Zwei Jahre. 57 Tote. Null Konsequenzen.
Griechenland hat schon viel erlebt – eine Finanzkrise, Massenproteste, politische Skandale. Aber selbst in den schlimmsten Jahren der Rezession war der Zorn der Menschen nicht so gewaltig wie jetzt. Hunderttausende sind am Freitag auf die Straßen gegangen, um gegen die anhaltende Vertuschung des schwersten Zugunglücks in der Geschichte des Landes zu protestieren.
Und was macht die Regierung? Lächeln, beschwichtigen, Facebook-Postings schreiben.
Vertuschung in Perfektion – eine Meisterleistung griechischer Politik
170.000 Menschen allein in Athen, in ganz Griechenland Hunderttausende. Die Namen der Opfer wurden mit roter Farbe auf den Boden vor das Parlament gesprüht. „Mörder!“, rief die Menge – und meinte nicht nur die korrupte Bahnverwaltung, sondern auch die Politik, die das alles möglich gemacht hat.
Doch während das Volk brüllt, sitzt Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis mit seinem Team in bequemen Sesseln und überlegt, wie man das Problem am besten aussitzt. Sein Beitrag zum Thema? Ein Facebook-Posting. Darin versprach er – man höre und staune – „die Modernisierung des Eisenbahnnetzes“.
Ach ja? Und was ist in den letzten zwei Jahren passiert?
- Eine marode Bahn, ein überforderter Bahnvorsteher, kaputte Sicherheitstechnik – und niemand hat etwas dagegen getan.
- Beweise wurden „zufällig“ vernichtet oder zementiert. Ja, richtig gehört: Ein Teil der Unglücksstelle wurde mit Beton übergossen, um Kräne für die Bergung aufstellen zu können. Dumm nur, dass dabei auch Beweismaterial für die Ermittlungen verschwunden ist.
- Kein einziger Verantwortlicher wurde bisher zur Rechenschaft gezogen. Zwei Jahre nach dem Tod von 57 Menschen gibt es keine Urteile, keine Strafen – nur endlose Verzögerungstaktiken.
„Nein zur Vertuschung!“ – aber interessiert das überhaupt jemanden?
Die Demonstranten fordern nicht nur Antworten, sondern echte Konsequenzen. Und diesmal sind nicht nur Gewerkschaften und Studenten auf der Straße – diesmal protestiert das ganze Land.
- Selbstständige und Geschäftsleute schlossen sich an, Tavernen und Supermärkte blieben zu.
- Behörden und Schulen streikten.
- Sogar Theater sagten ihre Aufführungen ab.
Das ist nicht einfach nur ein Protest – das ist ein Generalstreik gegen eine Regierung, die sich in Schweigen und Ausreden flüchtet.
Und was macht Mitsotakis? Hoffen, dass sich die Wut legt.
Es ist ein altbekanntes Spiel: Ein paar leere Versprechen, ein paar PR-Aktionen – und dann einfach warten, bis die Menschen müde werden. Doch diesmal könnte die Strategie nicht aufgehen.
Denn das griechische Volk hat keine Lust mehr auf Vertuschung, keine Geduld mehr für politische Spielchen. Es will Gerechtigkeit. Und wenn die Regierung glaubt, dass sich die Wut in ein paar Wochen verflüchtigt – dann irrt sie sich gewaltig.
Die Frage ist nicht, ob es Konsequenzen gibt – sondern wie lange die Regierung glaubt, sie noch verhindern zu können.