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Pfeiffersches Drüsenfieber: Warum die vermeintlich harmlose „Kusskrankheit“ zur ernsthaften Gesundheitsgefahr werden kann
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Pfeiffersches Drüsenfieber: Warum die vermeintlich harmlose „Kusskrankheit“ zur ernsthaften Gesundheitsgefahr werden kann

Pexels (CC0), Pixabay

Ein Virus, mit dem fast jeder Mensch in Kontakt kommt

Das Pfeiffersche Drüsenfieber, medizinisch infektiöse Mononukleose genannt, wird durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht.

Es gehört zur Familie der Herpesviren und ist weltweit verbreitet.

Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks tragen schätzungsweise rund 90 Prozent der Erwachsenen das Virus in sich.

Diese hohe Verbreitung bedeutet allerdings nicht, dass neun von zehn Erwachsenen aktuell krank oder ansteckend sind.

Vielmehr verbleibt das Virus nach einer Infektion lebenslang im Körper. Das Immunsystem kontrolliert es normalerweise, kann es jedoch nicht vollständig beseitigen.

Die meisten Menschen bemerken davon im Alltag nichts.

Unter bestimmten Umständen kann das Virus erneut aktiviert werden, ohne dass dadurch zwangsläufig Beschwerden entstehen.

Warum Kinder häufig kaum Symptome entwickeln

Eine Erstinfektion mit dem Epstein-Barr-Virus verläuft bei kleinen Kindern häufig ohne erkennbare Beschwerden oder mit nur milden Symptomen.

Anders sieht es aus, wenn die erste Infektion erst im Jugendalter oder bei jungen Erwachsenen stattfindet.

Dann entwickelt ein Teil der Betroffenen das typische Krankheitsbild des Pfeifferschen Drüsenfiebers.

Der Bayerische Rundfunk berichtet, dass etwa jeder vierte Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene bei einer Erstinfektion entsprechend erkrankt.

Die Erkrankung kann deutlich belastender verlaufen als eine gewöhnliche Erkältung.

Insbesondere die Kombination aus Fieber, ausgeprägten Halsschmerzen und starker Müdigkeit kann den Alltag über längere Zeit erheblich einschränken.

Warum die Krankheit „Kusskrankheit“ heißt

Das Epstein-Barr-Virus wird vor allem über Speichel übertragen.

Daher stammt die umgangssprachliche Bezeichnung „Kusskrankheit“.

Eine Ansteckung ist allerdings keineswegs ausschließlich beim Küssen möglich.

Auch gemeinsam benutzte Trinkgefäße, Besteck oder Zahnbürsten können unter bestimmten Umständen zur Übertragung beitragen.

Entscheidend ist der Kontakt mit infektiösem Speichel.

Der Name „Kusskrankheit“ kann deshalb in die Irre führen.

Er klingt nach einer harmlosen Begleiterscheinung jugendlicher Nähe, obwohl hinter der Infektion eine ernst zu nehmende Erkrankung stehen kann.

Hinzu kommt, dass Menschen das Virus zeitweise über ihren Speichel ausscheiden können, ohne selbst akut erkrankt zu sein.

Eine vollständige Vermeidung von EBV-Infektionen ist angesichts der weiten Verbreitung des Erregers schwierig.

Welche Symptome sind typisch?

Das Pfeiffersche Drüsenfieber kann sich durch verschiedene Beschwerden bemerkbar machen.

Zu den häufigen Symptomen gehören:

  • Fieber, teilweise mit hohen Temperaturen
  • Starke Halsschmerzen und entzündete Mandeln
  • Geschwollene Lymphknoten, insbesondere am Hals
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Ausgeprägte Müdigkeit und körperliche Schwäche
  • Appetitlosigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl

Bei manchen Betroffenen kommt es zusätzlich zu Hautausschlägen oder einer Vergrößerung von Milz und Leber.

Die Symptome sind nicht bei allen Erkrankten gleich stark ausgeprägt.

Manche Menschen fühlen sich nach relativ kurzer Zeit wieder besser. Andere sind über mehrere Wochen deutlich eingeschränkt.

Besonders die anhaltende Erschöpfung kann für Schülerinnen, Schüler, Studierende und Berufstätige eine erhebliche Belastung darstellen.

Wie lange dauert das Pfeiffersche Drüsenfieber?

Die akute Krankheitsphase dauert häufig etwa zwei bis vier Wochen.

Einzelne Beschwerden können jedoch länger anhalten.

Insbesondere Müdigkeit, Schwäche und verminderte körperliche Belastbarkeit können über Wochen oder auch Monate bestehen bleiben.

Wie schnell sich Betroffene erholen, hängt unter anderem vom individuellen Krankheitsverlauf und möglichen Komplikationen ab.

Eine pauschale Aussage, wann jemand wieder vollständig leistungsfähig ist, lässt sich deshalb nicht treffen.

Wichtig ist, dass Betroffene ihrem Körper ausreichend Zeit zur Erholung geben und bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen.

Warum eine vergrößerte Milz gefährlich werden kann

Eine der medizinisch besonders wichtigen möglichen Komplikationen ist die Vergrößerung der Milz.

Dieses Organ spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem und bei der Verarbeitung von Blutzellen.

Im Rahmen des Pfeifferschen Drüsenfiebers kann die Milz anschwellen.

Dadurch steigt das Risiko einer Milzverletzung oder eines Milzrisses, insbesondere bei körperlichen Belastungen und Kontaktsportarten.

Ein Milzriss kann lebensbedrohliche innere Blutungen verursachen.

Deshalb sollten Erkrankte Sport, schweres Heben und andere belastende Aktivitäten nicht eigenmächtig zu früh wieder aufnehmen.

