Ein neues Hilfsprojekt für den Gazastreifen, das unter Federführung der USA und Israels steht, ist nach nur wenigen Tagen in massive Kritik geraten. Die sogenannte Gaza Humanitarian Foundation (GHF), gegründet mit dem Ziel, die notleidende Bevölkerung abseits der UN mit Nahrungsmitteln zu versorgen, sorgte für chaotische Zustände, Verletzte und zunehmende Verzweiflung unter der Zivilbevölkerung.
Der Start des Projekts begann am Dienstag noch mit fast surrealer Symbolik: Ein bewaffneter amerikanischer Sicherheitsmann, Teil des GHF-Personals, formte ein Herz mit den Händen, während Tausende hungernde Menschen gegen Zäune drängten. Wenig später eskalierte die Situation. Menschen stürmten die Verteilzentren, Zäune fielen, Schüsse waren zu hören. GHF erklärte, man habe zur Deeskalation nicht-tödliche Mittel wie Rauchgranaten und Warnschüsse eingesetzt. Verletzte gab es laut GHF keine – eine unabhängige Bestätigung fehlt.
Innerhalb der ersten vier Betriebstage will GHF zwei Millionen Mahlzeiten verteilt haben – bei über zwei Millionen hungernden Menschen in Gaza bedeutet das rechnerisch weniger als eine Mahlzeit pro Kopf. Die Nachverfolgbarkeit, wer welche Hilfe erhielt, bleibt unklar. Beobachter und Betroffene berichten von Desorganisation, fehlender Kommunikation und teils widersprüchlichen Informationen, die über gefälschte GHF-Facebookseiten verbreitet wurden. Die offizielle Seite wurde erst nach Beginn der Verteilungen online gestellt.
Internationale Hilfsorganisationen wie Oxfam und die UN boykottieren das Projekt. Sie kritisieren, dass die vier GHF-Verteilzentren militärisch gesichert und weit von vielen Wohngebieten entfernt sind. Vor dem israelischen Hilfsstopp gab es rund 400 UN-Verteilstellen in Gaza – GHF betreibt aktuell nur vier. Dies zwinge die Bevölkerung zur riskanten Massenkonzentration an wenigen Orten, oft unter Bewachung bewaffneter Söldner, so Experten.
Die Lage wird zusätzlich durch Desinformation verschärft. Falsche Meldungen über geschlossene Zentren oder angebliche Plünderungen verunsichern die Bevölkerung. Viele verlassen die Zentren ohne Hilfe. „Ich kam mit leeren Händen und ging mit leeren Händen“, klagte ein Mann gegenüber der BBC.
Auch inhaltlich wird GHF kritisiert. In den Hilfspaketen finden sich Reis, Nudeln, Konserven und Öl – grundlegende medizinische Versorgung, Wasser oder Hygieneartikel fehlen häufig, obwohl dies laut GHF-Dokumenten vorgesehen war.
Ein GHF-Sprecher verteidigte das Projekt: Man agiere dort, wo andere längst nicht mehr helfen könnten. Die Realität in Gaza zeigt jedoch ein anderes Bild: Hilfsbedürftige werden durch ein militarisiertes System gedrängt, das kaum Transparenz bietet, während Hunger und Verzweiflung weiter steigen. Die Frage, ob dieses Hilfsmodell wirklich Leben rettet – oder eher Vertrauen zerstört –, steht nun im Raum.