Start Allgemein Nord-Stream-Anschläge: Deutschland trägt die Last

Nord-Stream-Anschläge: Deutschland trägt die Last

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Dänemark hat die Untersuchungen zur Ursache der Nord-Stream-Sprengungen gestoppt. Die umfangreichen Ermittlungsergebnisse bleiben geheim. Für die meisten Dänen ist dies kein großes Problem; sie sind mehr besorgt über den schlechten Zustand der Ostsee und das Ende der Bornholmer Fischerei.

Wer von Mukran auf Rügen nach Rønne auf Bornholm fährt, kann den Wandel kaum übersehen. Neue Molen, riesige Hallen und große Flächen für Offshore-Windräder kennzeichnen das Projekt „Energiø Bornholm“. Mehrere Windparks und eine Wasserstofffabrik sind im Aufbau. Diese Entwicklungen symbolisieren die Zeitenwende in der Energiepolitik.

Eine völkerrechtliche Bewertung der Pipeline-Sabotage sei schwierig. Die dänische Polizei und ihr Nachrichtendienst haben die Untersuchungen eingestellt, da keine konkrete Person angeklagt werden konnte. Für den Historiker und Geheimdienstexperten Thomas Wegener Friis ist Dänemark damit aus dem Schlamassel heraus, während Deutschland nun die Hauptlast trägt.

Die Sprengungen haben laut der Universität Aarhus massive Umweltschäden verursacht. Schwermetallhaltiges Sediment wurde aufgewirbelt, was die Fortpflanzung des Dorsches beeinträchtigt hat. Die dänische Marine hat russische Schiffe in Tatortnähe fotografiert, jedoch bleiben viele Fragen unbeantwortet.

Russland fordert weiterhin Beteiligung an den Ermittlungen, die deutsche Bundesanwaltschaft steht mit anderen Ermittlungsbehörden im Austausch. Der Investigativ-Journalist Bo Elkjær bezweifelt die „Andromeda“-Theorie, wonach eine kleine Segeljacht die Sprengungen ausgeführt haben soll. Viel wahrscheinlicher sei eine Beteiligung Russlands.

Obwohl die großen dänischen Tageszeitungen das Thema kaum aufgreifen, bleibt der Fall Nord Stream ein Raum für Spekulationen und Verschwörungstheorien. Die Bornholmer profitieren inzwischen von neuen Energieprojekten, die die Lücke, die Nord Stream hinterlassen hat, teilweise füllen.

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