Wann körperliche Belastung wieder möglich ist, sollte insbesondere bei sportlich aktiven Menschen ärztlich beurteilt werden.

Plötzliche starke Schmerzen im linken Oberbauch, gegebenenfalls mit Schwindel oder Kreislaufproblemen, sind ein medizinischer Notfall.

Seltene, aber schwere Komplikationen

In den meisten Fällen heilt das Pfeiffersche Drüsenfieber ohne bleibende Schäden aus.

Dennoch sind schwerwiegende Komplikationen möglich.

Dazu gehören beispielsweise ausgeprägte Entzündungen im Rachenbereich mit Atemproblemen, bestimmte Veränderungen des Blutbildes sowie seltene neurologische Komplikationen.

Auch eine Beteiligung von Leber oder anderen Organen kann auftreten.

Der Bayerische Rundfunk weist darauf hin, dass in Einzelfällen sogar lebensbedrohliche Organbeteiligungen möglich sind.

Solche schweren Verläufe sind nicht typisch für die Mehrzahl der Infektionen.

Gerade deshalb ist eine differenzierte Aufklärung wichtig: Die Erkrankung sollte weder verharmlost noch so dargestellt werden, als müsse jeder Betroffene mit schweren Spätfolgen rechnen.

Epstein-Barr-Virus und ME/CFS: Ein besonders ernstes Thema

Ein wichtiger Aspekt ist der mögliche Zusammenhang zwischen dem Pfeifferschen Drüsenfieber und der Myalgischen Enzephalomyelitis beziehungsweise dem Chronischen Fatigue-Syndrom, kurz ME/CFS.

Dabei handelt es sich um eine schwere, komplexe Erkrankung, die unter anderem mit ausgeprägter Belastungsintoleranz, starker Erschöpfung und weiteren körperlichen sowie kognitiven Beschwerden einhergehen kann.

Charakteristisch ist bei vielen Betroffenen eine Verschlechterung der Symptome nach körperlicher oder geistiger Anstrengung.

Eine EBV-Infektion beziehungsweise infektiöse Mononukleose kann bei einem Teil der Erkrankten einem späteren ME/CFS vorausgehen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede EBV-Infektion ME/CFS verursacht.

Die genauen biologischen Mechanismen und die Frage, warum manche Menschen nach einer Infektion langfristig schwer erkranken, sind weiterhin Gegenstand der Forschung.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer längeren Erholungsphase nach einer Infektion und einer eigenständigen ME/CFS-Erkrankung.

Nicht jede Müdigkeit, die mehrere Wochen anhält, ist bereits ME/CFS.

Wenn jedoch über längere Zeit schwere Beschwerden bestehen und Belastungen zu einer deutlichen Zustandsverschlechterung führen, sollte dies medizinisch abgeklärt werden.

Welche Rolle spielt EBV bei anderen Erkrankungen?

Das Epstein-Barr-Virus ist auch deshalb Gegenstand intensiver Forschung, weil es mit weiteren Erkrankungen in Verbindung gebracht wird.

Dazu gehören bestimmte seltene Krebserkrankungen und ein nachgewiesener enger Zusammenhang mit Multipler Sklerose.

Diese Erkenntnisse bedeuten nicht, dass Menschen mit einer früheren EBV-Infektion zwangsläufig eine solche Erkrankung entwickeln.

Angesichts der Tatsache, dass ein sehr großer Teil der Erwachsenen mit EBV infiziert ist, erkrankt nur eine vergleichsweise kleine Minderheit an diesen schweren Folgeerkrankungen.

Das individuelle Risiko lässt sich aus einem positiven EBV-Antikörperbefund allein nicht ableiten.

Die Forschung verdeutlicht jedoch, warum die medizinische Bedeutung dieses weit verbreiteten Virus über die akute „Kusskrankheit“ hinausgeht.

Wie wird das Pfeiffersche Drüsenfieber festgestellt?

Die Symptome können zunächst einer Mandelentzündung, Grippe oder anderen Infektionskrankheiten ähneln.

Deshalb lässt sich die Diagnose nicht allein anhand von Halsschmerzen und geschwollenen Lymphknoten sicher stellen.

Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen das Beschwerdebild, die körperliche Untersuchung und bei Bedarf Laborwerte.

Blutuntersuchungen können Hinweise auf eine akute EBV-Infektion liefern.

Dabei ist wichtig, zwischen einer frischen Infektion und einer lange zurückliegenden Infektion zu unterscheiden.

Da die meisten Erwachsenen bereits Kontakt mit EBV hatten, ist ein positiver Antikörperbefund nicht automatisch ein Beweis für ein aktuell bestehendes Pfeiffersches Drüsenfieber.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine spezifische Standardtherapie, die das Epstein-Barr-Virus bei unkompliziertem Pfeifferschem Drüsenfieber zuverlässig aus dem Körper entfernt, steht nicht zur Verfügung.

Die Behandlung konzentriert sich deshalb in der Regel auf die Linderung der Beschwerden.

Dazu gehören ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Ruhe und bei Bedarf geeignete Medikamente gegen Schmerzen und Fieber.

Antibiotika helfen nicht gegen das Epstein-Barr-Virus.

Sie sind nur dann sinnvoll, wenn zusätzlich eine behandlungsbedürftige bakterielle Infektion vorliegt.

Bestimmte Antibiotika aus der Gruppe der Aminopenicilline können bei einer akuten EBV-Infektion zudem besonders häufig mit Hautausschlägen einhergehen.

Die Auswahl von Medikamenten sollte deshalb ärztlich erfolgen.

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