Die ENERTRAG Windfeld Hoher Fläming GmbH & Co. KG mit Sitz in Schenkenberg, Ortsteil Dauerthal, weist zum 31. Dezember 2023 eine Bilanzsumme von 1.255.413,54 Euro aus.
Ein Jahr zuvor waren es noch 1.558.751,11 Euro.
Damit verringerte sich die Bilanzsumme innerhalb eines Jahres um rund 303.338 Euro beziehungsweise 19,5 Prozent.
Der Abschluss wurde bereits unter dem Datum 17. Juni 2024 unterzeichnet, nach den vorgelegten Angaben jedoch erst am 13. Juli 2026 festgestellt.
Anlagevermögen sinkt deutlich
Das Anlagevermögen verringerte sich von 413.331,06 Euro auf 284.827,06 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 128.504 Euro beziehungsweise 31,1 Prozent.
Interessant ist dabei die Zusammensetzung.
Mit 284.826,06 Euro besteht das Anlagevermögen zum Bilanzstichtag praktisch vollständig aus immateriellen Vermögensgegenständen.
Diese waren im Vorjahr noch mit 335.304,06 Euro angesetzt.
Der Jahresabschluss erläutert, dass entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände über eine Nutzungsdauer von 20 Jahren linear abgeschrieben werden.
Sachanlagen nur noch mit einem Euro bilanziert
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Sachanlagen.
Zum 31. Dezember 2022 standen noch 78.027 Euro in der Bilanz.
Ende 2023 beträgt der Buchwert nur noch:
1 Euro.
Das bedeutet allerdings nicht, dass keine technischen Anlagen mehr vorhanden sein müssen. Die Bilanz zeigt lediglich den bilanziellen Buchwert.
Der Anhang nennt für technische Anlagen und Maschinen eine Nutzungsdauer von 16 Jahren und für Wege neun Jahre. Das Sachanlagevermögen werde nach den Angaben der Gesellschaft nach der degressiven Methode abgeschrieben.
Warum der Buchwert innerhalb eines Jahres von 78.027 Euro auf einen Euro zurückging und welche konkreten Vermögensgegenstände davon betroffen waren, lässt sich aus den vorgelegten Angaben nicht abschließend bestimmen.
Umlaufvermögen sinkt auf 970.586 Euro
Auch das Umlaufvermögen ging zurück.
Ende 2022 belief es sich auf 1.145.420,05 Euro. Ein Jahr später waren es noch 970.586,48 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 174.834 Euro beziehungsweise 15,3 Prozent.
Innerhalb des Umlaufvermögens verlief die Entwicklung allerdings gegenläufig.
Die Forderungen nahmen zu, während die liquiden Mittel deutlich zurückgingen.
Forderungen steigen um knapp 44 Prozent
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände erhöhten sich von
394.178,90 Euro
auf
567.032,99 Euro.
Das ist ein Anstieg um rund 172.854 Euro beziehungsweise 43,9 Prozent.
Nach Angaben im Anhang haben sämtliche Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände – wie bereits im Vorjahr – eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.
Eine weitergehende Aufschlüsselung der Forderungen enthält die vorgelegte Veröffentlichung nicht.
Liquidität sinkt um 46 Prozent
In die andere Richtung entwickelten sich die liquiden Mittel.
Die Kassen- und Bankguthaben gingen von
751.241,15 Euro
auf
403.553,49 Euro
zurück.
Damit verringerte sich die Liquiditätsposition um rund 347.688 Euro beziehungsweise 46,3 Prozent.
Die Bilanz zeigt somit eine deutliche Verschiebung innerhalb des Umlaufvermögens: mehr kurzfristige Forderungen, aber erheblich weniger unmittelbar verfügbare liquide Mittel.
Aus den vorgelegten Angaben lässt sich allerdings nicht ableiten, wodurch der Liquiditätsrückgang verursacht wurde.
Eigenkapital sinkt um rund 190.000 Euro
Auf der Passivseite ging das ausgewiesene Eigenkapital von 507.444,14 Euro auf 317.217,55 Euro zurück.
Das entspricht einer Verringerung um rund 190.227 Euro beziehungsweise 37,5 Prozent.
Das Eigenkapital besteht aus den Kapitalanteilen der Kommanditisten. Ein Bilanzgewinn wird mit 0 Euro ausgewiesen.
Dieser Wert bedeutet nicht, dass die Gesellschaft im Jahr 2023 keinen Gewinn oder Verlust erwirtschaftet hat.
