Willkommen in der Welt der wirtschaftlichen Selbstverteidigung – mit Vorschlaghammer und Taschenrechner. Die USA haben angekündigt, auf Solarpanele aus Südostasien Importzölle zu erheben, die selbst erfahrene Handelsjuristen ungläubig den Kopf schütteln lassen. Satte 3.521 Prozent – so hoch soll der Aufschlag für Produkte zweier Unternehmen aus Kambodscha ausfallen. Auch Malaysia, Thailand und Vietnam stehen mit auf der Zoll-Liste. Die Begründung: Die chinesische Regierung unterstütze dort ansässige Solarfirmen zu stark – und das müsse natürlich ausgeglichen werden. Am besten mit einem wirtschaftspolitischen Großkaliber.
Wohlgemerkt, wir sprechen hier nicht über Luxusgüter, sondern über Solarpanele – also ausgerechnet jene Technologie, auf die sich die Weltgemeinschaft gerade massiv stützt, um die Klimakatastrophe wenigstens ein bisschen abzumildern. In einer Zeit, in der internationale Energiepreise schwanken, erneuerbare Energien gefördert werden und der Green Deal zum politischen Konsens geworden ist, schießen die USA ausgerechnet auf eine der tragenden Säulen der globalen Energiewende. Und das nicht symbolisch, sondern mit einem Zollsatz, der faktisch ein Einfuhrverbot bedeutet.
Natürlich ist es nicht das erste Mal, dass sich Washington gegen chinesischen Einfluss stemmt – diesmal allerdings mit einem Bumerang. Denn ein Großteil der günstigen Solartechnik, die auf amerikanischen Dächern und Feldern installiert wird, stammt aus den betroffenen Ländern. Chinas Rolle dabei? Offiziell eine unerlaubte Marktverzerrung – inoffiziell: eine willkommene Gelegenheit, um auch in diesem Sektor die Muskeln spielen zu lassen. Das Ziel: Amerikas eigene Solarindustrie schützen. Das Ergebnis: eine Verteuerung von Solarpanelen in den USA, die wahrscheinlich kaum jemandem hilft – außer der Konkurrenz in Europa und China selbst.
Denn während sich amerikanische Installationsfirmen demnächst mit explodierenden Kosten herumschlagen, bleibt der globale Solarmarkt in Bewegung – nur eben ohne die USA als ernsthaften Nachfrager. Dass dabei ausgerechnet ein Klimaschutzinstrument als geopolitische Zielscheibe herhalten muss, wirkt wie ein tragikomischer Kommentar zur globalen Ordnung: Erst wird der Klimawandel politisch anerkannt, dann wirtschaftlich bekämpft – mit Strafzöllen auf Klimaschutztechnologie.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Sonne weiterhin kostenfrei scheint – denn Strom aus chinesisch unterstützten Solarzellen dürfte in den USA künftig ein teurer Luxus sein.