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Kritisches Interview mit Thomas Bremer zur Schlecker-Entscheidung-des OLG Dresden

Tumisu (CC0), Pixabay

Interviewer: Herr Bremer, das Oberlandesgericht Dresden hat im Fall Schlecker eine Einigung vorgeschlagen: Die Familie Schlecker soll 800.000 Euro zahlen, anstatt der ursprünglich geforderten 1,35 Millionen Euro. Sie sehen dieses Urteil sehr kritisch. Warum?

Thomas Bremer: Ganz ehrlich, für mich ist das Urteil ein Skandal. Hier wird deutlich, dass man als Unternehmer eine Firma gegen die Wand fahren und trotzdem noch profitieren kann. Es wirkt fast so, als ob die Familie Schlecker für ihre fragwürdigen Geschäftspraktiken auch noch belohnt wird.

Interviewer: Was genau stört Sie an dem Vergleich?

Thomas Bremer: Die Schlecker-Familie war direkt in die Geschäftsführung eingebunden und wusste genau, was da lief. Sie haben die Arbeiterinnen erst entlassen und dann über eine Zeitarbeitsfirma zum halben Lohn wieder eingestellt. Gleichzeitig haben sie sich von dieser Leihfirma Geld geliehen, obwohl diese schon pleite war. Jetzt wird das Darlehen nicht vollständig zurückgezahlt, und das Gericht schlägt vor, sich mit 800.000 Euro zufriedenzugeben. Das sendet doch ein fatales Signal: „Macht ruhig Fehler, das Geld bleibt am Ende in der Familie.“

Interviewer: Die Familie argumentiert, dass der Kreditvertrag nur mit Anton Schlecker abgeschlossen wurde und nicht mit den Kindern. Wie bewerten Sie das?

Thomas Bremer: Das ist eine klassische Schutzbehauptung. Die Kinder, Meike und Lars, waren maßgeblich in die Unternehmensführung eingebunden. Das Gericht hat bereits in einer früheren Entscheidung festgestellt, dass die Familie gemeinschaftlich profitiert hat. Jetzt sich zurückzuziehen und zu sagen, „Das war alles Papas Sache“, ist schlichtweg unredlich.

Interviewer: Das Gericht hat die Zahlungssumme ja deutlich gesenkt. Warum könnte es zu diesem Vergleich gekommen sein?

Thomas Bremer: Das Gericht wollte vermutlich einen endlosen Rechtsstreit vermeiden. Manchmal geht es mehr um praktische Lösungen als um Gerechtigkeit. Aber das Problem ist, dass die Entscheidung den Eindruck erweckt, dass wirtschaftlich mächtige Familien sich durch geschickte Rechtsstrategien ihrer Verantwortung entziehen können.

Interviewer: Wie wirkt sich das Ihrer Meinung nach auf das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung aus?

Thomas Bremer: Ganz schlecht. Denken Sie mal an die 25.000 ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen, die nach der Pleite auf der Straße standen. Viele haben damals ihre Existenz verloren, während die Familie Schlecker jetzt mit einem Rabatt von über einer halben Million Euro davonkommt. Was soll der normale Bürger da denken? Es verstärkt das Gefühl, dass es in Deutschland zwei Rechtssysteme gibt: Eines für die Reichen und Mächtigen und eines für den kleinen Mann.

Interviewer: Der Insolvenzverwalter möchte sich noch Bedenkzeit nehmen. Was erwarten Sie?

Thomas Bremer: Ich hoffe, dass er hart bleibt und nicht auf den Vergleich eingeht. Schließlich geht es um das Geld der Gläubiger und um eine gerechte Aufarbeitung des Falls. Wenn die Familie Schlecker am Ende nur einen Bruchteil zahlen muss, ist das ein Schlag ins Gesicht aller, die unter der Pleite gelitten haben.

Interviewer: Was müsste Ihrer Meinung nach in Zukunft anders laufen, um solche Fälle zu verhindern?

Thomas Bremer: Es braucht strengere haftungsrechtliche Konsequenzen für Unternehmerfamilien, die bei Insolvenzen bewusst tricksen. Außerdem sollte bei Unternehmenspleiten intensiver geprüft werden, ob nicht private Vermögen zur Haftung herangezogen werden können. Es kann nicht sein, dass die Managerfamilie geschützt wird, während die Angestellten leer ausgehen.

Interviewer: Vielen Dank für Ihre kritischen Einschätzungen, Herr Bremer.

Thomas Bremer: Gerne. Solche Urteile dürfen nicht zur Normalität werden.

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