Dark Mode Light Mode

Energydrinks bei Kindern und Jugendlichen: Konsum nimmt zu – Experten warnen vor gesundheitlichen Folgen

Herbich (CC0), Pixabay

Die Zahlen stammen aus einer Auswertung, über die im „Deutschen Ärzteblatt International“ berichtet wird. Danach zeigt sich bereits bei vergleichsweise jungen Kindern ein relevanter Konsum von Energydrinks.

Unter den 9- bis 12-Jährigen gaben 13 Prozent an, mindestens einmal im Monat Energydrinks zu trinken.

Noch deutlicher fällt das Ergebnis bei älteren Kindern und Jugendlichen aus: Bei den 13- bis 15-Jährigen sind es 33 Prozent.

Damit konsumiert in dieser Altersgruppe rechnerisch etwa jeder Dritte mindestens einmal monatlich einen Energydrink.

Monatlicher Konsum hat zugenommen

Besonders auffällig ist die Entwicklung über die vergangenen Jahre. Den ausgewerteten Umfragedaten zufolge hat vor allem der monatliche Konsum zugenommen.

Damit geht es bei der Diskussion nicht ausschließlich um Jugendliche, die besonders große Mengen solcher Getränke zu sich nehmen. Schon die grundsätzliche Verbreitung der Produkte unter Kindern und Jugendlichen nimmt offenbar zu.

Gerade bei den 13- bis 15-Jährigen zeigt die Quote von 33 Prozent, dass Energydrinks für einen erheblichen Teil dieser Altersgruppe zumindest gelegentlich zum Getränkeangebot gehören.

Aus den vorliegenden Angaben geht allerdings nicht hervor, wie viele Dosen oder welche konkreten Mengen die Befragten bei einer Gelegenheit beziehungsweise innerhalb eines Monats konsumieren.

Ebenso lässt sich daraus nicht bestimmen, wie groß die Gruppe derjenigen ist, die täglich oder mehrmals wöchentlich Energydrinks trinkt.

Diese Unterscheidung ist wichtig: Die Angabe „mindestens einmal im Monat“ umfasst sowohl einen gelegentlichen Konsum als auch einen möglicherweise deutlich häufigeren Konsum.

Warum Experten den Konsum kritisch sehen

Im Mittelpunkt der gesundheitlichen Diskussion stehen insbesondere zwei Inhaltsstoffe: Koffein und Zucker.

Energydrinks sollen anregend wirken. Gerade der enthaltene Koffeinanteil ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil vieler dieser Getränke.

Bei häufigem Konsum können die Produkte nach Einschätzung von Experten aufgrund ihres hohen Koffein- und Zuckergehalts erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben. Genannt werden insbesondere mögliche Folgen für das Herz-Kreislauf-System.

Für Eltern ist dabei wichtig, zwischen einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung und einem bereits eingetretenen Gesundheitsschaden zu unterscheiden.

Die genannten Umfragedaten zeigen zunächst, wie verbreitet der Konsum ist. Sie belegen nicht, dass bei 13 oder 33 Prozent der jeweiligen Altersgruppen gesundheitliche Schäden durch Energydrinks eingetreten sind.

Besonders junge Konsumenten im Blick

Aus Verbraucherschutzsicht fällt insbesondere das Alter der Befragten auf.

Bei den 9- bis 12-Jährigen handelt es sich teilweise noch um Grundschulkinder. Dennoch geben bereits 13 von 100 Kindern dieser Altersgruppe an, mindestens monatlich einen Energydrink zu konsumieren.

Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil deutlich.

Bei den 13- bis 15-Jährigen sind es bereits 33 von 100 Befragten.

Der Unterschied zwischen beiden Altersgruppen beträgt damit 20 Prozentpunkte.

Aus den vorliegenden Angaben allein lässt sich allerdings nicht ableiten, warum der Konsum mit zunehmendem Alter so deutlich höher ausfällt. Aussagen etwa über Werbung, Freundeskreise, soziale Medien, Gaming, Sport oder die Verfügbarkeit der Getränke wären ohne weitere Untersuchungsdaten spekulativ.

Entscheidend ist auch die tatsächlich konsumierte Menge

Bei der Bewertung von Energydrinks reicht die bloße Frage „getrunken oder nicht getrunken?“ nicht aus.

Für eine gesundheitliche Bewertung wäre unter anderem relevant, wie häufig ein Kind solche Getränke konsumiert, wie groß die jeweilige Portion ist und wie viel Koffein und Zucker das konkrete Produkt enthält.

Gerade diese Informationen lassen sich aus den hier genannten Prozentzahlen nicht ablesen.

