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Digitalisierung als Klimarisiko: Internetnutzung heizt Erderwärmung weiter an
Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main

Digitalisierung als Klimarisiko: Internetnutzung heizt Erderwärmung weiter an

louvainlaneuve9 (CC0), Pixabay

Die Digitalisierung gilt oft als Mittel zur Effizienzsteigerung und als Chance für den Klimaschutz – etwa durch papierloses Arbeiten, smarte Stromnetze oder virtuelle Meetings. Doch bei genauem Hinsehen zeigt sich: Der tatsächliche Energiebedarf digitaler Technologien wächst rapide – mit teils gravierenden Folgen für den Klimawandel. Beim Bundeskongress der Scientists for Future in Deutschland hat der Chemiker und Internet-Experte Torsten Beyer eindringlich vor diesem Trend gewarnt. Seiner Einschätzung zufolge verstärken Digitalisierung und Internetnutzung die Klimaerwärmung deutlich stärker, als sie ihr entgegenwirken.

Digitale Infrastruktur: Ein Stromfresser mit weltweiter Relevanz

„Wenn das Internet ein Land wäre, stünde es beim Stromverbrauch und beim CO₂-Ausstoß weltweit an dritter Stelle – gleich hinter China und den USA“, sagte Beyer. Gemeint ist damit der kombinierte Energiebedarf von Serverfarmen, Rechenzentren, Kommunikationsnetzen, Endgeräten und der gesamten digitalen Lieferkette. Die Emissionen entstehen dabei sowohl direkt durch Stromverbrauch als auch indirekt durch Herstellung, Transport und Entsorgung digitaler Geräte.

Laut Schätzungen verursachte die globale Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) im Jahr 2020 bereits rund 4 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen – Tendenz steigend. Durch immer leistungsfähigere Geräte, höhere Datenmengen, permanente Onlineverfügbarkeit und steigende Nutzerzahlen wächst der Energiehunger des Internets exponentiell.

Effizienzgewinne reichen nicht mehr aus

Zwar gibt es deutliche Effizienzsteigerungen – etwa bei Prozessoren, Rechenzentren oder Datenübertragungstechniken. Doch wie Beyer betont, „werden diese Einsparungen durch die Zunahme der Nutzung immer wieder überkompensiert“. Das bedeutet: Trotz effizienterer Technik steigt der absolute Energieverbrauch weiter. „Der Rebound-Effekt ist hier besonders deutlich“, so Beyer. Er meint damit, dass technologische Fortschritte zwar Energie pro Anwendung sparen, gleichzeitig aber zu einem Mehrverbrauch durch neue Angebote und intensivere Nutzung führen.

Künstliche Intelligenz als „Brandbeschleuniger“

Besonders kritisch sei die rasante Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Schon das Training großer Sprachmodelle wie GPT oder Bildgeneratoren verschlingt immense Energiemengen – teilweise Millionen Kilowattstunden pro Modell. Und auch der laufende Betrieb dieser Systeme ist alles andere als klimaneutral: Jede einzelne Nutzung, ob Chatbots, automatisierte Übersetzungen oder intelligente Suchanfragen, verursacht Rechenlast und damit Stromverbrauch in Rechenzentren weltweit.

Beyer warnte eindrücklich: „Künstliche Intelligenz wirkt wie ein Brandbeschleuniger für den digitalen CO₂-Ausstoß. Je breiter die Anwendungen in Alltag und Wirtschaft eingesetzt werden, desto größer der ökologische Fußabdruck – und das oft völlig unbemerkt von den Nutzern.“

Forderungen der Wissenschaft: Mehr Regulierung, mehr Verantwortung

Die Scientists for Future fordern deshalb einen strategischen Umgang mit der Digitalisierung im Kontext der Klimapolitik. Es brauche klare Richtlinien und Transparenzpflichten für Rechenzentren, Plattformbetreiber und Hersteller digitaler Endgeräte. Ziel müsse es sein, den Strombedarf deutlich zu reduzieren oder zumindest vollständig durch nachhaltige Energiequellen zu decken.

Zudem sehen die Wissenschaftler auch Verbraucher in der Verantwortung: Bewusster Umgang mit Streamingdiensten, längere Nutzungszyklen von Smartphones und Laptops sowie der Verzicht auf energieintensive Anwendungen ohne gesellschaftlichen Mehrwert könnten ebenfalls einen Beitrag leisten.

Fazit: Die digitale Welt hat eine ökologische Schattenseite

Die Digitalisierung ist längst kein „virtueller“ Prozess ohne materielle Folgen mehr. Server, Netze, Software – sie alle brauchen Energie, Ressourcen und Infrastruktur. Der Anteil digitaler Technologien an der globalen Klimaerwärmung wird nach Einschätzung vieler Experten künftig weiter steigen, wenn kein politisches Gegensteuern erfolgt.

Was auf den ersten Blick als Fortschritt erscheint, kann sich unter klimatischen Gesichtspunkten schnell als Rückschritt erweisen. Die zentrale Botschaft von Torsten Beyer und den Scientists for Future lautet deshalb: Nur eine ökologisch gesteuerte Digitalisierung kann ein Teil der Lösung sein – andernfalls wird sie Teil des Problems.

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