Zwar erklärt der Anhang, dass die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren erstellt wurde. Die konkreten Zahlen dieser Gewinn- und Verlustrechnung sind in den vorgelegten Daten jedoch nicht enthalten.
Eine Aussage über Umsatz, operatives Ergebnis oder Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag ist deshalb auf dieser Grundlage nicht möglich.
Eigenkapitalquote fällt auf rund 25 Prozent
Die rechnerische Eigenkapitalquote sank von rund 32,6 Prozent Ende 2022 auf 25,3 Prozent Ende 2023.
Das ist ein Rückgang um rund 7,3 Prozentpunkte.
Die absolute Eigenkapitalausstattung und die Eigenkapitalquote haben sich somit gegenüber dem Vorjahr deutlich vermindert.
Daraus allein lässt sich allerdings keine Aussage über eine wirtschaftliche Krise oder Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft ableiten.
Verbindlichkeiten mehr als halbiert
Gleichzeitig wurden die bilanzierten Verbindlichkeiten erheblich reduziert.
Sie gingen von
341.447,70 Euro
auf
169.093,41 Euro
zurück.
Das entspricht einer Verringerung um rund 172.354 Euro beziehungsweise 50,5 Prozent.
Sämtliche bilanzierten Verbindlichkeiten haben laut Bilanz eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.
Ende 2022 bestanden noch 218.750 Euro solcher Verpflichtungen.
Zum 31. Dezember 2023 beträgt der ausgewiesene Wert:
0 Euro.
Aus dem Abschluss allein lässt sich nicht feststellen, ob die früheren Gesellschafterverbindlichkeiten zurückgezahlt, verrechnet oder auf andere Weise verändert wurden.
Rückstellungen steigen auf 769.103 Euro
Der größte einzelne Posten auf der Passivseite sind inzwischen die Rückstellungen.
Sie erhöhten sich von 709.859,27 Euro auf 769.102,58 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um rund 59.243 Euro beziehungsweise 8,3 Prozent.
Damit übersteigen die Rückstellungen sowohl das Eigenkapital als auch die bilanzierten Verbindlichkeiten deutlich.
Sie entsprechen rechnerisch rund 61,3 Prozent der gesamten Bilanzsumme.
Der Anhang erklärt allgemein, dass bei der Bemessung der Rückstellungen allen erkennbaren Risiken Rechnung getragen werde und die Bewertung mit dem notwendigen Erfüllungsbetrag erfolge.
Eine konkrete Aufschlüsselung der Rückstellungen enthält das vorgelegte Zahlenmaterial jedoch nicht.
2,07 Millionen Euro finanzielle Verpflichtungen bis 2036
Besonders wichtig ist eine Position, die nicht als normale Verbindlichkeit in der Bilanz erscheint.
Unter „Sonstige finanzielle Verpflichtungen“ nennt die Gesellschaft Verpflichtungen bis zum Jahr 2036 von insgesamt
2.072.108,91 Euro.
Damit übersteigen diese künftigen finanziellen Verpflichtungen die gesamte Bilanzsumme zum 31. Dezember 2023 deutlich.
Das bedeutet jedoch ausdrücklich nicht, dass zusätzlich zu den bilanzierten 169.093 Euro Verbindlichkeiten bereits weitere 2,07 Millionen Euro fällige Schulden bestanden.
Es handelt sich um sonstige finanzielle Verpflichtungen bis 2036.
Die Gesellschaft erklärt zudem, dass diese Verpflichtungen mit zukünftigen Erlösen gedeckt seien.
Soweit variable Bestandteile – beispielsweise ertragsabhängige Komponenten – enthalten seien, habe die Geschäftsführung hierfür plausible Annahmen getroffen.
Welche einzelnen Verträge oder Zahlungspflichten sich hinter den 2,07 Millionen Euro verbergen, wird in den vorgelegten Angaben nicht weiter aufgeschlüsselt.
Redispatch 2.0 sorgt für Schätzungen
Eine weitere bemerkenswerte Erläuterung betrifft die Umsatzerlöse.
Die Gesellschaft verweist auf technische und administrative Herausforderungen bei der Einführung von Redispatch 2.0.
Zum Zeitpunkt der Abschlusserstellung hätten noch nicht sämtliche Maßnahmen abgerechnet werden können.
Deshalb wurden nach Angaben der Gesellschaft entsprechende Schätzungen vorgenommen.
Dabei wurde ein Sicherheitsabschlag von 20 Prozent berücksichtigt.
Die auf dieser Grundlage erwarteten Entschädigungen seien in den Umsatzerlösen ausgewiesen worden.
