Kurz vor dem geplanten Prozessbeginn am 5. Mai tobt ein juristischer Streit um die Zulässigkeit schwerwiegender Sexualvorwürfe gegen den US-Rapper und Musikproduzenten Sean „Diddy“ Combs. Seine Anwälte beantragten, zahlreiche frühere Vorwürfe nicht als Beweismittel zuzulassen – die Staatsanwaltschaft widersetzt sich dem vehement.
Angeklagt wegen Sexhandel und Zwangsprostitution
Combs, der alle Vorwürfe zurückweist, wurde bereits im September 2024 wegen Sexhandel, Zwang zur Prostitution und Verschwörung im Rahmen eines mutmaßlichen kriminellen Netzwerks angeklagt. Eine ergänzende Anklage von Anfang April fügte zwei weitere Anklagepunkte hinzu.
Die US-Regierung argumentiert, dass Aussagen früherer mutmaßlicher Opfer entscheidend seien, um Combs‘ angebliches Netzwerk krimineller Aktivitäten zu belegen, darunter Kidnapping, Brandstiftung, Bestechung, Zeugenmanipulation und Drogenhandel.
„Diese Aussagen zeigen, dass der Angeklagte bereit war, sexuelle Handlungen unabhängig von Zustimmung zu erzwingen“, heißt es in der Stellungnahme der Staatsanwaltschaft.
Verteidigung spricht von „Vorverurteilung“
Die Verteidiger des Musikmoguls werfen der Staatsanwaltschaft vor, mit „Jahrzehnte altem Dreck“ die Jury beeinflussen zu wollen. Viele der nun angeführten Vorwürfe stammten aus den 1980er-Jahren und beträfen teilweise nicht identifizierte Zeugen oder angebliche Mitverschwörer weltweit. Der eigentliche Fall drohe unter einer „Beweisflut ohne Relevanz“ unterzugehen.
„Die Regierung soll den Fall verhandeln, den sie angeklagt hat – und nicht die Jury mit jahrzehntelangen, unbewiesenen Vorwürfen manipulieren“, so Combs‘ Anwälte.
Die Verteidigung fordert zudem eine gesonderte Anhörung, sollte das Gericht die Vorwürfe nicht vollständig ausschließen – um zu prüfen, welche Aussagen überhaupt zulässig wären.
Dutzende Zivilklagen seit „Cassie“-Fall
Auslöser der Lawine war die Klage von Combs’ Ex-Partnerin Cassie Ventura, die ihn im November 2023 u.a. wegen Vergewaltigung und Menschenhandel verklagt hatte – die Parteien einigten sich rasch außergerichtlich. Seither meldeten sich laut dem texanischen Anwalt Tony Buzbee über 120 weitere mutmaßliche Opfer mit ähnlichen Vorwürfen.
Prozessbeginn mit offenem Ausgang
Ob das Gericht den Ausschluss der Vorwürfe erlaubt oder ob alle Vorwürfe Teil der Hauptverhandlung werden, ist derzeit offen. Sollte das Gericht die Beweise zulassen, rechnet Combs’ Verteidigung mit einer erheblichen Verzögerung des Verfahrens – möglicherweise um viele Monate.