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Interview mit Rechtsanwältin Bontschev: „Love Scamming zerstört Existenzen – so schützen Sie sich vor Liebesbetrug im Internet“

geralt (CC0), Pixabay

Frage: Frau Bontschev, in Hannover wurde ein 34-jähriger Mann bei einer fingierten Geldübergabe wegen mutmaßlichen Liebesbetrugs festgenommen. Das Opfer: eine 66-jährige Frau, die offenbar einen sechsstelligen Betrag verloren hat. Wie ordnen Sie diesen Fall rechtlich ein?

Rechtsanwältin Bontschev: Dieser Fall ist leider kein Einzelfall, sondern ein klassisches Beispiel für sogenanntes Love Scamming – eine besonders perfide Form des Internetbetrugs. Die Täter spielen eine emotionale Beziehung vor, gewinnen Vertrauen und nutzen es gezielt aus, um hohe Geldbeträge zu erschleichen. Juristisch handelt es sich hier um gewerbsmäßigen Betrug, häufig in bandenmäßig organisierter Form. Dass die Polizei in diesem Fall durch eine fingierte Geldübergabe einen Tatverdächtigen festnehmen konnte, ist ein wichtiger Schritt – aber meist ist es nur die Spitze eines größeren Netzwerks.

Frage: Was macht Love Scamming so gefährlich für Betroffene?

Rechtsanwältin Bontschev: Es verbindet emotionale Manipulation mit wirtschaftlichem Schaden. Die Opfer sind oft alleinstehend oder in schwierigen Lebenssituationen. Die Täter investieren viel Zeit in den Aufbau einer Beziehung, um Vertrauen zu schaffen. Wenn es dann zu Geldforderungen kommt, denken viele Opfer, sie helfen einem geliebten Menschen – nicht einem Kriminellen. Die Scham ist hinterher oft groß, was dazu führt, dass viele Fälle nicht angezeigt werden.

Frage: Wie können sich Menschen vor dieser Betrugsmasche konkret schützen?

Rechtsanwältin Bontschev: Wichtig ist, frühzeitig auf Warnzeichen zu achten. Dazu gehören:

  • Der angebliche Partner lebt im Ausland, ist beruflich schwer erreichbar oder angeblich in Not.

  • Es kommt früh zu intensiven Gefühlsbekundungen und Zukunftsversprechen, ohne dass man sich jemals getroffen hat.

  • Es folgen bald Bitten um Geld – oft unter dem Vorwand von Notfällen, Projekten oder geplanten Reisen.

Grundsätzlich gilt: Kein Geld an Personen überweisen, die man nie persönlich getroffen hat. Und wer doch in diese Situation gerät, sollte nicht zögern, professionelle Hilfe zu suchen, etwa bei der Polizei, bei Verbraucherzentralen oder im Zweifel auch anwaltlich.

Frage: Was sollten Betroffene tun, wenn sie erkennen, dass sie betrogen wurden?

Rechtsanwältin Bontschev: Der erste Schritt ist: Anzeige bei der Polizei erstatten. Auch wenn man emotional betroffen ist, sollte man versuchen, Beweise zu sichern – etwa Chatverläufe, E-Mails, Überweisungsbelege. Je mehr Informationen vorliegen, desto größer sind die Chancen, Täter oder Geldflüsse zurückzuverfolgen. In schweren Fällen – wie bei sechsstelligen Schäden – lohnt es sich, auch anwaltliche Schritte zur Rückgewinnung des Geldes zu prüfen, zum Beispiel über zivilrechtliche Klagen oder internationale Rechtshilfeverfahren.

Frage: Was raten Sie Angehörigen, die einen Betrugsverdacht bei einem Familienmitglied haben?

Rechtsanwältin Bontschev: Sehr sensibel vorgehen. Die Betroffenen befinden sich oft in einer emotionalen Abhängigkeit, die sie an der Realität zweifeln lässt. Anstatt mit Vorwürfen zu reagieren, sollte man sachlich und mit konkreten Hinweisen auf Ungereimtheiten hinweisen – und Hilfe anbieten. Wichtig ist: Das Umfeld kann eine entscheidende Rolle spielen, um eine Eskalation zu verhindern.

Fazit von Rechtsanwältin Bontschev:
„Love Scamming ist kein Einzelfall, sondern ein wachsendes gesellschaftliches Problem. Wer im Internet auf Partnersuche ist, sollte nie sein Bauchgefühl ignorieren – und vor allem kein Geld überweisen, solange keine echte Vertrauensbasis besteht. Bei Betrugsverdacht gilt: Nicht schweigen – sondern handeln.“

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