung ist.
Internationale Anziehungskraft
„La Tomatina“ ist längst weit mehr als ein lokales Volksfest. Besucher reisen aus allen Kontinenten an, viele davon junge Rucksacktouristen, die das Event mit einem Urlaub an der spanischen Mittelmeerküste verbinden. Für die Gemeinde Buñol ist das Festival nicht nur ein kulturelles Highlight, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der Hotels, Restaurants und lokale Dienstleister belebt.
Weltrekord und Kultstatus
Laut dem Guinness-Buch der Rekorde handelt es sich bei „La Tomatina“ um die größte Lebensmittelschlacht der Welt. Der Kultstatus des Fests wird zusätzlich durch Filme, Dokumentationen und unzählige Bilder in sozialen Medien befeuert, die das Ereignis jedes Jahr um die Welt gehen lassen.
Fazit
„La Tomatina“ vereint Tradition, Spektakel und internationale Ausstrahlung. Was einst als spontane Rangelei begann, ist heute ein weltweit bekanntes Sommerfestival, das jedes Jahr die kleine Stadt Buñol ins Zentrum globaler Aufmerksamkeit rückt – auch wenn nach einer Stunde Tomatenschlacht die Spuren des Ausnahmezustands schnell wieder beseitigt werden.