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„Cyberangriffe sind keine Frage des Ob – sondern des Wann“

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay

Ein Interview mit Tim Schlautmann, Digitalexperte bei Market Port in Warendorf

Herr Schlautmann, Cyberangriffe nehmen spürbar zu – was raten Sie Unternehmen und auch Privatpersonen, um sich zu schützen?

Tim Schlautmann: Der wichtigste Punkt ist: Vorbereitung ist alles. Viele glauben noch immer, sie seien kein Ziel – aber Cyberangriffe sind längst Massenware. Es kann jeden treffen, der eine E-Mail-Adresse oder ein Gerät mit Internetanschluss besitzt. Deshalb gilt: Systeme aktuell halten, regelmäßig sichern und Mitarbeitende sensibilisieren.

Können Sie das konkretisieren? Welche Schutzmaßnahmen sollte jeder umsetzen?

Schlautmann: Ganz oben steht: Halten Sie Ihr Betriebssystem und jede verwendete Software immer auf dem neuesten Stand. Sicherheitslücken sind die häufigsten Einfallstore für Schadsoftware. Zweitens: Nutzen Sie ein Antivirenprogramm – und achten Sie darauf, dass es sich regelmäßig aktualisiert.

Ein weiterer zentraler Punkt sind regelmäßige Backups – und zwar offline, also vom System getrennt. Nur so kann man im Ernstfall überhaupt noch auf seine Daten zugreifen.

Was ist mit E-Mails – da lauern ja oft versteckte Gefahren?

Schlautmann: Absolut. Seien Sie misstrauisch bei Anhängen oder Links in E-Mails – auch wenn sie auf den ersten Blick von einer vertrauten Person stammen. Cyberkriminelle fälschen Absenderadressen täuschend echt. Bei Unsicherheit lieber kurz beim vermeintlichen Absender nachfragen, ob die Nachricht wirklich von ihm stammt. Ein kurzer Anruf kann viel Schaden verhindern.

Und wenn der Ernstfall eintritt – wie sollten Betroffene reagieren?

Schlautmann: Zuerst: Zugangsdaten ändern, besonders für E-Mail, Bankkonten und Online-Dienste, falls man sie auf dem betroffenen Gerät genutzt hat. Dann: Systeme bereinigen lassen, am besten durch IT-Profis. Und ganz wichtig: Anzeige erstatten – sofort! Am besten bei der Polizei oder einer Zentralen Ansprechstelle Cybercrime (ZAC). Nur wenn wir Vorfälle melden, können die Behörden effektiv dagegen vorgehen.

Was sollten Unternehmen intern vorbereiten, bevor überhaupt etwas passiert?

Schlautmann: Jedes Unternehmen sollte ein aktuelles Sicherheitskonzept haben – und es regelmäßig überprüfen. Dazu gehören:

  • Verhaltensanweisungen für den Ernstfall

  • regelmäßige Schulungen zur Cybersicherheit

  • festgelegte interne Abläufe bei Cybervorfällen

  • sowie getrennte Backups der gesamten Systemumgebung

Man darf nicht erst anfangen zu handeln, wenn die Systeme bereits stillstehen. Dann ist es oft zu spät.

Was sagen Sie zum Vorwurf, solche Maßnahmen seien aufwendig oder teuer?

Schlautmann: Teuer wird es erst, wenn man nichts tut. Ein erfolgreicher Ransomware-Angriff kann ein Unternehmen komplett lahmlegen – technisch, finanziell und im Vertrauen der Kunden. Da sind vorbeugende Maßnahmen fast immer die günstigere und klügere Wahl.

Herr Schlautmann, vielen Dank für das Gespräch.

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