Die LBBW Asset Management Investmentgesellschaft mbH, Stuttgart, legt in diesem Jahresbericht den Fonds LBBW Biodiversität R (EUR); LBBW Biodiversität I (EUR) vor. Für Anleger fällt vor allem auf: Die aktiv genutzte Anteilklasse R erzielte im Berichtsjahr bis zum 30.06.2026 eine sehr kräftige Wertentwicklung, während die Anteilklasse I bereits seit dem 10.09.2025 nach Rückgabe aller Anteile inaktiv ist. Der Fonds blieb nahezu vollständig in Aktien investiert und setzte damit seine chancenorientierte, aber auch schwankungsanfällige Ausrichtung fort.
Der Bericht weist zudem eine Besonderheit aus: Es wird kein externer Fondsmanager oder Anlageberater genannt. Das Portfoliomanagement liegt damit nach dem Bericht bei der Gesellschaft selbst.
Vermögen und Wertentwicklung
Das Fondsvermögen lag zum 30.06.2026 bei 8,59 Mio. Euro. Davon entfielen 8,56 Mio. Euro bzw. 99,75 % auf Aktien; Bankguthaben machten nur 28.074 Euro aus, also 0,33 %. Für Anleger bedeutet das: Der Fonds war praktisch voll im Aktienmarkt investiert und hielt nur minimale Liquidität vor.
Der Anteilwert der Anteilklasse LBBW Biodiversität R lag zum Stichtag bei 71,05 Euro. Über das Geschäftsjahr erzielte diese Anteilklasse nach BVI-Methode eine Performance von 38,0 %. Die Anteilklasse I kam im Berichtszeitraum zwar noch auf 6,13 %, war aber laut Bericht bereits seit September 2025 nicht mehr aktiv und hatte zum 30.06.2026 keinen Bestand mehr. Der starke Unterschied ist für Anleger auffällig, weil die R-Klasse im Berichtsjahr deutlich von der Aktienmarktentwicklung und den Einzeltiteln profitierte, während die I-Klasse faktisch beendet wurde.
Zur Mittelbewegung nennt der Bericht beim Handel in Aktien Käufe von 11,53 Mio. Euro und Verkäufe von 22,88 Mio. Euro. Aus Anlegersicht spricht das für rege Umschichtungen und teilweise Gewinnmitnahmen. Ein positiver Flussüberblick für den Gesamtfonds wird im Text nicht ausdrücklich ausgewiesen; auffällig ist aber, dass die Anteilklasse I ihre Anteile vollständig zurückgegeben hat.
Ergebnis und Werttreiber
Das Anlageergebnis speiste sich im Wesentlichen aus Kurs- und Veräußerungserfolgen im Aktienportfolio. Für die Anteilklasse R weist der Bericht realisierte Gewinne von 1,62 Mio. Euro aus, davon 1,60 Mio. Euro aus Effektengeschäften und rund 20.000 Euro aus Währungskonten. Dem standen realisierte Verluste von 707.000 Euro gegenüber. Für die Anteilklasse I wurden keine realisierten Gewinne oder Verluste ausgewiesen, was zur Inaktivität der Klasse passt.
Besonders stark war die Fondsentwicklung offenbar durch Kursanstiege einzelner Aktien geprägt. Der Bericht nennt keine explizite Benchmark-Performance im Zahlenwerk, nennt aber als Vergleichsmaßstab den MSCI World. Ziel bleibt, diesen Index bei gleichzeitig besseren Nachhaltigkeitseigenschaften zu übertreffen. Für Anleger heißt das: Das Ergebnis ist nicht aus laufenden Erträgen getragen, sondern vor allem aus der Aktienauswahl und der Marktbewegung einzelner Titel.
Kosten
Die Gesamtkostenquote lag bei der Anteilklasse R bei 1,94 %, bei der Anteilklasse I bei 1,00 % annualisiert. Hinzu kamen laut Bericht Transaktionskosten von 29.243 Euro. Außerdem nennt der Bericht eine jährliche Kostenpauschale von 0,175 %, die unter anderem Depot- und Kontogebühren, Prüfungs- und Veröffentlichungskosten sowie weitere Verwaltungsaufwendungen abdeckt.
