Der September 2026 bringt Anlegern eine erstaunlich breite Palette neuer Investmentangebote. Wer eher defensiv investieren möchte, findet in der Schweiz Unternehmensanleihen mit Kupons von teilweise weniger als einem Prozent. Wer bereit ist, deutlich höhere Risiken einzugehen, bekommt in Deutschland und Österreich dagegen Zinssätze von sieben, acht, neun oder sogar 9,875 Prozent pro Jahr angeboten. Dazwischen liegen neue Genussrechte, Solar-Crowdinvestments, Rohstofffonds, Aktien- und Renten-ETFs sowie eine neue Generation sogenannter ELTIFs, die Privatanlegern den Zugang zu Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und nicht börsennotierten Immobilien ermöglichen sollen.
Das Verbraucherschutzforum Berlin hat deshalb neue beziehungsweise seit dem 1. September 2026 angekündigte Investmentmöglichkeiten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg untersucht. Dabei fällt vor allem eines auf: Je attraktiver der beworbene Zinssatz wird, desto genauer sollten Anleger nach dem Grund dafür fragen. Neun Prozent Zinsen sind kein Geschenk. 9,875 Prozent ebenfalls nicht. Und ein nachrangiges Investment mit sieben oder neun Prozent Verzinsung ist etwas völlig anderes als eine börsengehandelte Unternehmensanleihe eines etablierten Schweizer Energieversorgers mit 1,25 Prozent Kupon.
Ein interessantes neues Angebot kommt aus Deutschland von der AGRAVIS Raiffeisen AG. Das Unternehmen hat Anfang September angekündigt, Ende 2026 erneut Genussscheine auszugeben. Geplant ist ein Gesamtvolumen von bis zu 40 Millionen Euro. Jeder Genussschein soll einen Nennwert von 1.000 Euro haben, die Mindestanlage beträgt 2.000 Euro. Vorgesehen sind eine Laufzeit von fünfeinhalb Jahren und eine jährliche Verzinsung von 4,6 Prozent. Die Zeichnungsphase soll voraussichtlich vom 2. bis spätestens 20. November 2026 laufen. AGRAVIS erklärt, dass die Mittel der allgemeinen Unternehmensfinanzierung und der Stabilisierung der Eigenkapitalausstattung dienen sollen. Zugleich handelt es sich um eine Ersatzfinanzierung für bestehende Genussrechte, die im Dezember 2026 zurückgezahlt werden sollen.
Unsere Risikoeinschätzung fällt hier zunächst vorsichtig aus. Genussrechte sind grundsätzlich komplexer als gewöhnliche Unternehmensanleihen. Entscheidend sind insbesondere Rang, Verlustteilnahme, Kündigungsrechte und die Bedingungen der Rückzahlung. Genau diese Details lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beurteilen, weil der vollständige Wertpapierprospekt erst nach Billigung durch die BaFin veröffentlicht werden soll. Aufgrund der Produktstruktur sehen wir zunächst ein erhöhtes Risiko. Die Unternehmensgröße und vorhandene Eigenkapitalbasis sind positiv, entscheidend wird aber sein, welche konkreten Rechte Anleger tatsächlich erhalten und wie stark das Genusskapital im Krisenfall Verluste mitträgt.
Deutlich riskanter erscheint das neue Angebot „Wattner Solarkraftwerk Zahna“. Das seit dem 9. September 2026 angebotene Crowdinvestment finanziert einen bereits fertiggestellten Solarpark in Sachsen-Anhalt mit rund 41 Megawattpeak Leistung und mehr als 67.000 Solarmodulen. Anleger können ab 500 Euro investieren. Angeboten werden Laufzeiten von zehn beziehungsweise 15 Jahren. Der Basiszins beträgt fünf Prozent jährlich, hinzu kommen je nach Variante Frühzeichner- oder Regionalboni.
