Dark Mode Light Mode

Zyklus-Apps und intime Daten: Studie findet Werbe-Tracking bei fast allen untersuchten Anwendungen

Satyress (CC0), Pixabay

Zyklus-Apps haben sich für viele Frauen zu alltäglichen digitalen Begleitern entwickelt. Sie erinnern an die nächste Periode, berechnen fruchtbare Tage oder ermöglichen es, körperliche Veränderungen über längere Zeit zu dokumentieren.

Der praktische Nutzen hat allerdings eine datenschutzrechtlich sensible Kehrseite.

Denn die Anwendungen können Informationen verarbeiten, die tief in die Privatsphäre reichen. Neben Beginn und Dauer der Menstruation können je nach App beispielsweise Angaben zu Stimmung, körperlichen Beschwerden, Sexualleben, Verhütung oder Kinderwunsch hinzukommen.

Teilweise können zudem Informationen von Fitness-Trackern und Smartwatches eingebunden werden.

Eine aktuelle Untersuchung des Sicherheitsinstituts AV-TEST nimmt deshalb den Datenschutz bei 17 populären Android-Anwendungen zur Frauengesundheit genauer unter die Lupe.

Fast alle untersuchten Apps nutzen Tracking- oder Analyse-Technologien

Ein wesentliches Ergebnis: Bei fast allen untersuchten Anwendungen fanden die Tester Werbe-Technologien oder Analysewerkzeuge.

Nach der Untersuchung verzichten lediglich Premom und Read Your Body vollständig auf die Android-Werbe-ID und vergleichbare Tracking-Dienste.

Dabei bedeutet der Einsatz von Analyse- oder Werbetechnologien für sich genommen nicht automatisch, dass intime Gesundheitsinformationen unzulässig an Werbeunternehmen weitergegeben werden.

Die Untersuchung zeigt aber, dass Nutzerinnen genauer darauf achten sollten, welche technischen Komponenten eine App verwendet und welche Daten damit verarbeitet werden können.

Vier Apps können laut Untersuchung auf Standortdaten zugreifen

Besonders erklärungsbedürftig erscheint bei einer Zyklus-App ein möglicher Zugriff auf den Standort.

Nach der Untersuchung besitzen vier der geprüften Anwendungen technisch die Möglichkeit eines entsprechenden Zugriffs:

Maya, Read Your Body, Premom und Ovy.

Die Tester stellen infrage, weshalb Standortinformationen für die eigentliche Funktion einer Zyklus-App erforderlich sein sollten.

Dabei ist allerdings eine wichtige Unterscheidung notwendig: Eine vorhandene technische Berechtigung beziehungsweise Zugriffsmöglichkeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine App permanent Standortdaten erhebt oder diese tatsächlich weitergibt.

Für Verbraucherinnen ist dennoch sinnvoll zu prüfen, welche Berechtigungen eine Anwendung auf dem Smartphone verlangt und ob diese für die gewünschte Funktion nachvollziehbar erscheinen.

Drittanbieter können zusätzlich ins Spiel kommen

Ein weiteres Thema der Untersuchung sind Komponenten externer Anbieter.

Viele Apps greifen auf sogenannte Software Development Kits und andere technische Dienste zurück. Solche Komponenten können beispielsweise zur Analyse der App-Nutzung, Fehlerdiagnose oder Werbung eingesetzt werden.

Damit können neben dem eigentlichen App-Anbieter weitere Unternehmen an Datenverarbeitungsprozessen beteiligt sein.

Gerade bei Anwendungen, die Informationen über Gesundheit, Sexualität oder Kinderwunsch verarbeiten, verdient diese technische Infrastruktur besondere Aufmerksamkeit.

Nach der Untersuchung fielen Read Your Body, Clue, Lady Cycle und Ada hinsichtlich des weitgehenden Verzichts auf Werbe-Tracking positiv auf.

Besonders Lady Cycle erhielt für einen sparsamen Umgang mit Tracking-Technologien eine positive Bewertung.

Datenübertragung möglicherweise schon vor Zustimmung

Ein weiterer Befund ist aus Verbrauchersicht besonders interessant.

Nach Darstellung der Tester können bei mehreren Apps bereits Daten an externe Dienste übertragen werden, bevor die Nutzerin die Datenschutzerklärung beziehungsweise entsprechende Datenschutzinformationen bestätigt hat.

Die Tester sehen darin bei einzelnen Anwendungen möglicherweise ein datenschutzrechtliches Problem.

