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Warnstreik bei Leipziger Messe: Verdi fordert 350 Euro mehr – Geschäftsführung nennt Forderungen „überzogen“

wewahn (CC0), Pixabay

Damit geht eine bereits seit Wochen schwelende Tarifauseinandersetzung in die nächste Runde.

Schon Anfang September hatten Beschäftigte der Leipziger Messe die Arbeit niedergelegt. Nach damaligen Angaben des MDR beteiligten sich rund 90 Beschäftigte an dem Warnstreik. Insgesamt geht es bei den Tarifverhandlungen um rund 440 Beschäftigte.

Nun erhöht Verdi erneut den Druck.

350 Euro mehr – rückwirkend gefordert

Im Mittelpunkt der Gewerkschaftsforderungen steht eine Erhöhung der monatlichen Entgelte um 350 Euro.

Bereits bei der vorherigen Streikrunde hatte Verdi gefordert, dass diese Erhöhung rückwirkend zum 1. Juli 2026 gelten und der entsprechende Tarifvertrag eine Laufzeit von zwölf Monaten haben soll.

Doch die Forderungen gehen über eine reine Gehaltserhöhung hinaus.

Verdi verlangt unter anderem neue Eingruppierungen und Veränderungen bei den Entgeltstufen. Außerdem soll die regelmäßige Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden bei vollem Lohnausgleich reduziert werden.

Zu den bereits im September öffentlich gewordenen Forderungen gehörten zudem drei bezahlte Gesundheitstage pro Jahr beziehungsweise entsprechende weitere tarifliche Regelungen.

Damit liegt ein umfangreiches Forderungspaket auf dem Tisch.

Geschäftsführung spricht von Forderungen außerhalb ihrer Möglichkeiten

Die Geschäftsführung der Leipziger Messe weist die Forderungen in dieser Größenordnung zurück.

Messe-Geschäftsführer Markus Geisenberger bezeichnete sie gegenüber dem MDR als überzogen und erklärte, sie lägen weit außerhalb der Möglichkeiten der Leipziger Messe.

Bereits beim Warnstreik Anfang September hatte Geisenberger die Dimension des Verdi-Pakets kritisiert.

Damals erklärte er, die Gesamtforderungen entsprächen nach Berechnung der Arbeitgeberseite rund 13 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Das passe aus seiner Sicht nicht zur wirtschaftlichen Situation der Leipziger Messe.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Die genannten 13 Prozent sind die Bewertung beziehungsweise Berechnung der Arbeitgeberseite für das gesamte Forderungspaket. Sie sind nicht mit der isolierten Forderung von 350 Euro mehr Monatsentgelt gleichzusetzen.

Arbeitgeber hatte eigenes Angebot vorgelegt

Die Leipziger Messe hatte ihrerseits bereits ein Angebot vorgelegt.

Beim Warnstreik Anfang September berichtete der MDR von einem Arbeitgeberpaket, das einschließlich einer Einmalzahlung einem Gesamtvolumen von 5,4 Prozent entsprechen sollte.

Vorgesehen war damals ein Beginn zum 1. April des folgenden Jahres bei einer Laufzeit von 24 Monaten.

Nach Angaben der Geschäftsführung hätte dies im ersten Jahr – abhängig von der jeweiligen Entgeltgruppe – monatlich zwischen 60 und 100 Euro mehr bedeutet.

Die Geschäftsführung bezeichnete dieses Angebot seinerzeit als einigungsfähig.

Verdi sah das anders.

Der damalige Verhandlungsführer Paul Schmidt bezeichnete das Arbeitgeberangebot als deutlich zu niedrig und begründete den Warnstreik damit, dass Bewegung in die Verhandlungen kommen müsse.

Damit lagen nicht nur die finanziellen Vorstellungen beider Seiten auseinander. Auch bei Laufzeit und Zeitpunkt möglicher Verbesserungen bestanden erhebliche Differenzen.

Arbeitszeit wird zum zweiten großen Streitpunkt

Neben dem Geld dürfte insbesondere die Arbeitszeitverkürzung ein schwieriger Verhandlungspunkt sein.

Verdi verlangt eine Reduzierung der regelmäßigen Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden – bei vollem Lohnausgleich.

Für Beschäftigte würde eine solche Regelung bedeuten, dass die tarifliche Arbeitszeit sinkt, ohne dass deshalb das entsprechende Entgelt reduziert wird.

Für den Arbeitgeber kann eine solche Arbeitszeitverkürzung zusätzliche organisatorische und wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Wie hoch diese bei der Leipziger Messe konkret wären, lässt sich anhand der öffentlich vorliegenden Angaben allerdings nicht beziffern.

Warum ausgerechnet während der Hobbymesse?

Der Zeitpunkt des neuen Warnstreiks erhöht die öffentliche Aufmerksamkeit erheblich.

Während eines Messebetriebs ist ein Arbeitskampf für den Arbeitgeber naturgemäß sichtbarer als an einem gewöhnlichen Arbeitstag.

Für die Gewerkschaft bedeutet dies einen stärkeren öffentlichen und betrieblichen Druck.

Für die Leipziger Messe stellt sich dagegen die Frage, ob Aufbau, Organisation und Durchführung der Veranstaltung trotz Arbeitsniederlegung ohne größere Probleme gewährleistet werden können.

Nach der vorliegenden Mitteilung geht die Messeleitung davon aus, dass die Hobbymesse nicht beeinträchtigt wird.

Das ist zunächst die Einschätzung des Unternehmens.

