Dark Mode Light Mode

„Great British Energy“-Solarpaneele stammen aus China – Kritik an Lieferketten wächst

grass27 (CC0), Pixabay

Die ersten Schulen in England, die mit sogenannten „Great British Energy“-Solaranlagen ausgestattet wurden, haben Module aus chinesischer Produktion erhalten. Wie die BBC berichtete, stammen die Solarpaneele von den chinesischen Firmen Aiko und Longi – trotz politischer Beteuerungen, mit der neuen staatlichen Energiegesellschaft in ethische und nachhaltige Lieferketten zu investieren.

Die britische Regierung bezeichnete das Projekt als „erstes großes Vorhaben“ der unter Labour gegründeten, staatlich geführten Gesellschaft Great British Energy (GBE), die mit rund 200 Millionen Pfund öffentliche Gebäude wie Schulen und NHS-Kliniken mit Solarenergie ausstatten soll.

Vorwürfe und Widersprüche

Die Entscheidung, bei den ersten elf Projektschulen auf chinesische Anbieter zu setzen, sorgt für Kritik – insbesondere angesichts wiederholter Vorwürfe von Zwangsarbeit in chinesischen Lieferketten, insbesondere in der Provinz Xinjiang, einem Hauptproduktionsstandort des für Solarpaneele essenziellen Rohstoffs Polysilizium.

„Ich bin begeistert vom Konzept von Great British Energy“, sagte die Labour-Abgeordnete Sarah Champion gegenüber der BBC.
„Aber wir sollten kein Steuergeld für Produkte aus möglicherweise zwangsarbeitsbasierten Lieferketten verwenden. Und wo immer möglich: britisch kaufen.“

Laut Champion sei es zwar kurzfristig teurer, auf nicht-chinesische Alternativen zu setzen, doch gebe es auch Produzenten in Kanada, Taiwan – und sogar im Vereinigten Königreich. Der britische Hersteller GB-Sol betonte, dass es zwar schwer sei, dem chinesischen Markt auszuweichen, der ethische Druck auf die Branche aber wachse.

Weltmarkt von China dominiert

China ist laut der Internationalen Energieagentur (IEA) weltweit führend in allen Produktionsstufen von Solartechnologie – mit einem Marktanteil von über 80 Prozent. Rund 68 Prozent der im Jahr 2024 nach Großbritannien importierten Solarpaneele stammten aus China – ein Anstieg im Vergleich zu 61 Prozent im Vorjahr, wie Daten der britischen Zollbehörde zeigen.

Die Firmen Aiko und Longi betonten gegenüber der BBC, dass sie jegliche Form von Zwangsarbeit ablehnen und ihre Lieferketten regelmäßig überprüfen. Beide Unternehmen sind Mitglieder der Solar Stewardship Initiative, die sich für transparente und ethische Produktionsstandards einsetzt.

Ein Sprecher von Great British Energy erklärte, alle Verträge im Rahmen des Schulprojekts hätten den Vorgaben des britischen Modern Slavery Act entsprochen. Künftig werde GBE jedoch einen gesetzlichen Auftrag zur Verhinderung moderner Sklaverei in Lieferketten erhalten. Man wolle internationale Standards mitgestalten und die Transparenz erhöhen.

Menschenrechtslage in Xinjiang weiter kritisch

Die Region Xinjiang, aus der bis zu 50 % des weltweit gehandelten Polysiliziums stammen, steht seit Jahren im Fokus internationaler Menschenrechtsorganisationen. Der US-Arbeitsminister hat in Berichten bestätigt, dass es Hinweise auf Zwangsarbeit an der muslimischen Minderheit der Uiguren gebe – Vorwürfe, die die chinesische Regierung zurückweist.

Ein Bericht der Sheffield Hallam University aus dem Jahr 2023 hatte mehrere Solarunternehmen mit der Region Xinjiang in Verbindung gebracht. Laut den Forschenden sei die Transparenz in der Branche seitdem sogar noch schlechter geworden.


Fazit:
Das britische Prestigeprojekt Great British Energy steht vor einem Dilemma: Klimaschutz, Kostenersparnis und Menschenrechte lassen sich nicht immer unter einen Hut bringen. Die Kritik zeigt: Der Ausbau erneuerbarer Energien braucht mehr als nur Panels – nämlich politischen Willen für saubere Lieferketten.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Großbritannien plant neues Gesetz gegen Gewalttäter ohne ideologisches Motiv

Next Post

Was ist „Food Noise“ – und wie wird man es los?