Die im Bericht ausgewiesenen sonstigen Erträge der Anteilklasse R betrugen 15.035 Euro aus erstatteter ausländischer Quellensteuer. Dem standen 13.455 Euro an sonstigen Aufwendungen für Quellensteuerermäßigung gegenüber. Aus Anlegersicht ist das Verhältnis der Kosten zu den Erträgen wichtig: Bei einem kleinen Fondsvermögen können Verwaltungs- und Handelskosten die Nettorendite spürbar belasten, auch wenn dies im Berichtsjahr durch die starke Wertentwicklung überkompensiert wurde.
Portfolio und größte Positionen
Das Portfolio war breit gestreut, aber klar auf Aktien aus Industrieländern ausgerichtet. Regional dominieren die USA mit 64,73 % des Fondsvermögens, gefolgt von Großbritannien mit 7,37 %, Irland mit 6,39 % und Japan mit 4,70 %. Deutschland kam nur auf 2,27 %. Die Währungsangaben bestätigen diese Ausrichtung: Der Fonds hielt nennenswerte Fremdwährungspositionen in US-Dollar, Pfund und Yen.
Nach Branchen blieb Technologie mit 35,45 % die größte Position innerhalb des Aktienvermögens, allerdings niedriger als zum Jahresanfang. Zulegen konnten Gesundheit auf 15,19 %, Industrieprodukte und Services auf 14,82 %, Einzelhandel auf 11,88 % und Kreditinstitute auf 9,06 %. Der Fonds wirkte damit weniger konzentriert auf reine Wachstumswerte als zu Jahresbeginn, blieb aber insgesamt technologie- und US-lastig.
Zu den größten Einzelpositionen zählten Apple mit 5,36 %, Lam Research mit 5,05 %, Applied Materials mit 4,94 %, Alphabet mit 4,71 %, Teradyne mit 3,05 %, Seagate Technolog. Holdings mit 2,87 %, Royalty Pharma mit 2,84 %, CVS Health mit 2,78 %, KLA mit 2,58 % und Western Digital mit 2,43 %. Die zehn größten Aktienpositionen machten zusammen 37 % des Fondsvermögens aus. Aus Anlegersicht ist das ein merkliches Klumpenrisiko, auch wenn der Fonds mit 120 Titeln insgesamt breit aufgestellt ist.
Risiken und Auffälligkeiten
Der Bericht stuft das Adressenausfallrisiko mit 0,01 % als sehr niedrig ein, das Liquiditätsrisiko mit 99,12 % als gering. Das Aktienkursrisiko liegt mit 8,44 % jedoch klar im relevanten Bereich eines Aktienfonds; das Währungsrisiko wird mit 2,32 % angegeben. Für Anleger bedeutet das: Die größte Schwankungsquelle bleibt der Aktienmarkt, ergänzt um Wechselkurseffekte.
Aus Anlegersicht auffällig ist außerdem die neue Liquiditätssteuerung: Seit dem 16.04.2026 gelten Rücknahmebeschränkungen und Partial Swing Pricing. Solche Maßnahmen sollen Verwässerungseffekte bei Zu- und Abflüssen begrenzen, zeigen aber auch, dass das Management Liquiditätsbewegungen aktiv absichern will. Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Anteilklasse I vollständig zurückgegeben wurde und damit praktisch beendet ist.
Die Nachhaltigkeitsdarstellung bleibt Teil der Strategie: Der Fonds erfüllt die Merkmale eines Artikel-8-Produkts und weist laut Offenlegungsangaben 21,61 % nachhaltige Investitionen aus. Gleichzeitig nennt der Bericht keine expliziten nachhaltigen Ziele im Sinne eines eigenen Impact-Fonds, sondern eine Kombination aus Biodiversitätsfokus, SDG-Bezug und Renditeziel.
Fazit für Anleger
Für Anleger zeigt der Bericht einen klar aktienlastigen Spezialfonds mit sehr guter Jahresperformance der aktiven Anteilklasse, aber auch mit hoher Abhängigkeit von wenigen großen US-Titeln. Positiv sind die breite Streuung, das strikte Nachhaltigkeits- und Biodiversitätskonzept sowie das insgesamt niedrige Liquiditäts- und Ausfallrisiko. Kritisch zu sehen sind die hohe Aktienmarktabhängigkeit, die merkliche Konzentration auf die größten Positionen und die nicht unerheblichen laufenden Kosten. Der unabhängige Abschlussprüfer bestätigt im Prüfungsurteil, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des KAGB und den einschlägigen europäischen Verordnungen entspricht.