Wie stark die tatsächliche Beteiligung am Warnstreik ausfällt und ob einzelne Arbeitsbereiche betroffen sein werden, geht aus den vorliegenden Angaben noch nicht hervor.

Schon der erste Warnstreik sollte den Druck erhöhen

Die jetzige Arbeitsniederlegung kommt nicht überraschend.

Bereits Anfang September hatten Beschäftigte der Leipziger Messe gestreikt.

Damals berichtete der MDR von rund 90 Teilnehmern. Beschäftigte begründeten ihre Forderungen unter anderem mit ihrem Engagement für das Unternehmen.

Verdi machte seinerzeit deutlich, dass mit dem Warnstreik Bewegung in die Tarifverhandlungen gebracht werden sollte.

Dass nun erneut zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen wird, zeigt zumindest, dass bislang keine für beide Seiten tragfähige Einigung erzielt wurde.

Zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen

Der Konflikt lässt sich deshalb nicht seriös auf die Frage reduzieren, ob 350 Euro „zu viel“ oder das Arbeitgeberangebot „zu wenig“ sind.

Aus Sicht der Gewerkschaft geht es um eine spürbare Verbesserung von Einkommen und Arbeitsbedingungen.

Die Beschäftigten sollen nach der Verdi-Forderung nicht nur mehr Geld bekommen, sondern durch die Arbeitszeitverkürzung auch zeitlich entlastet werden.

Die Geschäftsführung betrachtet dagegen das Gesamtvolumen der Forderungen und verweist auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Unternehmens.

Beide Positionen folgen damit unterschiedlichen Interessen: Verdi vertritt die tariflichen Interessen der Beschäftigten, während die Geschäftsführung zugleich die wirtschaftlichen Folgen eines Abschlusses für das Unternehmen berücksichtigen muss.

Besucher sollen vom Arbeitskampf möglichst wenig merken

Für Besucher der Hobbymesse ist zunächst entscheidend, dass die Veranstaltung nach Einschätzung der Messeleitung trotz Warnstreiks nicht beeinträchtigt werden soll.

Ob der Arbeitskampf tatsächlich vollständig ohne sichtbare Folgen bleibt, hängt allerdings auch davon ab, wie viele Beschäftigte teilnehmen und welche Funktionen sie innerhalb des Messebetriebs ausüben.

Konkrete Angaben dazu liegen bislang nicht vor.

Besucher sollten deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass die Hobbymesse ausfällt oder geschlossen bleibt. Dafür gibt es nach den vorliegenden Informationen keinen Hinweis.

Warnstreik ist noch kein dauerhafter Streik

Auch die Begrifflichkeit ist wichtig.

Verdi hat zu einem Warnstreik aufgerufen.

Ein Warnstreik ist ein zeitlich begrenztes Mittel innerhalb einer Tarifauseinandersetzung, mit dem Beschäftigte beziehungsweise Gewerkschaften ihren Forderungen Nachdruck verleihen.

Die jetzige Arbeitsniederlegung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass bei der Leipziger Messe ein unbefristeter Arbeitskampf bevorsteht.

Im Mittelpunkt stehen weiterhin die Tarifverhandlungen.

Streit betrifft mehr als die 350-Euro-Forderung

Gerade die öffentliche Diskussion über die Höhe der Forderungen sollte deshalb nicht allein auf die Zahl von 350 Euro reduziert werden.

Zum Verdi-Paket gehören beziehungsweise gehörten in den bisherigen Verhandlungen weitere Elemente wie Änderungen bei Entgeltstufen und Eingruppierungen, die Arbeitszeitverkürzung sowie zusätzliche tarifliche Leistungen.

Umgekehrt besteht auch das Arbeitgeberangebot nicht lediglich aus einer einzelnen monatlichen Erhöhung.

Für eine faire Bewertung der beiden Positionen müsste deshalb jeweils das vollständige Tarifpaket einschließlich Laufzeiten und zeitlicher Umsetzung betrachtet werden.

Der Zeitpunkt erhöht den Druck erheblich

Fest steht: Mit dem erneuten Warnstreik erreicht der Tarifkonflikt eine öffentlich besonders sichtbare Phase.

Eine Messe lebt davon, dass zahlreiche organisatorische Abläufe gleichzeitig funktionieren. Aussteller müssen betreut, technische und organisatorische Aufgaben erledigt und Besucherströme bewältigt werden.

Ein Warnstreik während einer solchen Phase erhöht daher den Druck auf die Arbeitgeberseite erheblich.

Gleichzeitig muss Verdi berücksichtigen, dass ein Arbeitskampf während einer Publikumsveranstaltung auch Besucher und Aussteller berühren kann, die selbst nicht Partei des Tarifkonflikts sind.

Nach den vorliegenden Angaben soll genau das nach Einschätzung der Messeleitung bei der Hobbymesse nicht der Fall sein.

Nächste Verhandlungen werden entscheidend

Die entscheidende Frage lautet deshalb weniger, ob die Hobbymesse an diesem Wochenende stattfinden kann.

Entscheidend ist vielmehr, ob sich Gewerkschaft und Geschäftsführung bei den nächsten Verhandlungen aufeinander zubewegen.

Die Ausgangspositionen liegen deutlich auseinander: Verdi verlangt eine spürbare monatliche Entgelterhöhung und strukturelle Verbesserungen einschließlich einer kürzeren Wochenarbeitszeit. Die Messeleitung hält das Gesamtpaket in dieser Größenordnung für wirtschaftlich nicht tragbar.

Der erneute Warnstreik soll den Verhandlungsdruck erhöhen.

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