Dass der Solarpark bereits gebaut ist und Strom produziert, ist zweifellos ein Vorteil. Das klassische Entwicklungs- und Errichtungsrisiko eines erst noch zu realisierenden Projektes entfällt damit weitgehend. Das ändert jedoch nichts an der rechtlichen Struktur des Investments. Anleger gewähren der Projektgesellschaft ein Nachrangdarlehen mit vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre. Genau darin liegt das zentrale Risiko. Im wirtschaftlichen Krisenfall können andere Gläubiger vor den Anlegern bedient werden. Zusätzlich bindet sich der Anleger für zehn beziehungsweise 15 Jahre. Trotz des vorhandenen Sachwerts stufen wir dieses Investment deshalb als sehr risikoreich ein. Ein produzierender Solarpark macht aus einem Nachrangdarlehen kein sicheres Sparprodukt.
Ebenfalls neu am Markt ist die Anleihe der Katjesgreenfood GmbH & Co. KG. Seit dem 23. September 2026 können Anleger die neue Anleihe zeichnen. Das Zielvolumen beträgt bis zu 40 Millionen Euro. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, die Stückelung 1.000 Euro und der endgültige Kupon soll innerhalb einer Spanne von 7,75 bis 8,50 Prozent festgelegt werden. Das öffentliche Angebot richtet sich unter anderem an Anleger in Deutschland, Österreich und Luxemburg. Der Wertpapierprospekt wurde von der luxemburgischen CSSF gebilligt und nach Deutschland notifiziert.
Interessant ist auch die Refinanzierungsstruktur. Inhaber einer bestehenden Katjes-Anleihe können ihre Papiere gegen die neue Anleihe tauschen. Auch Anleger eines früheren Crowdfunding-Nachrangdarlehens erhalten ein Umtauschangebot. Die neue Anleihe ist nach den veröffentlichten Angaben nicht nachrangig. Das ist gegenüber einem Nachrangdarlehen ein wesentlicher Vorteil. Trotzdem bleibt der Anleger Gläubiger eines einzelnen Unternehmens und trägt dessen Kredit- und Geschäftsrisiko. Ein Kupon von bis zu 8,5 Prozent sollte deshalb nicht als außergewöhnlich großzügige Verzinsung missverstanden werden. Er ist auch Ausdruck eines erheblichen Finanzierungsrisikos. Wir stufen die Katjes-Anleihe deshalb als Anlage mit hohem Risiko ein.
Noch deutlich höher verzinst ist die neue Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH, kurz NZWL. Die Anleihe 2026/2031 bietet einen Kupon von 9,875 Prozent jährlich. Das Volumen beträgt bis zu 15 Millionen Euro, die Stückelung 1.000 Euro und die Laufzeit fünf Jahre. Die Anleihe ist nach Unternehmensangaben nicht nachrangig, allerdings auch nicht besichert. Auch hier gibt es Umtauschmöglichkeiten für bestehende Anleihen.
Bei einem Zinssatz von 9,875 Prozent sollte die erste Frage eines Anlegers nicht lauten, wie viel Rendite sich damit verdienen lässt. Die wesentlich wichtigere Frage lautet, warum ein Unternehmen bereit ist, annähernd zehn Prozent Zinsen zu zahlen, um Kapital einzuwerben. Die Anleihe ist zwar nicht nachrangig, aber unbesichert. Hinzu kommen das konjunkturabhängige Umfeld eines Automobilzulieferers und der bestehende Refinanzierungsbedarf. Unsere Risikoeinschätzung lautet deshalb: sehr hoch.
Neben diesen direkten Unternehmensfinanzierungen sind im September auch verschiedene neue Fonds- und ETF-Produkte auf den Markt gekommen. Dazu gehört der Ampega Systematic Euro Bonds Active UCITS ETF, der überwiegend in auf Euro lautende Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Qualität investiert. Hier besteht kein konzentriertes Ausfallrisiko eines einzelnen Unternehmens. Stattdessen entstehen Zinsänderungs-, Markt- und Kreditrisiken innerhalb eines breit gestreuten Portfolios. Deshalb stufen wir das Risiko deutlich niedriger ein als bei einzelnen Hochzinsanleihen und sehen es im mittleren Bereich.
Ganz anders sieht es bei einem ebenfalls neu gestarteten ETF aus, der gezielt in Unternehmen aus dem Bereich Seltene Erden außerhalb Chinas investiert. Ein solcher Themenfonds ist mit einem breit diversifizierten Welt-ETF nicht vergleichbar. Er konzentriert sich auf einen engen Rohstoff- und Industriesektor und hängt damit stark von politischen Entscheidungen, Rohstoffpreisen, geopolitischen Entwicklungen und der weltweiten Nachfrage ab. Trotz Fondsstruktur stufen wir das Risiko deshalb als hoch ein.
