Lebensmittel wegzuwerfen bedeutet nicht nur, Essen zu vernichten. Für Verbraucher ist es zugleich bares Geld, das im Abfalleimer landet.
Die Aktionswoche „Zu gut für die Tonne“ soll deshalb darauf aufmerksam machen, wie sich Lebensmittelabfälle vermeiden lassen.
Auch in Schleswig-Holstein finden entsprechende Aktionen statt, unter anderem in Kiel und Malente. Die Aktionswoche läuft nach der vorliegenden Meldung bis zum 6. Oktober 2026.
Auffälliger Zahlenfehler in der Ausgangsmeldung
Bei der genannten Gesamtmenge ist allerdings Vorsicht geboten.
In der vorliegenden Meldung heißt es mehrfach, in Deutschland würden jährlich insgesamt rund elf Tonnen Lebensmittel weggeworfen.
Diese Größenangabe erscheint bereits innerhalb des Berichtskontexts offensichtlich erklärungsbedürftig: Allein für Foodsharing in Schleswig-Holstein werden für einen einzigen Monat rund 170 Tonnen gerettete Lebensmittel genannt.
Die Angabe von lediglich elf Tonnen Lebensmittelabfällen für ganz Deutschland kann deshalb nicht widerspruchsfrei neben diesen Zahlen stehen.
Da aus der vorliegenden Quelle nicht hervorgeht, welche Einheit an dieser Stelle tatsächlich gemeint sein sollte, sollte die Zahl journalistisch nicht eigenständig korrigiert werden.
Festhalten lässt sich aus der Vorlage dagegen die angegebene prozentuale Verteilung.
Knapp 60 Prozent sollen aus Privathaushalten stammen
Nach Angaben von Kristina Rerich von der Verbraucherzentrale entfällt mit knapp 60 Prozent der größte Anteil der Lebensmittelabfälle auf private Haushalte.
Restaurants werden in der Meldung mit 18 Prozent genannt.
Auf Supermärkte beziehungsweise den Handel sollen dagegen lediglich rund sieben Prozent entfallen.
Damit richtet sich der Blick beim Kampf gegen Lebensmittelverschwendung besonders stark auf das Verhalten zu Hause.
Denn selbst kleine Mengen können sich summieren, wenn Lebensmittel regelmäßig zu viel eingekauft, falsch gelagert oder vorschnell entsorgt werden.
Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht automatisch „wegwerfen“
Ein klassisches Beispiel für Lebensmittelverschwendung sind Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde.
Die Aktionswoche soll Verbraucher dafür sensibilisieren, Lebensmittel nicht unnötig wegzuwerfen und bewusster mit Vorräten und Resten umzugehen.
Im Mittelpunkt stehen praktische Veränderungen im Alltag: besser planen, bedarfsgerecht einkaufen, Lebensmittel richtig lagern und Essensreste weiterverwenden.
Erst planen, dann einkaufen
Einer der zentralen Ratschläge von Kristina Rerich betrifft bereits den Einkauf.
Verbraucher können vorab einen Essensplan erstellen und anschließend gezielt nur diejenigen Lebensmittel kaufen, die tatsächlich benötigt werden.
Das klingt banal, kann aber verhindern, dass Produkte gekauft werden, für die später keine Verwendung besteht.
Auch Sonderangebote oder größere Verpackungen sind schließlich nur dann tatsächlich günstig, wenn die Lebensmittel am Ende verbraucht werden.
Was ungenutzt im Müll landet, war kein Schnäppchen.
Richtige Lagerung verlängert die Nutzbarkeit
Ein zweiter Punkt ist die Lagerung.
Lebensmittel sollten so aufbewahrt werden, dass sie möglichst lange verwendbar bleiben.
Damit lässt sich verhindern, dass Produkte unnötig verderben, bevor sie gegessen werden können.
Die Aktionswoche soll insbesondere jungen Menschen solche alltäglichen Möglichkeiten vermitteln.
In Workshops sollen Schülerinnen und Schüler lernen, wie sich Lebensmittelverschwendung bereits mit einfachen Verhaltensänderungen reduzieren lässt.
Aus Resten wird eine weitere Mahlzeit
Auch übrig gebliebenes Essen muss nicht automatisch entsorgt werden.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt nach der vorliegenden Meldung, Essensreste erneut zu verwerten.
Wer bereits beim Kochen berücksichtigt, welche Reste später noch verwendet werden können, kann damit gleichzeitig Lebensmittel und Geld sparen.
