Während die Fluten in Zentral-Texas Hunderte Menschen in Lebensgefahr brachten, mussten viele Betroffene sich selbst retten – oft ohne Vorwarnung. Die Überlebenden erzählen jetzt, wie sie den Wassermassen entkommen sind.
An Bäumen festgeklammert, um zu überleben
Taylor Bergmann (19) aus Hunt wachte am 4. Juli auf, als seine Mutter Erin Burgess schrie: „Wir ertrinken!“ Minuten später stand das Haus über einen Meter unter Wasser. Mutter und Sohn versuchten, aufs Dach zu klettern – doch Burgess, frisch operiert, schaffte es nicht. Sie klammerten sich stundenlang an einen Baum fest, während Autos an ihnen vorbeitrieben. Schließlich sank das Wasser, sie flohen zu Nachbarn – und fanden später auch ihren Hund und ihre Katze lebend wieder. Die Familie hat beschlossen: „Wir ziehen weit weg von jedem Fluss.“
Rentnerpaar flieht im strömenden Wasser
Maria (64) und Felipe Tapia (63) hörten mitten in der Nacht Donner und Steine gegen die Scheiben ihrer Blockhütte am Guadalupe River. Innerhalb von Minuten stieg das Wasser knietief ins Haus. Die Haustür ließ sich kaum öffnen, doch sie kämpften sich hinaus und schwammen im stockdunklen Wasser zum Haus der Nachbarn. Maria Tapia sagt heute: „Es war das schlimmste Erlebnis meines Lebens – unser Paradies ist jetzt eine Geisterstadt.“
Auf einem Stromkasten gerettet
Der 25-jährige Christian Fell wollte am Unabhängigkeitstag eigentlich mit der Familie grillen. Stattdessen stand er um 3 Uhr morgens in seinem Schlafzimmer knöcheltief im Wasser. Telefonate mit 911 rissen immer wieder ab. Als die Fluten bis zur Taille reichten, kletterte er durch ein Fenster ins Freie – und rettete sich drei Stunden lang auf einen Stromkasten, während Häuser weggespült wurden. „Ich hatte Glück, dass unser Haus wie ein Damm wirkte und das Schlimmste abhielt.“
Teenagerin überlebt auf Baumstamm – Eltern sterben
Addison Martin (17) wurde mit ihrer Familie beim Campen überrascht. Innerhalb von Minuten wurde ihr Wohnwagen weggespült, die Familie versuchte sich auf Bäume zu retten. Addison trieb stundenlang im Fluss, klammerte sich an einen Ast – und betete. Am Ende überlebte sie, doch ihr Vater und ihre Stiefmutter starben. „Ich wollte einfach nicht sterben. Ich habe so viel gebetet wie noch nie.“
33 Menschen fliehen aufs Dach
Auch Riata Schoepf (19) und 32 Angehörige ihres Freundes saßen in Hunt in einem Ferienhaus fest. Als die Straßen unpassierbar waren, zogen sie sich mit Bettlaken auf das Dach. Dort warteten sie stundenlang, während Autos, Bäume und Müllcontainer an ihnen vorbeirasten. „Es war wie aus einer anderen Welt“, sagt Schoepf. Sie überlebten – doch viele Nachbarn verloren alles.