Der Jahresabschluss 2024 der GÖPA Windpark Dithmarschen GmbH & Co. Kommanditgesellschaft aus Friedrichskoog zeigt eine deutlich geschrumpfte Bilanz. Das Anlagevermögen geht um mehr als 1,3 Millionen Euro zurück, die Bankguthaben fallen von rund 651.000 auf knapp 225.000 Euro und auch die bilanzierten Verbindlichkeiten reduzieren sich erheblich. Gleichzeitig enthält der veröffentlichte Abschluss allerdings eine bemerkenswerte Unstimmigkeit: Während in der Bilanz Verbindlichkeiten von rund 4,79 Millionen Euro ausgewiesen werden, nennt der Verbindlichkeitenspiegel im Anhang für denselben Stichtag rund 5,25 Millionen Euro.
Zum 31. Dezember 2024 weist die Gesellschaft eine Bilanzsumme von 6.512.136,06 Euro aus. Ein Jahr zuvor waren es noch 8.623.794,42 Euro. Die Bilanzsumme hat sich damit innerhalb eines Jahres um rund 2,11 Millionen Euro beziehungsweise 24,5 Prozent verringert.
Einen wesentlichen Anteil daran hat die Entwicklung des Anlagevermögens. Dieses sank von 6.887.796,67 Euro auf 5.543.672,67 Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 1,34 Millionen Euro.
Den größten Teil bilden weiterhin die Sachanlagen. Ihr Buchwert verringerte sich von 6.681.612 Euro auf 5.364.349 Euro. Das sind rund 1,32 Millionen Euro weniger als ein Jahr zuvor. Hinzu kommen immaterielle Vermögensgegenstände von 105.963 Euro und Finanzanlagen von 73.360,67 Euro.
Der Abschluss erläutert, dass Vermögensgegenstände mit zeitlich begrenzter Nutzungsdauer planmäßig abgeschrieben werden. Aus den vorliegenden Angaben lässt sich jedoch nicht bestimmen, in welchem Umfang der Rückgang des Anlagevermögens ausschließlich auf Abschreibungen oder gegebenenfalls auf weitere Veränderungen zurückzuführen ist. Auch über den aktuellen Marktwert der Windenergieanlagen sagt der bilanzielle Buchwert nichts Verlässliches aus.
Deutlich geschrumpft ist ebenfalls das Umlaufvermögen. Ende 2023 standen hier noch 1.734.739,75 Euro in der Bilanz. Ende 2024 waren es nur noch 968.463,39 Euro.
Besonders auffällig ist der Rückgang der liquiden Mittel. Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten verminderten sich von 651.331,94 Euro auf nur noch 224.835,39 Euro. Innerhalb eines Jahres gingen die verfügbaren Geldmittel damit um rund 426.497 Euro beziehungsweise 65,5 Prozent zurück.
Auch die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände nahmen erheblich ab. Sie reduzierten sich von 1.083.407,81 Euro auf 743.628 Euro. Davon besitzen lediglich 7.846,23 Euro eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.
Auf der Passivseite blieb das ausgewiesene Eigenkapital mit 1.508.311,05 Euro unverändert. Die Kapitalanteile der Kommanditisten werden mit 1.717.940,72 Euro angegeben. Dem stehen nicht eingeforderte ausstehende Einlagen der Kommanditisten von 209.629,67 Euro gegenüber, sodass sich ein eingefordertes Kapital von 1.508.311,05 Euro ergibt.
Bei einer Bilanzsumme von rund 6,51 Millionen Euro entspricht das ausgewiesene Eigenkapital rechnerisch einer Eigenkapitalquote von rund 23,2 Prozent. Im Vorjahr waren es aufgrund der höheren Bilanzsumme nur rund 17,5 Prozent. Die rechnerische Eigenkapitalquote hat sich damit deutlich verbessert, obwohl der absolute Eigenkapitalbetrag unverändert blieb.
Auffällig ist allerdings eine kleine Abweichung innerhalb der Angaben zum Kapital. In der Bilanz werden Kapitalanteile der Kommanditisten von 1.717.940,72 Euro genannt. Im Anhang heißt es dagegen, das „Stammkapital“ betrage 1.717.904,72 Euro. Zwischen beiden Angaben besteht eine Differenz von 36 Euro. Aus den vorgelegten Unterlagen lässt sich nicht erkennen, welche Angabe zutreffend ist.
Deutlich zurückgegangen sind außerdem die Rückstellungen. Sie sanken von 486.371,29 Euro Ende 2023 auf 213.543 Euro Ende 2024. Das entspricht einem Rückgang um rund 272.828 Euro beziehungsweise 56,1 Prozent.
Nach Angaben des Anhangs enthalten die sonstigen Rückstellungen im Wesentlichen Verpflichtungen für Rückbaukosten, die Aufbewahrung von Unterlagen sowie Abschluss- und Prüfungskosten. Eine konkrete Aufteilung dieser 213.543 Euro auf die einzelnen Positionen wird allerdings nicht genannt.
Noch stärker ins Gewicht fallen die Verbindlichkeiten. Nach der Bilanz gingen diese von 6.629.112,08 Euro auf 4.790.282,01 Euro zurück. Das wäre ein Rückgang um rund 1,84 Millionen Euro beziehungsweise 27,7 Prozent innerhalb eines Jahres.
Gerade an dieser Stelle enthält der Jahresabschluss jedoch eine erhebliche Unstimmigkeit.
Im Verbindlichkeitenspiegel des Anhangs wird für den 31. Dezember 2024 nicht der Bilanzbetrag von 4.790.282,01 Euro genannt. Dort werden die Verbindlichkeiten stattdessen mit
5.254.667,09 Euro
angegeben.
