Der I-AM ETFs-Portfolio Select hat im Geschäftsjahr vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 eine insgesamt starke Wertentwicklung erzielt. Die Anteilklasse EUR (t) legte um 17,09 %, die EUR-P1-Klasse um 17,29 % und die CZK-Klasse sogar um 18,23 % zu. Gleichzeitig lag die Jahresvolatilität bei rund 11,1 %. Damit steht einer zweistelligen Rendite ein für einen aktienorientierten Mischfonds noch moderates Schwankungsniveau gegenüber.
Das gute Ergebnis wurde durch ein freundliches Kapitalmarktumfeld und eine weiterhin hohe Aktienquote unterstützt. Zum Bilanzstichtag bestanden 75,17 % des Fondsvermögens aus Aktienfonds, weitere 8,22 % aus Rentenfonds sowie 13,72 % aus Geldmarkt- beziehungsweise geldmarktnahen Fonds. Hinzu kamen Bankguthaben von 4,58 %. Insgesamt belief sich das Fondsvermögen auf 62,94 Mio. Euro. Zu den größten Einzelpositionen gehörten unter anderem der Franklin S&P 500 Paris Aligned Climate UCITS ETF mit 10,30 %, der JPMorgan Global Research Enhanced Index Equity ESG und der iShares MSCI World Value Factor ESG mit jeweils rund 9,56 % sowie der Invesco Global Active ESG Equity UCITS ETF mit 9,41 %. Damit ist das Portfolio zwar regional und thematisch breit aufgestellt, besitzt jedoch eine klare Abhängigkeit von den internationalen Aktienmärkten.
Positiv ist das aktive Risikomanagement hervorzuheben. Der Fonds kann seine Aktienquote flexibel bis auf 100 % erhöhen, bei negativen Marktbedingungen theoretisch aber auch vollständig aus Aktien aussteigen. Im Berichtsjahr blieb er überwiegend investiert, reduzierte jedoch angesichts erhöhter Volatilität gegen Ende des ersten Quartals 2026 seine Aktienquote. Neben regionalen Anlagen in Europa, den USA, Japan und Schwellenländern setzte das Management auf Themen wie künstliche Intelligenz, Big Data, digitale Sicherheit, Finanzwerte und Value-Aktien.
Kosten sind der größte Schwachpunkt
Aus Anlegersicht problematisch ist vor allem die hohe Kostenbelastung. Die TER beträgt 2,31 % für die EUR- und CZK-Klasse beziehungsweise 2,13 % für EUR P1. Darin ist die Performance Fee noch nicht enthalten. Die erfolgsabhängige Vergütung belastete das durchschnittliche Fondsvermögen zusätzlich mit 1,80 %, 1,92 % beziehungsweise 1,79 %. Rein rechnerisch ergibt sich damit für das Berichtsjahr eine Kostenbelastung von rund 4,1 % bis 4,2 %, bevor ein Anleger seine Nettorendite erhält. Hinzu kommt bei einem Neuerwerb laut Anteilklassenübersicht ein möglicher Ausgabeaufschlag von 5,75 %.
Wie erheblich die Gebühren sind, zeigt auch die Ertragsrechnung. In der EUR-Klasse standen ordentlichen Erträgen von lediglich 114.350 Euro Aufwendungen von 917.327 Euro gegenüber. Davon entfielen allein rund 456.600 Euro auf die Verwaltungsvergütung und 422.000 Euro auf die Performance Fee. Der ordentliche Nettoertrag war deshalb mit rund 803.000 Euro negativ. Erst die hohen Gewinne aus Wertpapierverkäufen und die Wertsteigerung der Anlagen führten zu einem positiven Jahresergebnis von 3,77 Mio. Euro. Das macht deutlich, dass der Fonds auf kräftige Kapitalmarktgewinne angewiesen ist, um seine hohe laufende Kostenbasis zu kompensieren.