Ob in einem konkreten Fall tatsächlich ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung oder andere Datenschutzvorschriften vorliegt, lässt sich aus diesem technischen Befund allein jedoch nicht abschließend feststellen. Dafür wären unter anderem die konkret übertragenen Daten, die jeweilige Rechtsgrundlage und die genaue technische sowie rechtliche Gestaltung zu prüfen.

Warum Zyklusdaten besonders sensibel sind

Bei einer gewöhnlichen App können Tracking-Daten bereits viel über einen Menschen verraten. Bei einer Anwendung zur Frauengesundheit kommt eine weitere Dimension hinzu.

Aus den freiwillig eingegebenen Informationen können sich beispielsweise Hinweise auf Menstruationszyklen, Schwangerschaftswünsche, Verhütungsmethoden, Sexualleben oder gesundheitliche Beschwerden ergeben.

Die Kombination verschiedener Angaben kann deshalb ein sehr detailliertes persönliches Profil entstehen lassen.

Umso wichtiger ist die Frage, ob sämtliche abgefragten Informationen tatsächlich für die gewünschte Funktion benötigt werden.

Nicht jede Datenerhebung ist automatisch problematisch

Bei der Bewertung sollte allerdings zwischen notwendiger Datenverarbeitung und zusätzlichem Tracking unterschieden werden.

Eine Zyklus-App kann bestimmte Informationen benötigen, um überhaupt Prognosen zu Menstruation oder fruchtbaren Tagen erstellen zu können.

Problematischer kann es aus Verbrauchersicht werden, wenn darüber hinaus Informationen für Werbung, Nutzungsanalyse oder andere Zwecke verarbeitet werden, die für die eigentliche Gesundheitsfunktion nicht erforderlich erscheinen.

Deshalb reicht die Frage „Sammelt diese App Daten?“ für eine seriöse Bewertung nicht aus.

Entscheidend ist vielmehr: Welche Daten werden erhoben, wofür werden sie verwendet, wie lange werden sie gespeichert und erhalten Dritte Zugriff darauf?

Vor der Nutzung Berechtigungen kontrollieren

Verbraucherinnen können das Risiko zumindest teilweise reduzieren.

Vor der Nutzung einer Zyklus-App lohnt sich ein Blick auf die verlangten Berechtigungen. Insbesondere Zugriffe auf Standort, Kontakte, Mikrofon oder andere Smartphone-Funktionen sollten hinterfragt werden, wenn dafür keine nachvollziehbare Funktion erkennbar ist.

Auch die Datenschutzeinstellungen innerhalb der App verdienen Aufmerksamkeit.

Wer lediglich seinen Zyklus dokumentieren möchte, muss möglicherweise nicht sämtliche optionalen Angaben zu Sexualleben, Stimmung, Beschwerden oder Kinderwunsch hinterlegen.

Grundsätzlich gilt: Informationen, die nicht gespeichert werden, können später auch nicht aus einem Benutzerkonto oder einer entsprechenden Datenbank abfließen.

Komfort gegen Datenschutz abwägen

Die Untersuchung bedeutet nicht, dass Nutzerinnen generell auf Zyklus-Apps verzichten sollten.

Sie zeigt vielmehr einen klassischen Zielkonflikt digitaler Gesundheitsangebote: Je mehr Informationen eine Anwendung erhält, desto individueller können bestimmte Funktionen werden. Gleichzeitig wächst die Menge besonders persönlicher Daten, die geschützt werden muss.

Bei Frauengesundheits-Apps ist diese Abwägung besonders relevant, weil die gespeicherten Informationen sehr weit in die Intimsphäre reichen können.

Nutzerinnen sollten deshalb nicht nur darauf achten, wie genau eine Zyklus-App den nächsten Periodenbeginn prognostiziert. Ebenso wichtig ist die Frage, was im Hintergrund mit den eingegebenen Informationen geschieht.

Die Untersuchung von 17 Android-Apps zeigt jedenfalls: Tracking- und Analyse-Technologien sind bei solchen Anwendungen keine Ausnahme. Gerade bei besonders intimen Daten lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Berechtigungen, Datenschutzeinstellungen und die tatsächlich benötigten Angaben.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Schlag gegen mutmaßliche Autoschieber-Bande: Neun Festnahmen in Polen – mehr als 70 Autodiebstähle und über drei Millionen Euro Schaden?

Next Post

Österreich Anleger und Verbraucherreport September 2026