Auch Österreich liefert im September mehrere auffällige Angebote. Seit dem 8. September 2026 bietet die HEROSAN Healthcare GmbH über die Plattform Invesdor eine Unternehmensanleihe mit neun Prozent jährlicher Verzinsung und fünf Jahren Laufzeit an. Schon ab 250 Euro kann investiert werden. Das Unternehmen entwickelt Tiernahrung unter anderem auf Basis von Insektenprotein und Pilzen und will das Kapital für Marketing, E-Commerce, Systeme und Produktentwicklung einsetzen. Die Anleihe ist zwar nicht nachrangig, das Unternehmen befindet sich jedoch weiterhin in einer Wachstumsphase und hat nach den veröffentlichten Informationen noch keine dauerhaft stabile Profitabilität erreicht. Hinzu kommt, dass für die Anleihe kein liquider Sekundärmarkt existiert. Invesdor selbst weist ausdrücklich auf ein sehr hohes Verlustrisiko hin. Unsere Einschätzung fällt entsprechend aus: sehr hohes Risiko.
Ein ungewöhnliches Angebot kommt von der österreichischen You Will Like It Hotels GmbH mit dem Hotelkonzept COOEE alpin. Über CONDA wird eine nachrangige Anleihe angeboten. Anleger können zwischen sieben Prozent jährlicher Verzinsung in Geld oder neun Prozent in Form von Hotelgutscheinen wählen. Die Laufzeit reicht bis Ende November 2031. Das Kapital soll unter anderem für neue beziehungsweise auszubauende Hotelstandorte eingesetzt werden.
Die hohe Verzinsung sollte hier nicht vom entscheidenden Punkt ablenken: Es handelt sich um eine nachrangige Anleihe. Im Insolvenz- oder Liquidationsfall stehen Anleger hinter den nicht nachrangigen Gläubigern. Hinzu kommen die Risiken eines Hotel- und Expansionsgeschäfts. Auch die Gutscheinvariante ist nicht mit einer Geldverzinsung gleichzusetzen. Neun Prozent in Hotelgutscheinen sind keine neun Prozent Cashrendite. Wir stufen dieses Angebot als sehr risikoreich ein.
Ebenfalls aus Österreich stammt das Angebot AEP Obernberg. Anleger können dort über Invesdor eine Anleihe mit acht Prozent jährlicher Verzinsung und sieben Jahren Laufzeit erwerben. Hintergrund ist ein bereits bestehender Solarpark, der durch einen Batteriespeicher ergänzt werden soll. Der Solarpark ist bereits in Betrieb, der Speicher soll allerdings erst 2027 fertiggestellt werden. Interessant ist die Finanzierungsstruktur: Die von Anlegern erworbene Anleihe selbst wird als nicht nachrangig bezeichnet. Das eingesammelte Geld wird von der Emittentin jedoch als nachrangiges Darlehen an die Projektgesellschaft weitergegeben. Auf Projektebene stehen außerdem vorrangige Bankfinanzierungen.
Genau solche Konstruktionen zeigen, weshalb Anleger nicht nur die Überschrift eines Produktes lesen dürfen. Rechtlich ist die Anleihe nicht nachrangig, wirtschaftlich hängt ihre Rückzahlung jedoch von einer Projektgesellschaft ab, bei der andere Kapitalgeber Vorrang besitzen. Bau-, Speicher-, Strompreis-, Liquiditäts- und Ausfallrisiken kommen hinzu. Unsere Einstufung lautet deshalb: hohes bis sehr hohes Risiko.
Völlig anders präsentiert sich der Schweizer Markt. Dort wurden im September klassische Unternehmensanleihen mit deutlich niedrigeren Kupons platziert. Die Vaudoise Versicherungen Holding AG hat zwei neue Anleihen über insgesamt 220 Millionen Schweizer Franken begeben. Eine Tranche über 100 Millionen Franken läuft vier Jahre und zahlt 0,90 Prozent, weitere 120 Millionen Franken laufen acht Jahre und zahlen 1,25 Prozent. Beide Anleihen werden an der SIX Swiss Exchange gehandelt.