Gute Wertsteigerung trotz Mittelabflüssen
Bemerkenswert ist außerdem, dass Anleger im Berichtsjahr unter dem Strich Kapital abzogen. Die EUR-Klasse verzeichnete Nettoabflüsse von rund 401.000 Euro, die CZK-Klasse etwa 962.000 Euro und EUR P1 rund 406.000 Euro. Insgesamt entspricht dies Nettoabflüssen von etwa 1,77 Mio. Euro. Dass das Fondsvermögen dennoch deutlich zunahm, ist somit primär der guten Wertentwicklung und nicht neuen Anlegergeldern zuzuschreiben. Für Investoren ist dies ein Punkt, den man beobachten sollte, auch wenn die Abflüsse gemessen am Fondsvolumen noch überschaubar sind.
Der längerfristige Verlauf der Anteilwerte ist grundsätzlich positiv. Der Anteilwert der EUR-Klasse stieg von 64,29 Euro im Mai 2023 auf 87,97 Euro im Mai 2026, während EUR P1 von 65,51 Euro auf 90,14 Euro zulegte. Auch die CZK-Klasse entwickelte sich deutlich positiv. Damit liefert der Fonds über mehrere Jahre hinweg eine überzeugende nominale Wertentwicklung.
Eine Einschränkung bei der Leistungsbeurteilung besteht jedoch darin, dass sich das Management bewusst an keiner Benchmark orientiert. Dadurch lässt sich aus dem Jahresbericht nicht eindeutig feststellen, ob die erzielte Rendite tatsächlich einen Mehrwert gegenüber einem deutlich günstigeren globalen Aktien- oder Multi-Asset-ETF darstellt. Gerade angesichts der hohen Gebühren wäre ein solcher Vergleich für Anleger besonders wichtig.
Risiken und Nachhaltigkeit
Das größte Risiko bleibt aufgrund der hohen Aktienquote das allgemeine Marktpreisrisiko. Darüber hinaus bestehen Währungsrisiken, da die Zielfonds teilweise außerhalb des Euroraums investieren. Diese Risiken werden durch die breite Streuung über verschiedene Regionen, Branchen und ETFs reduziert, aber nicht beseitigt. Positiv ist die hohe Liquidität der Anlagen: Nahezu das gesamte Portfolio besteht aus handelbaren Fonds und liquiden Vermögenswerten.
Der Fonds berücksichtigt ESG-Kriterien und schließt unter anderem kontroverse Waffenhersteller aus. Anleger sollten den Nachhaltigkeitsanspruch dennoch nicht überinterpretieren. Die Steuerung nach den sogenannten Principal Adverse Impacts, also den wichtigsten negativen Auswirkungen von Investitionen auf Nachhaltigkeitsfaktoren, ist ausdrücklich kein Bestandteil der Anlagestrategie.
Auch aus formaler Sicht gibt es keinen auffälligen Kritikpunkt: Der unabhängige Abschlussprüfer bestätigt, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den gesetzlichen Vorgaben entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse des Fonds vermittelt.
Fazit aus Anlegersicht
Der I-AM ETFs-Portfolio Select blickt auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Renditen von 17 bis über 18 % bei einer Volatilität von rund 11 % sind attraktiv, die längerfristige Entwicklung der Anteilwerte ist ebenfalls positiv. Die breite Diversifikation sowie die Möglichkeit, die Aktienquote aktiv an das Marktumfeld anzupassen, sind weitere Pluspunkte.
Der entscheidende Schwachpunkt ist jedoch die außergewöhnlich hohe Kostenbelastung. TER, Performance Fee und gegebenenfalls Ausgabeaufschlag stellen für langfristige Anleger eine erhebliche Renditehürde dar. Hinzu kommt, dass aufgrund der fehlenden Benchmark aus dem Bericht nicht ersichtlich wird, ob das aktive Management nach Kosten tatsächlich einen dauerhaften Mehrwert gegenüber kostengünstigen ETF-Lösungen erzielt.
Aus Anlegersicht lautet das Gesamturteil daher: operativ und hinsichtlich der jüngsten Performance überzeugend, aber nur bedingt attraktiv für kostenbewusste Langfristanleger. Eine Investition erscheint vor allem dann interessant, wenn man davon überzeugt ist, dass das aktive Risikomanagement auch in schwächeren Marktphasen einen ausreichenden Mehrwert liefern kann, um die hohen Gebühren dauerhaft zu rechtfertigen.