Die Differenz beträgt exakt 464.385,08 Euro.
Aus den vorliegenden Unterlagen geht nicht hervor, wodurch diese Abweichung zwischen Bilanz und Verbindlichkeitenspiegel verursacht wird. Ohne weitere Erläuterung der Gesellschaft sollte deshalb nicht angenommen werden, welcher der beiden Beträge maßgeblich ist.
Bemerkenswert ist die Differenz auch deshalb, weil der Verbindlichkeitenspiegel detaillierte Angaben zur Fälligkeit enthält. Danach sollen von den dort ausgewiesenen 5.254.667,09 Euro insgesamt 5.253.274,37 Euro innerhalb eines Jahres fällig sein. Lediglich 1.392,72 Euro werden mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr angegeben. Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren werden mit null Euro ausgewiesen.
Sollten diese Angaben zutreffen, wäre damit praktisch der gesamte im Verbindlichkeitenspiegel genannte Betrag kurzfristiger Natur.
Im Vorjahr sah die Fristenstruktur noch anders aus. Von insgesamt 6.629.112,08 Euro Verbindlichkeiten waren 6.238.014,08 Euro innerhalb eines Jahres und 391.098 Euro nach mehr als einem Jahr fällig.
Gerade deshalb wäre eine Erklärung der Gesellschaft zur Differenz zwischen Bilanz und Anhang von besonderem Interesse.
Die liquiden Mittel von lediglich rund 224.835 Euro fallen im Vergleich zu den im Verbindlichkeitenspiegel genannten kurzfristigen Verpflichtungen von rund 5,25 Millionen Euro deutlich geringer aus. Eine solche Gegenüberstellung darf allerdings nicht als alleiniger Maßstab für die Zahlungsfähigkeit verwendet werden.
Zum Umlaufvermögen gehören zusätzlich Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von rund 743.628 Euro. Darüber hinaus fehlen in den vorliegenden Daten Angaben über die laufenden Einnahmen, konkrete Zahlungstermine, mögliche Anschlussfinanzierungen oder andere für die Liquiditätsbeurteilung relevante Faktoren.
Eine Zahlungsunfähigkeit lässt sich deshalb aus dem veröffentlichten Zahlenwerk nicht ableiten.
Interessant ist auch, dass nach Angaben des Anhangs keine sonstigen finanziellen Verpflichtungen bestehen, die nicht bereits in der Bilanz ausgewiesen oder vermerkt sind und für die Beurteilung der Finanzlage von Bedeutung wären.
Auch Haftungsverhältnisse aus Wechseln, Bürgschaften oder Gewährleistungsverträgen werden jeweils mit null Euro angegeben.
Die Gesellschaft beschäftigte im Geschäftsjahr durchschnittlich keine Arbeitnehmer. Als Geschäftsführer der persönlich haftenden Gesellschafterin wird Till Hermjakob genannt.
Nach Abschluss des Geschäftsjahres 2024 sind laut Nachtragsbericht keine Vorgänge von besonderer Bedeutung eingetreten.
Für die Beurteilung der Ertragslage bleibt der veröffentlichte Datenausschnitt dagegen begrenzt. Zwar heißt es ausdrücklich, dass der Jahresabschluss auch eine Gewinn- und Verlustrechnung umfasst und diese nach dem Gesamtkostenverfahren erstellt wurde. Die konkreten Zahlen dieser Gewinn- und Verlustrechnung sind in den vorliegenden Angaben jedoch nicht enthalten.
Im Anhang wird lediglich angegeben, dass weder außergewöhnliche sonstige betriebliche Erträge noch außergewöhnliche sonstige betriebliche Aufwendungen vorhanden waren.
Damit lässt sich anhand des vorliegenden Materials nicht feststellen, wie hoch die Umsatzerlöse des Windparks 2024 waren, welches Ergebnis erzielt wurde oder wie hoch Abschreibungen, Zinsbelastungen und laufende Betriebskosten ausfielen.
Auch der in der Bilanz ausgewiesene Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust von null Euro sollte deshalb nicht einfach mit einem Jahresergebnis von null Euro gleichgesetzt werden.
Unter dem Strich zeigt der Jahresabschluss eine Gesellschaft, deren Bilanz sich 2024 erheblich verkleinert hat. Die Bilanzsumme sank um rund 24,5 Prozent auf 6,51 Millionen Euro. Das Anlagevermögen ging auf 5,54 Millionen Euro zurück, das Umlaufvermögen auf rund 968.000 Euro und die liquiden Mittel auf lediglich rund 225.000 Euro.
Gleichzeitig verbesserte sich die rechnerische Eigenkapitalquote auf rund 23,2 Prozent, weil das Eigenkapital mit 1,51 Millionen Euro konstant blieb, während die Bilanzsumme deutlich zurückging.
Der interessanteste Punkt des Abschlusses ist allerdings die nicht erklärte Differenz bei den Verbindlichkeiten.
Die Bilanz nennt 4.790.282,01 Euro. Der Verbindlichkeitenspiegel nennt dagegen 5.254.667,09 Euro.
Das sind 464.385,08 Euro Unterschied.
Hinzu kommt eine weitere, wenn auch wesentlich kleinere Abweichung bei den Kapitalangaben von 36 Euro.
Beide Unterschiede lassen sich aus den veröffentlichten Angaben nicht auflösen. Gerade bei der wesentlich größeren Differenz der Verbindlichkeiten wäre deshalb eine Stellungnahme der Geschäftsführung sinnvoll.