Auch eine Unternehmensanleihe eines etablierten Versicherers ist nicht risikolos. Es bestehen Emittenten-, Kurs- und Zinsänderungsrisiken. Im Vergleich zu Mittelstands- oder Crowdinvestments mit acht oder neun Prozent Verzinsung bewegen sich solche Papiere jedoch in einer deutlich niedrigeren Risikoklasse. Wir stufen das Risiko deshalb als niedrig bis mittel ein.
Ähnlich sieht es bei der Schweizer BKW AG aus. Der Energiekonzern hat eine neue Anleihe über 200 Millionen Schweizer Franken mit einer Laufzeit von sechseinhalb Jahren und einem Kupon von 1,25 Prozent platziert. Auch hier sehen wir ein niedriges bis mittleres Risiko. Gerade der Vergleich mit einer NZWL-Anleihe mit 9,875 Prozent zeigt sehr deutlich, dass Zinshöhen nicht zufällig entstehen. 1,25 Prozent und 9,875 Prozent spiegeln völlig unterschiedliche Einschätzungen von Kreditwürdigkeit, Kapitalbedarf und Risiko wider.
Auch die Cham Swiss Properties AG hat im September eine neue Anleihe über 100 Millionen Schweizer Franken platziert. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, der Kupon 1,6 Prozent. Das Kapital soll unter anderem in Entwicklungsprojekte und Bauvorhaben fließen sowie zur Rückzahlung kurzfristiger Kredite eingesetzt werden. Die Anleihe ist nicht besichert. Wegen der Abhängigkeit vom Immobilienmarkt und von Projektentwicklungen sehen wir hier ein höheres Risiko als bei den genannten Versicherungs- und Energieanleihen, insgesamt aber weiterhin deutlich weniger Risiko als bei den Hochzinsprodukten aus Deutschland und Österreich. Unsere Einstufung lautet daher: mittel.
Auch auf der Fondsseite gibt es in der Schweiz eine Neuheit. Die Walliser Kantonalbank hat am 1. September 2026 den WKB Flex Pension 95 lanciert. Der Fonds investiert grundsätzlich zu rund 95 Prozent in Aktien und nur zu einem kleinen Teil in Liquidität. Damit entsteht kein klassisches Kreditrisiko wie bei einer Unternehmensanleihe, dafür aber ein erhebliches Aktienmarktrisiko. Ein Fonds mit 95 Prozent Aktien kann in schweren Börsenphasen deutliche Verluste erleiden. Durch die breite Streuung wird das Einzelunternehmensrisiko reduziert. Wir stufen das Risiko deshalb als erhöht bis hoch ein.
In Liechtenstein wurde zum 1. September eine neue Privatanleger-Anteilsklasse des Incrementum Active Commodity Fund aufgelegt. Der Fonds selbst existiert bereits länger, neu ist die EUR-P-Anteilsklasse ohne Mindestanlage. Der Fonds investiert schwerpunktmäßig in Unternehmen aus dem Rohstoffsektor. Rohstoffproduzenten können stark zyklisch reagieren. Gold, Industriemetalle, Energie und andere Rohstoffmärkte hängen von Weltkonjunktur, Währungen, politischen Entscheidungen und Förderkosten ab. Hinzu kommen Verwaltungs- und Performancegebühren. Unsere Einschätzung lautet deshalb: hohes Risiko.
Gerade beim Finanzplatz Liechtenstein sollten Anleger derzeit außerdem besonders sorgfältig überprüfen, ob ein vermeintlicher Investmentanbieter tatsächlich existiert. Die liechtensteinische Finanzmarktaufsicht hat im September mehrfach vor sogenannten Klonfirmen gewarnt, die Namen und Daten real existierender Gesellschaften verwenden, ohne mit diesen verbunden zu sein. Eine Liechtensteiner Adresse oder ein bekannter Unternehmensname auf einer Internetseite ist daher noch kein Beweis für Seriosität. Vor einer Überweisung sollte immer geprüft werden, ob Anbieter, Domain und aufsichtsrechtlicher Status tatsächlich zusammenpassen.