Ein Jugendlicher, der einmal im Monat eine kleine Menge konsumiert, fällt statistisch zunächst ebenso in die Gruppe „mindestens monatlicher Konsum“ wie jemand, der wesentlich häufiger zu Energydrinks greift.

Deshalb sollten die Werte von 13 beziehungsweise 33 Prozent nicht als Anteil der Kinder mit einem gesundheitlich problematischen Konsum missverstanden werden.

Sie zeigen vielmehr, wie viele Befragte zumindest einmal monatlich Energydrinks konsumieren.

Energydrinks sind längst kein Randprodukt mehr

Trotz dieser Einschränkung ist die Entwicklung bemerkenswert.

Wenn bereits jeder dritte 13- bis 15-Jährige mindestens monatlich Energydrinks konsumiert, handelt es sich in dieser Altersgruppe nicht mehr um ein Getränk, das nur von einer kleinen Minderheit genutzt wird.

Dass gleichzeitig ein Anstieg des monatlichen Konsums beobachtet wird, erhöht die Bedeutung der Frage, wie Kinder, Jugendliche und Eltern über die Inhaltsstoffe und mögliche gesundheitliche Folgen informiert werden.

Denn Energydrinks werden nicht wie Medikamente wahrgenommen, sondern als frei erhältliche Getränke. Für junge Konsumenten kann deshalb leicht in den Hintergrund treten, dass insbesondere der Koffeingehalt bei der konsumierten Menge berücksichtigt werden sollte.

Eltern sollten auf die Inhaltsstoffe schauen

Für Eltern bedeutet die Entwicklung vor allem, den Konsum nicht allein danach zu beurteilen, ob das eigene Kind „Energydrinks trinkt“.

Entscheidend ist vielmehr, wie häufig und in welchen Mengen die Getränke konsumiert werden.

Ein Blick auf die Zutaten- und Nährwertangaben kann dabei helfen, den Koffein- und Zuckergehalt eines konkreten Produkts einzuschätzen.

Auch sollte berücksichtigt werden, ob zusätzlich andere koffeinhaltige Getränke konsumiert werden. Wie hoch die gesamte Koffeinaufnahme eines Kindes oder Jugendlichen tatsächlich ist, lässt sich anhand der genannten Umfragewerte allerdings nicht bestimmen.

Umfragedaten haben Grenzen

Bei der Einordnung der Zahlen sollte zudem berücksichtigt werden, dass es sich um Umfragedaten handelt.

Die Werte beruhen damit auf Angaben der Befragten und nicht beispielsweise auf einer vollständigen Erfassung tatsächlich gekaufter oder konsumierter Getränke.

Auch die hier vorliegenden Informationen reichen nicht aus, um festzustellen, welche Marken besonders häufig konsumiert werden, welche Mengen durchschnittlich getrunken werden oder in welchen Situationen Kinder und Jugendliche besonders häufig zu Energydrinks greifen.

Ebenso wenig lässt sich anhand der genannten Zahlen bestimmen, welcher Anteil des Konsums zuckerhaltige und welcher zuckerfreie Energydrinks betrifft.

33 Prozent bei den 13- bis 15-Jährigen sind ein deutliches Signal

Ungeachtet dieser Einschränkungen zeigen die Daten eine klare Entwicklung: Energydrinks erreichen bereits sehr junge Verbraucher.

13 Prozent der 9- bis 12-Jährigen und 33 Prozent der 13- bis 15-Jährigen geben einen mindestens monatlichen Konsum an. Gleichzeitig hat gerade dieser monatliche Konsum in den vergangenen Jahren zugenommen.

Angesichts der von Experten genannten möglichen gesundheitlichen Folgen eines häufigen Konsums sollte die Entwicklung aufmerksam verfolgt werden.

Für Eltern und Jugendliche gilt dabei vor allem: Ein Energydrink ist nicht einfach nur eine weitere Limonade. Insbesondere der Koffeingehalt und die konsumierte Menge verdienen Aufmerksamkeit.

Aus Verbraucherschutzsicht stellt sich darüber hinaus die Frage, ob Kinder und Jugendliche ausreichend verstehen können, welche Mengen Koffein sie mit solchen Produkten aufnehmen und welche Folgen ein häufiger Konsum haben kann.

Die aktuellen Umfragedaten liefern darauf keine Antwort. Sie zeigen aber, warum diese Frage zunehmend relevant wird: Bei den 13- bis 15-Jährigen konsumiert inzwischen jeder Dritte mindestens einmal im Monat Energydrinks.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

EKD-Insolvenz und offene Forderungen: Rechtsanwalt Maurice Högel erklärt, was Verbraucher jetzt wissen sollten

Next Post

Peacock European Best Value ESG Fonds: Starker Jahresgewinn, aber ordentlicher Ertrag bleibt negativ und die Kosten lasten spürbar auf dem Fonds