Und wenn absehbar ist, dass bestimmte Produkte im eigenen Haushalt nicht mehr verbraucht werden, gibt es eine weitere einfache Möglichkeit: Sie können an Freunde oder Nachbarn weitergegeben werden.
Obst und Gemüse besonders häufig im Müll
Besonders häufig trifft die Verschwendung offenbar Obst und Gemüse.
Nach Angaben Rerichs machen diese Produkte etwa 35 Prozent der Lebensmittelabfälle aus privaten Haushalten aus.
Danach folgen zubereitete Speisen beziehungsweise Essensreste und Backwaren.
Gerade bei frischen Lebensmitteln können deshalb Einkaufsplanung und Lagerung eine wichtige Rolle spielen.
Wer beispielsweise mehr frisches Obst oder Gemüse kauft, als innerhalb der Haltbarkeit tatsächlich gegessen werden kann, riskiert regelmäßig vermeidbare Abfälle.
Supermärkte planen offenbar genauer
Der vergleichsweise geringe Anteil des Handels wird in der Meldung unter anderem mit einer besseren Planung erklärt.
Supermärkte hätten ein wirtschaftliches Interesse daran, möglichst viele eingekaufte Produkte auch tatsächlich zu verkaufen.
Lebensmittel, die sich dem Ende ihrer Verkaufsfähigkeit nähern, können zudem teilweise an Tafeln oder Foodsharing-Initiativen weitergegeben werden.
Damit ist selbstverständlich nicht gesagt, dass im Handel keine Lebensmittel verschwendet werden. Nach den in der Meldung genannten Zahlen ist sein Anteil an der Gesamtmenge jedoch erheblich geringer als derjenige privater Haushalte.
Foodsharing rettet in Schleswig-Holstein große Mengen
Welche Mengen durch Weitergabe vor der Entsorgung bewahrt werden können, zeigt das Beispiel Foodsharing.
Nach Angaben der Internetplattform haben deren Mitglieder allein im vergangenen Monat in Schleswig-Holstein ungefähr 170 Tonnen Lebensmittel gerettet.
Das entspricht nach der Vorlage etwa 43 Tonnen pro Woche.
Die Mitglieder übernehmen dabei unter anderem Lebensmittel, die beispielsweise von Supermärkten nicht mehr verkauft werden können.
Damit werden Produkte, die andernfalls möglicherweise entsorgt würden, noch einer Verwendung zugeführt.
Lebensmittelverschwendung ist auch Geldverschwendung
Für Verbraucher hat das Thema eine sehr direkte wirtschaftliche Seite.
Jedes Lebensmittel, das gekauft und anschließend ungenutzt weggeworfen wird, wurde letztlich umsonst bezahlt.
Gerade angesichts hoher Lebenshaltungskosten kann deshalb bereits eine bessere Planung des eigenen Einkaufs einen finanziellen Effekt haben.
Dabei braucht es nicht zwingend komplizierte Konzepte.
Ein Essensplan, eine Einkaufsliste, die richtige Lagerung und die Weiterverwendung von Resten gehören zu den einfachen Empfehlungen, die im Rahmen der Aktionswoche vermittelt werden.
Kinder und Jugendliche besonders im Fokus
Die aktuelle Aktionswoche richtet sich bewusst auch an jüngere Verbraucher.
Workshops sollen Schülerinnen und Schüler dafür sensibilisieren, wie Lebensmittelverschwendung entsteht und wie sie vermieden werden kann.
Das ist langfristig möglicherweise besonders wirkungsvoll: Wer bereits früh lernt, Lebensmittel nicht automatisch nach einem Datum oder wegen kleiner optischer Veränderungen wegzuwerfen und Einkäufe bedarfsgerecht zu planen, kann solche Gewohnheiten später im eigenen Haushalt fortsetzen.
Weniger wegwerfen beginnt zu Hause
Die zentrale Botschaft der Aktionswoche ist damit überraschend alltäglich.
Der größte Hebel liegt nach den in der Meldung genannten Anteilen nicht allein bei Supermärkten oder Restaurants, sondern in Millionen privaten Haushalten.
Knapp 60 Prozent der Lebensmittelabfälle werden ihnen zugerechnet.
Wer weniger wegwerfen möchte, kann deshalb unmittelbar im eigenen Kühlschrank anfangen: Einkäufe planen, Lebensmittel richtig lagern, Reste verwerten und Produkte weitergeben, die man selbst nicht mehr verbrauchen wird.
Und zumindest eine weitere Lehre liefert die vorliegende Meldung unfreiwillig:
Bei Angaben über Lebensmittelverschwendung sollte man nicht nur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum, sondern gelegentlich auch auf die Einheit hinter der Zahl schauen.