Ein amerikanisches Familienunternehmen mit Sitz im texanischen Rio Hondo steht im Zentrum eines weitreichenden Schmuggelnetzwerks, das über Jahre hinweg mit gestohlenem Öl arbeitete, das von mexikanischen Drogenkartellen stammt. Die US-Staatsanwaltschaft gab am Freitag bekannt, dass die Familie Jensen wegen ihrer Verbindungen zum berüchtigten Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) angeklagt wurde.
Im Fokus der Ermittlungen stehen James L. Jensen, seine Frau Kelly A. Jensen sowie ihre Söhne James L. und Zachary G. Jensen. Ihre Firma Arroyo Terminals soll seit Mai 2022 2.881 illegale Öllieferungen aus Mexiko empfangen haben. Diese Lieferungen stammten laut Anklage aus Diebstählen, die vom CJNG organisiert wurden – einem Kartell, das als eines der gefährlichsten Mexikos gilt und ganze Regionen in Kriegsgebiete verwandelt haben soll.
Die US-Behörden verfolgen unter Präsident Donald Trump eine verschärfte Strategie gegen kriminelle Netzwerke. Seit Februar gelten mehrere Kartelle, darunter das CJNG und das Sinaloa-Kartell, offiziell als terroristische Organisationen.
„Dieser Fall zeigt unseren neuen, aggressiveren Ansatz gegen das organisierte Verbrechen“, sagte US-Staatsanwalt Nicholas Ganjei. „Wir nehmen nicht nur die Täter ins Visier, sondern auch ihre Helfer.“
Die Hauptanklagepunkte gegen die Jensens betreffen Geldwäsche und Beihilfe zum Schmuggel mit gefälschten Papieren. James und Zachary Jensen drohen jeweils bis zu 20 Jahre Haft. Zudem sollen Gelder aus dem Schmuggelgeschäft unter anderem für ein neues Fahrzeug, eine Chevy Stingray und ein Grundstück in Utah verwendet worden sein. Auch Bargen und LKWs wurden beschlagnahmt.
Ein Ermittlungsdokument enthüllte, dass das geschmuggelte Öl mithilfe gefälschter Zertifikate als „Abfallprodukt von Schmieröl“ deklariert wurde. Die Terminalstruktur der Firma diente dabei als Umschlagplatz zwischen mexikanischen Schmugglern und amerikanischen Weiterverarbeitern.
Fachleute betonen, dass die USA bei diesem illegalen Geschäft keineswegs nur Opfer, sondern ein aktiver Bestandteil sind. Die Schmuggelware wird laut Experten häufig von sogenannten „Mom-and-Pop“-Ölfirmen verarbeitet und durchmischt – wodurch sie bei Ankunft in den Raffinerien kaum noch identifizierbar ist.
Laut dem US-Finanzministerium verdienen amerikanische Helfer pro Schiffsladung bis zu fünf Millionen Dollar, während das Öl weltweit weiterverkauft wird – unter anderem nach Japan, Indien, Afrika oder zurück nach Mexiko.
Die mexikanische Wissenschaftlerin Guadalupe Correa-Cabrera lobte zwar das harte Vorgehen der US-Behörden, warnte aber davor, allein den Kartellen die Schuld zu geben. Die tatsächlichen Drahtzieher hinter dem Öl-Schmuggel seien weitaus vielschichtiger: „Es geht nicht nur um gestohlene Tanklaster – es braucht Know-how über Pipelines, interne Abläufe und möglicherweise sogar Insider bei Militär oder staatlichen Ölgesellschaften.“
Sie betonte, dass der Fokus auf das CJNG oft davon ablenke, dass systemische Korruption, mangelnde Aufsicht und transnationale Komplizenschaft das wahre Rückgrat dieser Milliardenindustrie seien.
Die Anklage gegen die Jensens ist ein seltener, aber bedeutender Schritt in einem lange vernachlässigten Kampf gegen eine Schattenwirtschaft, die auf beiden Seiten der Grenze operiert – mit stillschweigender Unterstützung aus der legalen Wirtschaft.