Auch Luxemburg entwickelt sich zunehmend zu einem Standort für Anlagen, die bislang überwiegend professionellen Investoren vorbehalten waren. Ein Beispiel ist der im September gestartete Makers Fund von MIMCO. Der Fonds ist als ELTIF 2.0 strukturiert und richtet sich ausdrücklich auch an Privatanleger. Eine Beteiligung soll bereits ab 1.000 Euro möglich sein. Investiert wird in europäische Immobilien. Vermarktet wird ein angestrebter interner Zinsfuß von zehn Prozent jährlich über acht Jahre sowie eine Zielausschüttung von sechs Prozent. Beide Werte sind ausdrücklich nicht garantiert.
Die Attraktivität solcher Zahlen darf nicht über die Produktstruktur hinwegtäuschen. Anleger investieren langfristig in nicht börsentäglich liquide Immobilien. Die Rückgabemöglichkeiten sind eingeschränkt und zunächst gilt eine mehrjährige Sperrfrist. Zusätzlich können Fremdfinanzierung, Immobilienmarktentwicklung und Bewertung der Objekte die Rendite beeinflussen. Der offiziell angegebene Risikoindikator mag moderater erscheinen, aus Sicht einer verbraucherorientierten Betrachtung stufen wir ein solches Investment dennoch als hochriskant ein.
Ein weiteres Luxemburger Produkt ist der LBBW Private Markets Select. Dieser ELTIF investiert über Zielfonds in Private Debt, Infrastruktur, Private Equity und Venture Capital. Nach Abschluss der Aufbauphase sollen mindestens 15 Zielfonds und mehr als 500 zugrunde liegende Einzelinvestments enthalten sein. Das Produkt richtet sich auch an Privatanleger und soll über die BW-Bank und Sparkassen vertrieben werden. Die Mindestanlage beträgt 5.000 Euro, die empfohlene Haltedauer liegt bei mehr als zehn Jahren.
Die breite Diversifikation ist positiv. Gleichzeitig investieren Anleger in Märkte, in denen Vermögenswerte nicht täglich transparent an einer Börse bewertet werden. Rückgaben können eingeschränkt sein, Bewertungen teilweise modellbasiert erfolgen und durch die Dachfondsstruktur entstehen mehrere Kostenebenen. Deshalb sehen wir trotz der geplanten Streuung ein hohes Risiko.
Noch spezieller ist der ebenfalls in Luxemburg aufgelegte Seahawk Maritime Credit Fund. Das Produkt vergibt private, durch Vermögenswerte besicherte Kredite an Unternehmen im internationalen Schifffahrtssektor. Der Fonds ist als RAIF strukturiert und richtet sich damit nicht an den klassischen Kleinanleger, sondern an sogenannte sachkundige beziehungsweise professionelle Anleger. Schiffsfinanzierungen sind stark zyklisch. Charterraten, Schiffsverkaufswerte, Weltwirtschaft, Handelsströme und Finanzierungskosten können erheblich schwanken. Besicherungen können Risiken reduzieren, sie beseitigen aber weder Ausfall- noch Bewertungs- oder Liquiditätsrisiken. Unsere Einschätzung lautet deshalb: hoch bis sehr hoch.
Der Vergleich all dieser Angebote zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich Produkte sein können, obwohl überall mit dem Begriff Investment gearbeitet wird. Wer eine BKW-Anleihe mit 1,25 Prozent kauft, übernimmt ein völlig anderes Risiko als jemand, der einer Hotelgesellschaft über eine nachrangige Anleihe sieben Prozent gegen Bargeld beziehungsweise neun Prozent in Gutscheinen leiht. Wer über Wattner ein Nachrangdarlehen finanziert, besitzt keine Solarmodule. Wer den HEROSAN-Bond kauft, wird nicht Gesellschafter des Unternehmens. Wer in einen Immobilien-ELTIF investiert, kauft keine einzelne Immobilie. Und wer einen Private-Markets-Fonds erwirbt, besitzt keine börsentäglich handelbaren Beteiligungen.
