Dark Mode Light Mode

Zunehmende Nachrichtenmüdigkeit: Über 70 Prozent der Deutschen meiden regelmäßig News-Inhalte

PIRO4D (CC0), Pixabay

Immer mehr Menschen in Deutschland wenden sich bewusst vom Nachrichtengeschehen ab. Das zeigt der aktuelle Digital News Report 2025, an dem auch das Leibniz-Institut für Medienforschung / Hans-Bredow-Institut beteiligt war. Die Untersuchung ist Teil einer internationalen Langzeitstudie zur Mediennutzung, die jährlich vom Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford veröffentlicht wird.

In der aktuellen Ausgabe der Studie gaben 71 Prozent der erwachsenen Internetnutzer in Deutschland an, dass sie mindestens gelegentlich aktiv Nachrichten vermeiden – ein Anstieg um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit setzt sich ein Trend fort, der in vielen westlichen Demokratien zu beobachten ist: Die bewusste Abkehr von aktuellen Informationen.

Gründe für den Rückzug vom Nachrichtengeschehen

Ein zentraler Beweggrund für die Nachrichtenvermeidung ist laut den Befragten die emotionale Belastung durch negative Inhalte. Insbesondere die ständige Berichterstattung über Kriege, Krisen und politische Konflikte empfinden viele Menschen als belastend und zermürbend. Hinzu kommt eine generelle Überforderung durch die Informationsflut in digitalen Kanälen.

Viele Teilnehmer der Studie berichteten, dass sie sich durch die tägliche Nachrichtenmenge erschöpft fühlen. Auch das Gefühl, ohnehin nichts verändern zu können, fördere eine gewisse Resignation gegenüber dem Weltgeschehen.

Jüngere Zielgruppen besonders betroffen

Auffällig ist, dass besonders junge Erwachsene unter 35 Jahren verstärkt zu Nachrichtenvermeidung neigen. Dabei spielt nicht nur der Wunsch nach emotionaler Distanz eine Rolle, sondern auch Skepsis gegenüber klassischen Medien sowie die verstärkte Nutzung sozialer Netzwerke, die zwar Informationen bieten, aber oft selektiv oder unterhaltungsorientiert sind.

Herausforderungen für den Journalismus

Für Medienhäuser stellt diese Entwicklung eine ernsthafte Herausforderung dar. Nachrichtenvermeidung bedeutet nicht nur geringere Reichweite, sondern auch eine sinkende Relevanz journalistischer Inhalte im Alltag vieler Menschen. Langfristig könnte dies die demokratische Meinungsbildung beeinträchtigen.

Das Leibniz-Institut für Medienforschung betont in seiner Analyse, dass es notwendig sei, neue Ansätze in der Nachrichtenvermittlung zu entwickeln – etwa durch konstruktiven Journalismus, individualisierte Inhalte oder transparentere Kommunikation über Auswahl und Darstellung von Themen.

Internationale Dimension

Die Studie umfasst Daten aus über 40 Ländern weltweit. Auch international lässt sich eine Zunahme der bewussten Nachrichtenvermeidung feststellen – allerdings mit teils deutlichen Unterschieden zwischen den Ländern. In Deutschland liegt der Wert im oberen Mittelfeld.

Die Studienautoren sehen darin ein Warnsignal: Nachrichteninhalte müssen künftig nicht nur informieren, sondern auch besser verständlich, emotional ausgewogen und alltagsnah aufbereitet werden, um eine breite Nutzerschaft zu erreichen und zu halten.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Start-up „myProtectify“ bietet digitale Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt – Gründerin Sogol Kordi kämpft mit persönlicher Geschichte für Veränderung

Next Post

Windpark Miltzow GmbH & Co. Reinkenhagen KG: Rückläufige Vermögenswerte trotz Überschuss – ein gemischtes Bild für Anleger