Wie hoch diese geschätzten Redispatch-Entschädigungen konkret waren und welchen Anteil sie an den gesamten Umsatzerlösen hatten, geht aus den vorgelegten Angaben nicht hervor.
Für die Interpretation des Abschlusses ist dennoch relevant, dass ein Teil der Umsatzerlöse offenbar auf noch nicht vollständig abgerechneten Maßnahmen und damit auf Schätzungen beruht.
437.500 Euro Kommanditeinlage
Die im Handelsregister eingetragene Hafteinlage der Kommanditisten beträgt laut Anhang 437.500 Euro.
In gleicher Höhe besteht nach dem Gesellschaftsvertrag die zu leistende Pflichteinlage.
Diese sei vollständig eingezahlt worden.
Das bilanzielle Eigenkapital beziehungsweise die Kapitalanteile der Kommanditisten lagen zum Jahresende mit 317.217,55 Euro allerdings unter dieser ursprünglichen Einlagenhöhe.
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang eine weitere Angabe des Jahresabschlusses.
Außenhaftung der Kommanditisten lebt teilweise wieder auf
Die Gesellschaft erklärt ausdrücklich:
Die den Gesellschaftern zuzurechnende Kapitalertragsteuer und der darauf entfallende Solidaritätszuschlag von zusammen
25.457,28 Euro
führten zum Wiederaufleben der Außenhaftung gemäß § 172 Abs. 4 HGB.
Für die Kommanditisten ist das eine relevante Information.
Sie darf allerdings nicht dahingehend verkürzt werden, dass die Anleger nun automatisch 25.457,28 Euro zahlen müssten.
Der Jahresabschluss selbst stellt lediglich fest, dass dieser Betrag zum Wiederaufleben der Außenhaftung führt.
Wie sich eine mögliche Haftung auf einzelne Kommanditisten verteilt und ob beziehungsweise unter welchen Voraussetzungen daraus tatsächlich Ansprüche entstehen könnten, lässt sich anhand des Abschlusses nicht beurteilen.
Keine Mitarbeiter beschäftigt
Im Geschäftsjahr 2023 beschäftigte die Gesellschaft nach eigenen Angaben keine Mitarbeiter.
Wie technische Betriebsführung, Verwaltung und weitere Aufgaben organisatorisch erbracht wurden, geht aus den vorgelegten Informationen nicht hervor.
Jahresabschluss erst 2026 festgestellt
Bemerkenswert ist schließlich der zeitliche Abstand.
Der Jahresabschluss betrifft das Geschäftsjahr 2023 und trägt unter den sonstigen Berichtsbestandteilen das Datum 17. Juni 2024.
Genannt werden dort Michael Westphal und Branko Swierczek.
Die Feststellung des Jahresabschlusses erfolgte nach den veröffentlichten Angaben jedoch erst am 13. Juli 2026.
Zwischen dem Ende des Geschäftsjahres am 31. Dezember 2023 und der angegebenen Feststellung liegen damit mehr als zweieinhalb Jahre.
Warum die Feststellung erst 2026 erfolgte, lässt sich aus den vorgelegten Angaben nicht entnehmen.
Fazit: Weniger Liquidität und Eigenkapital – zugleich deutlich weniger Schulden
Der Jahresabschluss zeichnet ein gemischtes bilanzielles Bild.
Die bilanzierten Verbindlichkeiten wurden innerhalb eines Jahres um mehr als die Hälfte auf 169.093 Euro reduziert. Die Gesellschafterverbindlichkeiten sanken von 218.750 Euro auf null.
Gleichzeitig ging jedoch auch das Eigenkapital um rund 37,5 Prozent auf 317.218 Euro zurück. Die liquiden Mittel reduzierten sich sogar um rund 46 Prozent auf 403.553 Euro.
Die Forderungen stiegen dagegen um knapp 44 Prozent auf 567.033 Euro.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen drei Angaben außerhalb dieser klassischen Bilanzrelationen: 2,07 Millionen Euro sonstige finanzielle Verpflichtungen bis 2036, teilweise auf Schätzungen beruhende Redispatch-Entschädigungen in den Umsatzerlösen und das von der Gesellschaft ausdrücklich festgestellte Wiederaufleben der Außenhaftung gemäß § 172 Abs. 4 HGB in Zusammenhang mit 25.457,28 Euro Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag.
Keine dieser Angaben rechtfertigt für sich genommen die Annahme einer wirtschaftlichen Krise. Für Kommanditisten und andere Leser des Abschlusses sind sie jedoch wesentlich, um die reine Bilanzsumme von 1,26 Millionen Euro richtig einzuordnen.