„Trading ist kein Hobby – sondern ein Risiko“
Interview mit Rechtsanwalt Hans Witt, Heidelberg
Redaktion: Herr Witt, Trading wird in sozialen Medien immer wieder als Möglichkeit angepriesen, schnell Geld zu verdienen. Was sagen Sie dazu?
Hans Witt: Ich sehe das mit großer Sorge. Trading, insbesondere Daytrading oder der Handel mit CFDs, ist für Kleinanleger in der Regel ungeeignet. Es wird oft als modernes Sparen oder Nebenverdienst verkauft – in Wirklichkeit ist es spekulativ und hochriskant. Die meisten verlieren damit Geld.
Redaktion: Aber es gibt doch auch Berichte über Kleinanleger, die viel Gewinn gemacht haben?
Hans Witt: Die Ausnahmen schaffen die Schlagzeilen – die Verluste sind die Regel. Studien zeigen: Über 70–80 % der privaten Trader erleiden Verluste. Und die Anbieter wissen das. Sie leben davon, dass möglichst viele „Einsteiger“ sich selbst überschätzen oder falschen Versprechen glauben.
Redaktion: Was macht das Trading so riskant?
Hans Witt: Erstens die Komplexität. Man braucht tiefes Marktverständnis, Reaktionsschnelligkeit und Disziplin. Zweitens der psychologische Faktor: Angst, Gier und Stress führen oft zu Fehlentscheidungen. Drittens: Die Produkte selbst. Hebelprodukte etwa vervielfachen nicht nur Chancen, sondern auch Verluste. Innerhalb weniger Minuten kann das gesamte Kapital weg sein.
Redaktion: Gibt es auch rechtliche Gefahren?
Hans Witt: Ja, durchaus. Viele Trading-Plattformen haben ihren Sitz außerhalb der EU oder operieren ohne Lizenz. Da wird es für Betroffene extrem schwierig, Ansprüche durchzusetzen. Außerdem sehen wir vermehrt unseriöse Anbieter, die mit fingierten Gewinnen locken und am Ende das Geld nie auszahlen.
Redaktion: Was raten Sie Kleinanlegern, die trotzdem einsteigen möchten?
Hans Witt: Erstens: Keine falschen Hoffnungen machen. Wer traden will, sollte nur Kapital einsetzen, dessen Verlust er verschmerzen kann. Zweitens: Unbedingt auf eine EU-regulierte Plattform achten. Drittens: Nicht blind auf Tipps in Foren oder YouTube vertrauen – und keine Schnellschüsse machen. Und wenn es Anzeichen für Betrug gibt: Sofort rechtlichen Rat einholen.
Redaktion: Letzte Frage: Was halten Sie von Trading-Apps und „Social Trading“?
Hans Witt: Sie suggerieren, dass Trading kinderleicht sei – mit ein paar Klicks zum Reichtum. Das ist gefährlich. Social Trading klingt harmlos, führt aber oft dazu, dass unerfahrene Nutzer anderen folgen, die ebenfalls keine Ahnung haben. Das ist keine Strategie, sondern Glücksspiel mit Vorbildfunktion. Ich rate davon klar ab.
Redaktion: Herr Witt, vielen Dank für das Gespräch.