Besonders kritisch sehen wir Konstruktionen mit Nachrang. Bei einem gewöhnlichen Darlehen oder einer normalen Anleihe ist der Anleger Gläubiger. Beim Nachrang verändert sich diese Position erheblich, weil andere Gläubiger im Krisenfall vor ihm stehen können. Genau deshalb sind Produkte wie das Wattner-Nachrangdarlehen oder die nachrangige COOEE-Anleihe wesentlich riskanter, als es der reine Zinssatz vermuten lässt. Ein Sachwert im Hintergrund ändert daran grundsätzlich nichts. Ein Solarpark macht aus einem Nachrangdarlehen kein Sparbuch und ein Hotel macht aus einer nachrangigen Anleihe kein Immobilieneigentum des Anlegers.
Ähnlich kritisch sollte man hohe Zinsen betrachten. Die NZWL-Anleihe mit 9,875 Prozent ist dafür ein gutes Beispiel. Solche Zinsen können attraktiv erscheinen, sie haben aber einen ökonomischen Grund. Kapitalgeber verlangen normalerweise dann eine höhere Rendite, wenn sie ein höheres Risiko übernehmen. Die richtige Reaktion auf einen Kupon von fast zehn Prozent lautet deshalb nicht: „Wie viel verdiene ich damit?“, sondern: „Welches Risiko werde ich dafür bezahlt zu übernehmen?“ Genau diese Frage gilt auch bei neun Prozent für HEROSAN, acht Prozent bei AEP oder den hohen Kupons bei Katjes.
Fonds können Risiken breiter verteilen, aber nicht abschaffen. Ein weltweit diversifizierter Aktienfonds besitzt ein völlig anderes Profil als ein Seltene-Erden-Themenfonds. Ein Investment-Grade-Anleihe-ETF unterscheidet sich fundamental von einem Immobilien-ELTIF. Und ein Private-Markets-Dachfonds mit Hunderten Beteiligungen kann zwar Konzentrationsrisiken reduzieren, dafür entstehen andere Risiken durch eingeschränkte Liquidität, Bewertungsmethoden, Kosten und langfristige Kapitalbindung.
Der September 2026 ist damit fast ein Lehrbuch dafür, wie eng Rendite und Risiko miteinander verbunden sind. Auf der einen Seite stehen Schweizer Unternehmensanleihen etablierter Emittenten mit Kupons von 0,90 bis 1,60 Prozent. Auf der anderen Seite stehen Mittelstands-, Projekt- und Crowdinvestments mit sieben, acht, neun oder 9,875 Prozent. Dazwischen liegen Fondsprodukte, Genussrechte und Private-Markets-Anlagen mit wiederum völlig anderen Risikostrukturen.
Aus Verbraucherschutzsicht sollte besonders genau hingesehen werden, wenn mehrere Risikofaktoren gleichzeitig zusammentreffen: Nachrang, fehlende Besicherung, sehr hohe Verzinsung, lange Laufzeit, fehlender Sekundärmarkt, Projektentwicklungsrisiken oder starke Abhängigkeit von zukünftigen Wachstumsplänen. Das bedeutet nicht, dass solche Anlagen zwangsläufig scheitern. Es bedeutet aber, dass Anleger für die versprochene Renditechance ein reales Verlustrisiko übernehmen.
Unsere Recherche zeigt deshalb vor allem eines: Nicht der höchste Zinssatz sollte darüber entscheiden, ob ein Investment attraktiv erscheint. Entscheidend ist, an welcher Stelle der Anleger steht, wenn die wirtschaftliche Planung nicht aufgeht. Bei einem Genussrecht sollten Anleger die Genussrechtsbedingungen prüfen, bei einem Nachrangdarlehen den Rangrücktritt, bei einer Anleihe Bilanz, Verschuldung, Besicherung und Refinanzierungsbedarf und bei einem Fonds insbesondere Strategie, Kosten, Liquidität und tatsächliche Vermögenswerte. Bei ELTIFs kommt der langfristigen Kapitalbindung und den Rückgabemöglichkeiten besondere Bedeutung zu.
Das Verbraucherschutzforum Berlin wird die aktuellen Emissionen weiter beobachten. Besonders interessant wird sein, welche konkreten Bedingungen der endgültige AGRAVIS-Prospekt enthält, zu welchem Kupon die Katjes-Anleihe tatsächlich platziert wird und wie erfolgreich die verschiedenen Crowdinvestments Kapital einsammeln.
Stand der Recherche ist der 28. September 2026.