Wenn ein Formel-1-Team seine Renn-Mail schon mit „Ein Tag zum Vergessen“ überschreibt, ist ziemlich klar: Da lief ungefähr so viel nach Plan wie bei einem Boxenstopp mit verbundenen Augen.
McLaren erlebte beim Großen Preis von Aserbaidschan in Baku jedenfalls einen Sonntag zum Einrahmen – allerdings nur, wenn man schlechte Erinnerungen sammelt.
Oscar Piastri wurde 14. und durfte sich die Punkte aus sicherer Entfernung anschauen. Noch schlechter erwischte es Weltmeister Lando Norris. Nach einer Safety-Car-Phase war für ihn in Runde 35 Schluss.
Der Grund: Franco Colapinto fuhr in Kurve eins seinem Alpine-Teamkollegen Pierre Gasly ins Auto. Gasly wiederum wurde anschließend in Norris geschoben. Ergebnis: drei Fahrer raus, jede Menge Carbon auf der Strecke und vermutlich drei sehr unterschiedliche Gespräche mit den jeweiligen Teamchefs.
Norris war danach ungefähr so entspannt wie ein Mechaniker, der gerade bemerkt hat, dass noch ein Rad in der Garage liegt.
„Ich wurde rausgedrängt. Von Fahrern, die nicht in der Formel 1 sein sollten“, schimpfte der Brite nach dem Rennen.
Und weil ihm das noch nicht deutlich genug war, legte er gleich nach: Die FIA solle ein solches Verhalten bestrafen – am besten gleich mit einer Rennsperre.
Max Verstappen sah die Sache deutlich gelassener. Sinngemäß: Fehler passieren, Colapinto habe sich entschuldigt – und eine Sperre sei vielleicht doch etwas viel Holz für einen misslungenen Sonntag.
Auch Baku-Sieger George Russell wollte nicht sofort die motorsportliche Guillotine aufbauen. Für ihn war es ein kleiner Fehler mit ziemlich großen Folgen. Rennsperren seien eher etwas für Aktionen, bei denen jemand absichtlich besonders gefährlich unterwegs sei.
Die FIA entschied sich schließlich für die Variante zwischen „gar nichts“ und „Hausarrest bis Saisonende“: Colapinto bekam zehn Sekunden Strafe. Weil ihm das nach seinem Ausfall eher wenig wehtut, wird daraus beim nächsten Rennen in Malaysia eine Rückversetzung um fünf Startplätze.
Für Norris ist die Lage in der Weltmeisterschaft inzwischen ohnehin ziemlich düster. Er liegt 116 Punkte hinter Spitzenreiter Kimi Antonelli. Die Titelverteidigung ist damit ungefähr so realistisch wie ein Formel-1-Wochenende ohne Teamfunk-Drama.
Und als wäre der Crash nicht schon genug, ging anschließend auch online die nächste Runde los. Fans von Colapinto reagierten teils heftig auf Norris’ Aussagen.
Unterm Strich war Baku für McLaren also ein Komplettpaket: keine Punkte für Piastri, kein Ziel für Norris, Streit nach dem Rennen und Ärger im Internet.
Oder anders gesagt: Der einzige McLaren, der an diesem Sonntag problemlos durchkam, war vermutlich der Team-Laptop.