Mehr als 80 Bürgerrechts- und Arbeiterorganisationen, darunter Amnesty International, Human Rights Watch, die American Civil Liberties Union (ACLU) und die NAACP, haben sich in einem offenen Brief an den Fußball-Weltverband FIFA gewandt. Darin äußern sie „tiefe Besorgnis“ über die politischen Bedingungen in den USA im Vorfeld der Männer-Weltmeisterschaft 2026.
In dem Schreiben, das am 1. Juli veröffentlicht wurde, kritisieren die Unterzeichnenden insbesondere das von Präsident Donald Trump unterzeichnete Einreiseverbot für Bürger aus zwölf Ländern sowie die anhaltenden Razzien der Einwanderungsbehörde ICE – auch in Städten, die im kommenden Sommer WM-Spiele austragen sollen.
„FIFA darf nicht schweigen“
Die Organisationen fordern von der FIFA, ihren Einfluss zu nutzen, um von der US-Regierung Garantien für die Grundrechte aller Besucher und Fans einzufordern.
„Wenn die FIFA weiter schweigt, werden nicht nur Millionen Menschen gefährdet, sondern die FIFA-Marke wird zur PR-Hülle für ein zunehmend autoritäres Regime“, heißt es in dem Brief.
Acht Fanclubs verschiedener Fußballvereine unterstützten den Appell ebenfalls. Die Unterzeichnenden kritisieren, dass unter Trump ausländische Fans zwar offiziell willkommen seien, dies jedoch mit der Drohung verbunden sei, dass sie das Land sofort nach Turnierende verlassen müssten – andernfalls drohten Konsequenzen durch das Heimatschutzministerium.
Regierung und FIFA beschwichtigen
FIFA-Präsident Gianni Infantino sagte bereits im Mai: „Die Welt ist in Amerika willkommen.“ Man werde sicherstellen, dass alle Spieler, Funktionäre und Fans problemlos einreisen könnten.
Auch Vizepräsident J.D. Vance versuchte zu beruhigen: „Wir wollen, dass Menschen aus rund 100 Ländern kommen, feiern und das Spiel genießen – aber sie müssen auch wieder gehen, wenn ihre Zeit vorbei ist.“ Eine Verlängerung des Aufenthalts oder das Bleiben ohne Erlaubnis werde nicht toleriert.
Wiederkehrende Kritik an FIFA-Ausrichtungen
Bereits vor der Weltmeisterschaft 2022 in Katar war die FIFA wegen Menschenrechtsfragen in der Kritik gestanden. Nun geraten die Vereinigten Staaten als Hauptgastgeber der nächsten WM-Ausgabe – gemeinsam mit Kanada und Mexiko – selbst ins Visier.
Die WM 2026 soll am 11. Juni beginnen. In den USA sind unter anderem Spiele in New York, Los Angeles, Miami, Dallas und Atlanta geplant – allesamt Städte mit einer hohen Zahl an Einwanderern und teils expliziten Sanctuary Policies, also Richtlinien zum Schutz von Migranten vor Abschiebung.
FIFA bislang ohne Reaktion
FIFA hat bisher nicht auf die Anfrage nach einer Stellungnahme zu dem Brief reagiert. Ob die Organisation auf die Forderungen der Menschenrechtsgruppen eingehen wird, bleibt unklar.