Der NFL-Draft 2025 brachte eine große Überraschung: Shedeur Sanders, einst als sicherer Erstrundenpick gehandelt, landete erst in der fünften Runde. Die Cleveland Browns sicherten sich die Dienste des ehemaligen Quarterbacks der Colorado Buffaloes an 144. Stelle. Doch warum fiel der talentierte Sohn von Hall-of-Famer Deion Sanders so tief?
Das Dilemma um Talent und Persönlichkeit
Laut NFL-Insidern war Sanders‘ Fall im Draft kein reines Leistungsproblem. Vielmehr spielte sein persönliches Auftreten eine Rolle. „Es geht nicht nur um Football“, erklärte ein hochrangiger NFL-Entscheidungsträger. Mehrere Teams äußerten Bedenken wegen Sanders‘ Auftreten und seiner öffentlichen Präsenz, die für manche Verantwortliche problematisch wirkte.
Einige Kritiker vermuteten, dass auch die Rolle seines Vaters Deion Sanders, der als charismatischer und mitunter polarisierender Coach bekannt ist, negativ auf die Einschätzung des jungen Quarterbacks abfärbte. „Manche Aussagen seines Vaters haben die Leute nachdenklich gemacht“, meinte ein Teammanager.
Glamour und Marke statt Teamgeist?
Shedeur Sanders fiel auch wegen seines „flamboyanten“ Auftretens auf. Das Tragen einer mit Diamanten besetzten Uhr während der Spiele und die Werbung für seine eigene Modemarke „2Legendary“ wirkten auf manche Scouts wenig bodenständig. „Es geht darum, ein Teamplayer zu sein und sich den Job zu verdienen“, kritisierte ein NFL-Verantwortlicher. Diese Selbstvermarktung sei für manche Teams schwer vereinbar mit der Rolle eines Franchise-Quarterbacks.
Ein weiterer Knackpunkt war Sanders‘ Verhalten bei Interviews während des NFL Combine. Laut einem Teammanager soll er eine Interviewanfrage eines Teams abgelehnt haben mit der Begründung: „Ihr habt doch schon einen Quarterback und werdet nicht in den Top 5 picken.“ Solche Aussagen weckten Zweifel an seiner Professionalität und sorgten für Verstimmung.
Kein reines Talentproblem
Sportlich gesehen bleibt Sanders dennoch ein vielversprechendes Talent. Mit einer Passquote von 74 % und 64 Touchdown-Pässen bei nur 13 Interceptions in zwei Saisons überzeugte er bei den Colorado Buffaloes. Kritisiert wurde jedoch, dass er den Ball zu lange hielt und dadurch viele Sacks kassierte. In den letzten beiden College-Jahren musste er ganze 94 Sacks einstecken. Auch die Armstärke wurde nur als „gut, nicht großartig“ bewertet.
Einige Teams hatten ihn zwar als potenziellen Erstrundenpick gesehen, doch andere bewerteten ihn als „fähigen Starter“, der jedoch nicht das Niveau eines Franchise-Quarterbacks erreiche. Besonders der Vergleich mit anderen Quarterbacks im Draft, wie Cam Ward (Tennessee Titans, 1. Pick) und Jaxson Dart (Giants, 25. Pick), fiel für Sanders weniger vorteilhaft aus.
Die Bürde des berühmten Vaters
Eine weitere Belastung war die prominente Rolle seines Vaters. Während Söhne von Trainern oft als strategisch klug und diszipliniert gelten, sahen einige Teams in Shedeurs Fall eher den negativen Einfluss. Ein Scout sagte: „Manchmal ist es besser, sich von solchen Vaterfiguren zu emanzipieren.“
Deion Sanders’ Einfluss auf die Karriere seines Sohnes könnte auch bei der Wahl des Managements eine Rolle gespielt haben. Ein NFL-Manager kritisierte: „Er hätte besser einen erfahrenen Agenten wie die meisten Spieler engagiert. Stattdessen haben er und sein Vater die Sache selbst in die Hand genommen.“
Ein Neustart in Cleveland?
Trotz aller Kritik zeigte sich Shedeur Sanders nach dem Draft selbstkritisch: „Ich glaube, man kann immer etwas verbessern. Im Rückblick hätte ich einiges anders machen können.“ Für die Cleveland Browns könnte sich dieser „Schnäppchen-Pick“ dennoch auszahlen. Sollte Sanders sich beweisen, wäre er eine kostengünstige Alternative zu teuren Quarterbacks.
Auch Andrew Berry, General Manager der Browns, zeigte sich optimistisch: „Manchmal ist es der Fit, der zählt.“ Die Entscheidung, Sanders erst in der fünften Runde zu holen, bezeichnete er als kluge Wertanlage. Sollte Sanders in der NFL Fuß fassen, könnte er ein günstiger Backup oder sogar mehr werden.
Fazit: Vom Hochmut zur Demut?
Die Karriere von Shedeur Sanders beginnt in der NFL mit einer Lektion in Demut. Vom gefeierten Talent zum späten Pick – die Gründe sind vielfältig: fehlende Bescheidenheit, eine gewisse Arroganz bei Interviews und die Last des berühmten Nachnamens. Doch die Geschichte ist noch nicht geschrieben. Wenn Sanders aus den Erfahrungen lernt und sich auf den sportlichen Erfolg konzentriert, könnte er die Kritiker doch noch eines Besseren belehren.
Die NFL bietet schließlich viele Chancen zur Rehabilitation – und die Cleveland Browns könnten der Ort sein, an dem sich das Potenzial von Shedeur Sanders entfaltet.